Gefährlicher Herbst Wildunfälle häufen sich: Das sollten Autofahrer jetzt wissen

Mit Beginn des Herbstes wird es früher dunkel und später hell, dazu haben Hirsche ihre Brunftzeit und sind unvorsichtiger als sonst. Und so steigt jetzt die Zahl der Wildunfälle. Was Sie als Autofahrer beachten müssen, erklärt Mobilitätsexperte Andreas Keßler.

Ein Schild warnt vor vielen Wildunfällen.
Achtung Wildwechsel! Ein Keiler kann die 100 Kilogramm überschreiten, ein Hirsch das Doppelte wiegen. Ein Zusammenstoß sollte also besser vermieden werden. Bildrechte: imago images / Martin Müller

Warum ist der Herbst besonders gefährlich für Autofahrer und Tiere?

Mobilitätsexperte Andreas Keßler: Im Herbst reden wir bei vielen Tieren von der Brunftzeit. Und wenn Tiere brunftig sind, fällt Ratio unter den Tisch. Sie reagieren also anders als normalerweise: Sie sind nicht mehr ganz so scheu und nicht mehr ganz so vorsichtig, wenn die 'Frau der Träume' auf der anderen Straßenseite steht. Dann springt ein Hirsch auch mal genau vor die Stoßstange.

Wann und wo Vorsicht geboten ist

Rehe, Wildschweine und Füchse sind meist in den Morgen- und Abendstunden aktiv, wenn es dämmrig ist. Sie sind dann auf Nahrungssuche. Aber auch nachts können sie unterwegs sein. Sie sollten zu diesen Zeiten vor allem auf Straßen vorsichtig fahren, die durch Wälder und an Feldrändern vorbeiführen. Wildunfälle können jedoch grundsätzlich jederzeit und überall passieren.

Was sollte man tun, wenn ein Tier in Sicht kommt?

Wenn man die reflektierenden Augen aus dem Gebüsch heraus sieht hilft nur eins: bremsbereit sein. Keinesfalls hektisch ausweichen oder Gas geben. Je langsamer, desto geringer sind eventuelle Unfallfolgen.

Das sollten Sie beachten, wenn Sie ein Tier sehen:

  • langsamer werden oder ganz abbremsen
  • Fernlicht ausschalten, um das Tier nicht zu blenden
  • damit rechnen, dass weitere Tiere in der Nähe sind
  • wenn der Zusammenstoß nicht zu vermeiden ist: Auf keinen Fall ausweichen. Die Folgen für Sie selbst (z.B. Baumaufprall) und den Gegenverkehr bzw. nachfolgende Autos sind meist schlimmer als beim Zusammenstoß mit dem Wild. Außerdem: Bremsen Sie möglichst stark ab und halten Sie das Lenkrad gut fest.

Was ist die klassische Ursache für einen Wildunfall?

Klassisch ist, wenn jemand zu schnell in einem Bereich auf der Straße unterwegs ist, der als Wildwechselbereich bezeichnet ist. Das sieht man ganz einfach an den Wildwechsel-Schildern. Und 'zu schnell' heißt nicht etwa, man ist schneller unterwegs, als die Straßenverkehrsordnung erlaubt, sondern man ist schneller unterwegs als etwa 70 Kilometer pro Stunde. Das ist eine Geschwindigkeit, mit der die Tiere noch einigermaßen umgehen können.

Wie ernst sollte man die Wildwechsel-Verkehrszeichen nehmen?

Schild Wildwechsel
Solche Verkehrszeichen stehen nicht ohne Grund am Straßenrand. Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Grundsätzlich gilt, dass die Dämmerungszeiten verstärkte Wild-Unfallgefahr bergen. Wer zu diesen Zeiten auf der Straße unterwegs ist, sollte sich unbedingt an die Wildwechsel-Zeichen halten, die sind nicht zufällig aufgestellt, sondern aus Erfahrung heraus postiert. Überall da, wo ein Wildwechsel-Zeichen zu sehen ist, ist damit zu rechnen, dass Wildtiere die Straße überqueren. Wenn man an solchen Zeichen vorbeifährt, sollte man den Fuß vom Gas nehmen.

Woran muss man denken, wenn es doch einen Unfall gab?

Wenn es zu einem Wildunfall gekommen ist, muss man sofort den dort zuständigen Pächter oder Förster informieren, auch wenn das Tier verletzt im Dickicht verschwindet. Das ist natürlich rein theoretischer Natur, wer weiß schon, welcher Pächter oder Förster dort zuständig ist. Ersatzweise ist das die Polizei. Die sagen einem dann auch, was konkret zu tun ist. Was man nicht machen darf, ist das möglicherweise getötete Tier von der Straße in den Kofferraum zu laden und 'in die Pfanne zu hauen'.

 

Wildunfall Tier Straßenrand
Wer das angefahrene Wild vom Unfallort entfernt, riskiert eine Anzeige wegen Wilderei. Bildrechte: IMAGO / alimdi

Das sollten Sie tun, wenn es zum Unfall gekommen ist: 1. Bewahren Sie Ruhe!

2. Wenn Sie oder andere Fahrzeuginsassen verletzt sind: Informieren sie die Rettungskräfte unter der Rufnummer 112, später auch die Polizei.

3. Wenn es Ihnen gut geht: Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, ziehen Sie die Warnweste an, stellen Sie das Warndreieck auf, auch, wenn das Tier verletzt geflüchtet ist.

4. Wenn Sie Handschuhe haben – wegen eventueller Tollwutgefahr – ziehen Sie das tote Tier an den Rand der Fahrbahn, damit keine Folgeunfälle passieren. Verletzte Tiere nicht anfassen, da sie beißen oder um sich schlagen könnten!
5. Warten Sie am Unfallort, bis die Polizei oder der Jäger da sind.

Damit der Schaden reguliert werden kann, muss die Polizei oder der Jagdpächter eine sogenannte Wildschadenbescheinigung am Unfallort ausstellen. Machen Sie am besten Fotos, um den Unfall als Wildunfall zu dokumentieren. In der Regel übernimmt die Teilkasko-Versicherung den Schaden. Doch selbst wenn es keinen Schaden gibt, sollte man nicht einfach weiterfahren. Das verstößt gegen das Tierschutzgesetz und ist obendrein Fahrerflucht.

Bis zu 8.000 Wildunfälle pro Jahr in Thüringen Jahr für Jahr gibt es auf Thüringens Straßen 5.500 bis 8.000 Wildunfälle. Dabei entstehen jedes Mal im Durchschnitt Schäden an Fahrzeugen in Höhe von 2.600 Euro, wie die Landesforstverwaltung Thüringenforst mitgeteilt hat.

Tote Tiere werden den Angaben zufolge in der Regel vom zuständigen Jagdpächter 'entsorgt', auch wenn dafür eigentlich die Gemeinden und Straßenbauverwaltungen zuständig sind. Die anfallenden Kosten von rund 100 Euro für Transport, Lagerung und Gebühren zur Tierkörperbeseitigung übernehmen laut Thüringenforst die Jäger.

Quelle: dpa

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 24. September 2021 | 17:00 Uhr

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