Reisen Erster Urlaub mit Wohnwagen: Das sollten Sie beachten

Andreas Keßler
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Aufgrund der Corona-Pandemie haben viele zum ersten Mal einen Urlaub im Wohnmobil oder mit einem Wohnwagen geplant. Für Einsteiger gibt es einiges zu beachten. Autoexperte Andreas Keßler hat wichtige Tipps.

Das Häuschen am Haken

Ein Traum! Überall anhalten können und sofort zu Hause sein – Urlaub mit dem Wohnanhänger ist nicht nur bei den Niederländern extrem populär. Auch bei uns wird diese Art des Reisens immer beliebter. Die Camping-Infrastruktur hat sich in den letzten Jahrzehnten professionalisiert. Moderne und gut geführte Campingplätze bieten einen Luxus, der einem guten Hotel in nichts nachsteht. Von einer Vermutung kann man sich als Camper aber verabschieden: Billig Urlaub machen geht anders! Das Wort "preiswert" trifft es schon eher.

Fahren mit Wohnanhänger ist kein Problem, wenn man ...

  • … auf die richtige Stützlast achtet
  • … die zulässigen Gewichte des Wohnanhängers und des Zugfahrzeuges beachtet
  • … den Caravan mit Verstand belädt (nicht zu viel, Schweres nach unten und gut gesichert)
  • … das Reifenalter und den Reifendruck im Auge behält
  • … den technischen Zustand auf hohem Niveau hält
  • … eine "Anti-Schlinger-Kupplung" montiert
  • … vor dem Urlaub mit dem Wohnanhänger an einem "Caravan-Training" teilnimmt

Fahrsicherheitstraining für Wohnwagen und Camper

Um das Verhalten von Wohnwagen und Camper kennenzulernen, ist ein  Fahrsicherheitstraining für Einsteiger zwar nicht verpflichtend, wird aber empfohlen.

Trainiert wird:

  • Wie reagiert man am besten in Gefahrensituationen?
  • Was ist tun, wenn plötzlich Hindernisse auftauchen?
  • Wie verhalten sich Wohnmobil und Wohnwagen beim Bremsen?
  • Wie verhalten sie sich in Kurven?
  • Wie wird richtig beladen?
  • Was tun bei brenzligen Engstellen?
  • Wie verhält sich der Anhänger/der Camper auf unterschiedlichem Untergrund?
  • Und wie bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten?

Wenn man zum ersten Mal mit einem Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs ist, wird man schnell merken, dass das Gespann oder das Fahrzeug ganz anders reagiert als ein Auto. Vor allem gilt das beim Bremsen und beim Kurvenfahren. Ungeübten Fahrern kann es sehr schnell passieren, dass der Wohnwagen oder das Wohnmobil ins Schlingern gerät oder dass der Bremsweg mit den schweren Gespannen unterschätzt wird.

Auf vielen Trainingsplätzen wird einem gezeigt, wie die Fahrzeuge zu führen sind, wie eingeparkt wird – auch rückwärts – und wie ein mögliches Schlingern ausgeglichen werden kann.

Reisen mit dem Wohnmobil
Auch für Familien sind Wohnwagen eine clevere Reiseidee. Bildrechte: MAGO / Westend61

Übrigens: Nicht nur Fahranfänger profitieren von einem Fahrsicherheitstraining mit Wohnwagen oder Wohnmobil. Auch erfahrene Camper können in den von Sicherheitsprofis durchgeführten Lehrgängen noch etwas dazulernen. Sicherheit geht vor!  

Hubraum ist durch nichts zu ersetzen

Es sei denn, man findet ein Fahrzeug mit noch mehr Hubraum... Im Zeitalter von "down-gesizten" Schrumpfmotoren in Leichtbauautos mit Frontantrieb rauft man sich auf der Suche nach einem Zugfahrzeug häufig die Haare.

Muss es immer ein großer und schwerer SUV sein, um den Wohnanhänger vernünftig ziehen zu können? Leider ja. Die Zeiten von dicken Hecktrieblern mit gutmütigen und leistungsstarken Saugmotoren, kombiniert mit einer klassischen Wandlerautomatik als ideale Zugmaschine, sind offenbar unwiderruflich vorbei.

Rentnerin vor ihrem Wohnwagen
Wohnmobile sind nutzerfreundlicher als Campinganhänger. Bildrechte: IMAGO / photothek

Deutlich nutzerfreundlicher (aber auch teurer) als ein Campinganhänger sind Wohnmobile, die es in allen Größen und Komfortgraden gibt. Zwar können Wohnmobile genauso wie Campinganhänger überladen werden, dafür kann man mit ihnen – sofern richtig beladen – flotte Reisefortschritte erzielen. Das Tempo-Limit von 80 bzw. 100 km/h gilt für sie nämlich nicht. Nicht nur deshalb boomen das Wohnmobil-Segment und mit ihm die Preise. In der Spitzengruppe sind "Motor-Homes" fast so teuer wie ein Einfamilienhaus in bester Lage.

Maximale Beladung beachten

Wie bei den Wohnanhängern gibt es auch bei Wohnmobilen Gewichtsgrenzen. Die sind mit zu viel Gepäck schnell überschritten, vor allem bei den modernen großen Heckgaragen. Wenn vorhanden, sollte dieser Stauraum aber wenigstens zwei Fahrräder fassen, sonst ist der zu zahlende Aufpreis zu hoch. Manchmal passt sogar ein kompletter Motorroller ins Heck. Dann muss allerdings die Bodenkonstruktion der Heckgarage entsprechend stabil sein, was den Preis in die Höhe treibt.

Für beide Fahrzeug-Kategorien gelten zum Teil schwer verständliche gesetzliche Regeln, die eingehalten werden müssen – und die in der Ferienzeit auch regelmäßig auf den Straßen kontrolliert werden.

Grundsätzlich gilt: Gewicht und Länge des Fahrzeugs sind entscheidend für das Fahrverhalten und die Manövrierfähigkeit. Hier gilt: Je kürzer, desto besser! Ähnlich sieht es bei den Gebühren für Tunnel, Autobahnen und Fähren aus. Hier gilt: Je länger, desto teurer!

Wo darf man mit dem Wohnwagen stehen?

Am besten macht man sich schon vor dem Start Gedanken über die Strecke. Welche geeigneten Plätze für eine Zwischenübernachtung gibt es? Freies Stehen bzw. Wildcampen ist fast überall verboten.

Wohnmobil auf einer Wiese
Plätze zum Übernachten sollten vor der Reise geplant werden. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Ausnahme: Zur sogenannten "Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit" darf man eine Nacht stehen bleiben, um zu übernachten – allerdings nur auf Park- oder Rastplätzen! Und bitte ohne den Campingtisch, Stühle und Sonnenschirm draußen aufzustellen oder das Vorzelt aufzubauen. Bei Kontrollen drohen sonst Bußgelder. Der beste Übernachtungsplatz ist ein zugelassener Campingplatz.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. Mai 2021 | 17:00 Uhr

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