Europäischer Gerichtshof EuGH-Gutachten: Entschädigung auch bei Vorverlegung von Flügen möglich

Ein verspäteter Flug sorgt oft für Ärger. Wird der Flug vorverlegt, kann es für Reisende aber noch komplizierter werden - zu dem Schluss kommt ein Gutachter des EuGH. In bestimmten Fällen soll demnach eine Entschädigung möglich sein.

Flugzeug
Wird ein Flug um mehrere Stunden vorverlegt, könnten ähnliche Regeln greifen wie bei einer Annullierung. Bildrechte: colourbox.com

Die Vorverlegung eines Fluges um zwei Stunden und mehr ist einer Annullierung gleichzusetzen. Zu dieser Einschätzung kam der Generalanwalt vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg in seinem Schlussantrag zu Klagen von Fluggästen gegen mehrere Airlines. In diesem Fall könne nicht davon ausgegangen werden, dass ein Fluggast, der sich auf den ursprünglichen Flugplan eingestellt habe, die Maschine noch erreiche.

Vorverlegung teils ärgerlicher als Verspätung

Die Unannehmlichkeiten für die Reisenden könnten demnach sogar größer sein als bei einer Verspätung, hieß es. Eine Vorverlegung von Flügen um mehrere Stunden könne sie möglicherweise dazu zwingen, "geplante Termine abzusagen, Jahresurlaub zu beantragen, um seinem Arbeitsplatz fernbleiben zu können, eine vorübergehende Unterkunft zu suchen oder Transportmittel zu organisieren".

Auch bei einer Vorverlegung um nur wenige Stunden sei nicht auszuschließen, dass ein Fluggast, der nicht über die neue Zeit informiert wurde, den Flug verpasse. Das "dürfte eine der ärgerlichsten Situationen sein, die man sich als Fluggast vorstellen kann". Konkret erklärte Generalanwalt Priit Pikamäe, ein Flug von gebuchten Pauschalreisen solle als annulliert gelten, wenn er um mindestens zwei Stunden vorverlegt worden sei.

Späteres Urteil dürfte Einschätzung von Generalanwalt folgen

Wenn die Airline die Fluggäste jedoch frühzeitig über die Änderung informiert und Alternativen angeboten habe, bestehe kein Recht auf Entschädigung. Hintergrund des Gutachtens sind mehrere Fälle vor deutschen und österreichischen Gerichten (Rechtssachen C-146/20, C-188/20, C-196/20, C-270/20, C-263/20). Wann ein Urteil fällt, wurde noch nicht bekannt gegeben. Der Gerichtshof folgt aber oft dem Antrag des Generalanwalts.

Quelle: MDR, dpa, AFP / (rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2021 | 15:30 Uhr

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