"Ungesicherte Zustellung" Pakete einfach abgestellt: Verbraucherschützer raten zur Beschwerde

Paket-Zusteller haben immer mehr Pakete im Wagen und enormen Druck, sie auszuliefern. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher beschweren sich über "ungesicherte Zustellungen". Doch tun kann man dagegen nur wenig. Der Beschwerdeweg ist der einzige – verbunden mit der Hoffnung, dass sich dann Qualität und gute Arbeitsbedingungen für die Zustellerinnen und Zusteller durchsetzen.

DHL-Paketzustellung in der Vorweihnachtszeit in Freiburg.
Oft werden Pakete einfach im Hausflur oder in der Garage abgelegt – ohne dass das zuvor ausgemacht wurde. Bildrechte: imago/Winfried Rothermel

Der aufgestaute Ärger, mit dem diese Beschwerde getippt wurde, ist leicht zu erahnen: "Ich hatte extra Verpflichtungen so umgeplant, damit ich zur angekündigten Lieferzeit anwesend bin. Stattdessen kamen die zwei Pakete über eine Stunde eher und wurden OHNE Abstellgenehmigung mitten vorm Haus, quasi für alle sichtbar, auf dem Gehweg abgestellt."

Weitere Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern:

Die Ablage erfolgte hinter dem Haus auf der Terrasse. Passende Benachrichtigung im Briefkasten. Es existiert aber kein Ablagevertrag!

Post-Ärger.de

Zustellung an Ablageort, den ich nie angegeben oder registriert habe. Heute lag ein Paket von über 1.000 Euro Wert außerhalb des Hauses unter der Treppe.

Post-Ärger.de

Zu finden sind solche Einträge auf der digitalen Beschwerde-Pinnwand der Seite Post-Ärger.de – ein Portal, das von der Verbraucherzentrale betrieben wird.

Wo ungesicherte Zustellungen landen

Erfahrungen mit sogenannten ungesicherten Zustellungen hat auch schon Dirk Daubenspeck gemacht, Jurist bei der Verbraucherzentrale Thüringen. "Der Standardfall ist wirklich, dass das Paket einfach – bei uns zumindest – noch ins Haus gelegt wird, aber keine Benachrichtigung in den Briefkasten geschmissen wird. Oder es gibt auch die Fälle, in denen es einfach vor die Haustür gestellt wird. Extreme Fälle sind dann, dass es in der Garage abgestellt wird." Und zwar, und das ist der Punkt, ohne eine Abstellgenehmigung – umgangssprachlich auch Garagenvertrag.

Wer zahlt, wenn das Paket gestohlen wird?

Bei DHL haben inzwischen rund zehn Prozent der Kundinnen und Kunden offiziell einen Ablageort bestimmt. Auch andere Paketdienste wie Hermes bieten das an. Der Vorteil: Man spart sich den Weg in die Nachbarschaft oder dorthin, wo die Sendung dann auch immer liegt. Der Nachteil: Wenn das Paket geklaut wird, hat man Pech gehabt. Die Verantwortung des Paketdienstes endet mit der Ablage am vereinbarten Ort.

Das heißt im Umkehrschluss: Wird die Sendung ohne Abstellgenehmigung einfach vor die Wohnungstür gestellt und die Sendung ist dann weg, so haftet der Paketdienst. Na dann, so ist man doch fein raus, oder? So würde das Verbraucherschützer Daubenspeck nicht sehen. "Wenn das Paket dann weg ist, muss man sich mit dem Haftungsprozess der Zustellunternehmen auseinandersetzen. Und das ist einfach ein Aufwand. Und man hat gegebenenfalls Beweisprobleme, was der Wert der Sache war." Das wünsche er keinem Verbraucher, sagt Daubenspeck.

Paketboten unter Druck

Dass Botinnen und Boten Pakete möglichst schnell loswerden wollen, findet Stefan Thyroke wenig verwunderlich. Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist er zuständig für die Paketdienste. "Das liegt auch an den Sendungsmengen, die enorm zugenommen haben. Mangels Personal werden die Zustellfahrzeuge mehr beladen als bisher." Da seien dann pro Fahrer mehr Pakete auszuliefern.

Und, ist Besserung in Sicht? Thyroke versprüht da wenig Optimismus: "Wir haben eine hohe Quote von Migrantinnen und Migranten in dem Bereich, weil der Arbeitsmarkt in Deutschland leergefegt ist." Man bemühe sich sehr, aber es sei nicht einfach, sie zu erreichen und darüber aufzuklären, "dass sie Rechte haben, die sie in ihrem Heimatland nicht hätten."

Zurück zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Was kann man tun, wenn das Paket immer wieder einfach irgendwo abgelegt wird? Nicht viel, sagt der Verbraucherschützer Daubenspeck. Man kann sich beschweren – direkt beim Paketdienst oder beim Anbieter der Ware. Bei gehäuften Beschwerden wechselt der dann vielleicht zu einem zuverlässigeren Zustelldienst.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2021 | 08:50 Uhr

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