Corona-Pandemie Urlaub ausgefallen: Diese Versicherungsprämien werden zurückgezahlt

In diesem Sommer fallen reihenweise Urlaubsreisen aus. Viele Veranstalter mussten Gruppentouren absagen oder gebuchte Pauschalreisen streichen. Die Kosten für Hotel oder Flug bekommt man dabei meistens mühelos zurück. Bei abgeschlossenen Versicherungen sieht das anders aus. Kann man Prämien für Reiserücktritts- oder Auslandskrankenversicherung zurückfordern?

Ein Ehepaar hatte für diesen Sommer eine Kreuzfahrt beim Reiseveranstalter "Polster und Pohl" gebucht. Es musste über 2.000 Euro zahlen. In dem Preis waren die Kosten für Transport und Übernachtung sowie die Reiserücktrittsversicherung enthalten. Die Kreuzfahrt sagte der Veranstalter schließlich wegen der Corona-Pandemie ab.

Den Großteil des Geldes bekommt das Paar zurück. Die Prämie für die Versicherung sieht das Paar allerdings nicht wieder. Und diese ist nach Angaben von Birgit Brümmel, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest, gar nicht so billig: "Das hängt zum einen vom Reisepreis ab und vom Alter der Versicherten. Ein Beispiel: Für eine 3.000 Euro teure Reise können das zwischen 70 und 270 Euro sein. Das ist je nach Anbieter und Tarif ganz unterschiedlich."

Die Gesetzeslage ist eindeutig

Das Ehepaar kann nichts für die Absage der Reise. Trotzdem werden ihm die Kosten für die Versicherung nicht erstattet. Warum nicht? Das hat einen rechtlichen Hintergrund, der im Versicherungsvertragsgesetz geregelt ist.

Birgit Brümmel erklärt: "Die Kosten für die Versicherung bekommt man bei einem Vertrag für eine einzelne Reise nicht zurück, weil der Versicherer in dem Moment ins Risiko geht, in dem die Versicherung abgeschlossen wird. Das heißt, der Versicherungsfall kann vom Zeitpunkt des Abschlusses bis zum Antritt der Reise oder dem Zeitpunkt der Reisewarnung schon eintreten."

Mit anderen Worten: Während ein Urlauber die Leistung eines Hotels erst dann in Anspruch nimmt, wenn er tatsächlich darin schläft, muss der Versicherer den möglicherweise fälligen Betrag für die Stornierung die ganze Zeit vorhalten. Er erbringt also schon vor der Reise seine vertraglich vereinbarte Leistung.

Rückerstattung bei Jahrespolicen möglich

Anders sieht es laut Birgit Brümmel bei Jahrespolicen aus: "Da könnte möglicherweise eine Erstattung infrage kommen." Sie betreffe anteilig den Zeitraum, den man nicht in Anspruch nehmen könne. Allerdings sind der Versicherungsexpertin dazu noch keine Gerichtsurteile oder Fälle bekannt. Betroffene müssten also mit dem Versicherer klären, ob sie anteilig Geld aus ihrem Jahresvertrag zurückbekommen könnten.

Welche Regeln gelten bei Krankenversicherungen?

Für die Absicherung des Gepäcks oder von Krankenhausaufenthalten im Ausland gelten nach Angaben von Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen andere Regeln: "Finden Reisen aufgrund der Corona-Pandemie gar nicht erst statt, verlieren manche Reiseversicherungen ihre Geschäftsgrundlage. Dann können zuvor gezahlte Prämien durchaus zurückgefordert werden. Das betrifft beispielsweise die Reisekrankenversicherung oder die Reisegepäckversicherung."

Voraussetzung sei, dass der Versicherungsschutz nur für diese stornierte Reise gelten sollte. Den Koffer packe man schließlich erst, wenn man tatsächlich unterwegs sei. Nur dann könne auch ein Schaden entstehen, für den die Versicherung aufkommen müsse.

Ergänzung: Die Prämie für die Auslandskrankenversicherung oder die Gepäckversicherung können Verbraucher durchaus zurückbekommen, weil erst bei Reiseantritt eine Leistung in Anspruch genommen wird. Wer die Reisekrankenversicherung nur für diese eine Reise abgeschlossen hat, kann die Versicherungsprämie vollständig erstattet bekommen. Anders ist es bei Reiserücktrittsversicherungen. Die Prämie für eine solche Police wird bei Absage der Reise durch den Veranstalter oder durch das Nichtzustandekommen aufgrund eines Einreiseverbots nicht ersetzt. Denn der Schutz durch die Versicherung greift bereits ab dem Zeitpunkt der Buchung, somit wurde eine Leistung bereits erbracht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Juli 2020 | 05:00 Uhr

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