Enkeltrick 3.0. Telefonbetrüger nutzen weiter Angst vor Corona

Medikamente gegen das Coronavirus gibt es nicht. Kriminelle nutzen dies und täuschen am Telefon vor, dass Angehörige erkrankt seien und man ihnen helfen könnte, indem man noch nicht zugelassene Medikamente finanziere.

Enkeltrick bei Kripo Live
Eins haben alle Enkeltricks gemeinsam: Betrüger versetzen ihre Opfer in Angst um Angehörige, denen vermeintlich durch Geld geholfen werden könnte. Bildrechte: MDR/Kripo Live

In Dresden ist es am Nachmittag des 8. Januar 2021 zu einer Welle von Betrugsstraftaten per Telefon gekommen. Die Angerufenen sollten jeweils 27.000 Euro für ein Medikament bezahlen, um damit einem angeblich an Covid 19 erkrankten Angehörigen das Leben zu retten. Mehrere der Angerufenen erkannten den Betrug, mindestens eine 90-Jährige übergab jedoch 3.500 Euro an einen Komplizen der Telefonbetrüger.

Miese Masche Schockanruf "Kripo live" hat drei der in Dresden am 8. Januar 2021 angezeigten Taten nach Polizeiangaben rekonstruiert, um zu zeigen, mit welchen Tricks die Betrüger vorgehen.

Anruf durch angeblichen Arzt

Dresden-Südvorstadt, 8. Januar 2021: gegen 15 Uhr erhält eine 84-Jährige einen Anruf von einem Unbekannten. Der Anrufer behauptet er sei Arzt und rufe aus einem Krankenhaus an. Dort liege ein Angehöriger der Dresdnerin, der schwer an Corona erkrankt sei. Das einzige, was ihm helfen könne, sei ein Medikament, das noch nicht zugelassen sei und daher privat finanziert werden müsse. 27.000 Euro verlangt der angebliche Arzt von der Rentnerin. Die Tat bleibt im Versuch stecken, denn die 84-Jährige erkennt den Betrug.

Eine Seniorin am Telefon.
Mit Sprüchen wie "Ihr Sohn wird sterben, wenn Sie nicht zahlen. Wollen Sie das?" werden die Opfer von den Betrügern am Telefon emotional unter Druck gesetzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

27.000 Euro für ein noch nicht zugelassenes Medikament

Etwa zwei Stunden später, gegen 16:45 Uhr die nächste angezeigte Tat in Dresden-Kaditz. Wieder ein sogenannter Schockanruf, wieder ist die Angerufene weiblich. Das Alter der Dame: 93 Jahre. Ihre Tochter solle an Covid 19 erkrankt sein. Auch in diesem Fall werden 27.000 Euro für ein angebliches Medikament verlangt. Weil die Rentnerin nur 4.000 Euro zur Verfügung hat, fragt der Anrufer nach weiteren Wertgegenständen. Doch es gelingt der 93-Jährigen zwischenzeitlich, ihren Enkel zu kontaktieren, sodass eine Geldübergabe verhindert werden kann. 

Erst Sorge um Angehörigen, dann die Scham, betrogen worden zu sein

Kurze Zeit später, gegen 17 Uhr haben die Telefonbetrüger eine 90-jährige Dresdnerin im Visier. Mit derselben Masche verwickeln die Täter die Rentnerin in ein Gespräch. Auch die 90-Jährige entschuldigt sich, nur 3.500 Euro zur Verfügung zu haben. In der Absicht damit, wie die Betrüger ihr vorgaukeln, ihrer schwer erkrankten Tochter zu helfen, übergibt sie das Geld einem unbekannten Abholer.

Eine Seniorin steht in einer dunklen Wohnung am Fenster
Haben die Angerufenen nicht das geforderte Geld zur Hand, geben sich die Betrüger auch immer wieder mit vierstelligen "Anzahlungen" zufrieden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hintermänner sitzen im Ausland

Die Polizei hat bereits mehrfach vor dieser Betrugsmasche gewarnt. Die Straftaten öffentlich zu machen, ist wichtig, um weitere zu verhindern. Denn die Strafverfolgung ist schwierig, weil die bandenmäßig organisierten Täter per Telefon aus dem Ausland agieren, im Verborgenen bleiben und strafrechtlich damit kaum eine Gefahr für sie besteht. Vor Ort sind nur die Geldboten. Das sind letztendlich die letzten Glieder in dieser Betrugsmasche und von den Banden problemlos austauschbar.

Ein mann im Anzug in einem Zimmer
Marko Laske, Pressesprecher der Polizei Dresden, erklärt mit Hinblick auf die Betrugsversuche durch den "Corona-Enkeltrick": "Es sind immer mehr Fälle festzustellen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tipp der Polizei: In der Familie über die Betrugsmaschen reden und aufklären

Häufig geraten Ältere ins Visier der Betrüger. Hier appelliert Marko Laske, Pressesprecher der Polizei Dresden, dass jüngere Angehörige für mehr Aufklärung bei den Senioren sorgen. Denn die Polizei informiert auch immer mehr über Twitter und Co. "Uns ist sehr wohl bewusst, dass gerade die älteren Menschen die Social-Media-Kanäle wahrscheinlich nicht so oft nutzen", sagt Laske. Jüngere würden so häufiger mit den Warnmeldungen konfrontiert und sollten sie daher "an ihre älteren Verwandten weitertragen". Das könnte im Zweifelsfall Vermögensschäden durch derartige Betrugsmaschen vermeiden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo Live | 07. Februar 2021 | 19:50 Uhr

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