Corona-Krise Sommerurlaub stornieren? Reise-Branche empfiehlt Abwarten

In Zeiten der Ausgangsbeschränkungen sehnen viele Menschen den Sommer herbei, und mit ihm den Urlaub. Doch viele Menschen sind verunsichert. Sollte man gebuchte Reisen stornieren? Die Reisebranche empfiehlt Verbrauchern, erst einmal abzuwarten. Von der Politik wünscht sie sich, dass die Situation in beliebten Urlaubsländern genauer betrachtet wird.

Sonnenhungrige Menschenmassen: Hochbetrieb herrscht am Strand von El Arenal auf der spanischen Insel Mallorca
Das Sonnenbad am vollen Stand scheint derzeit in weiter Ferne. Außenminister Maas sagt, einen normalen Urlaub werde es dieses Jahr nicht geben. Bildrechte: dpa

Er ist nicht allzu glücklich über die Aussage des Außenministers, das merkt man Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband an. Er meint, der Sommerurlaub dürfe nicht einfach lapidar abgeschrieben werden.

Die Menschen wollen Erholung haben, sie sehnen sich nach Abstand vom Arbeitsalltag.

Torsten Schäfer Deutscher Reiseverband

Dass dies nicht in dem Maße möglich sein werde, wie in den vergangenen Jahren, das sei klar. Aber eine konkrete Perspektive sei wichtig. Denn: Um Reisen zu bestätigen oder abzusagen, seien die Veranstalter auf die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes angewiesen, sagt Anke Budde von der Allianz selbstständiger Reiseunternehmen.

Bereits gebuchte Reisen absagen?

Anke Budde sagt, "wenn Sie für August ihren Sommerurlaub gebucht haben, dann kann ich Ihnen momentan nur empfehlen, jetzt erst mal abzuwarten. Es weiß im Augenblick noch keiner, welche Länder die Reisebeschränkungen aufheben werden, wohin man dann möglicherweise reisen kann".

Aktuell gelten die Reisebeschränkungen nur bis zum 3. Mai. Für alles, was danach kommt, fehle die Planungssicherheit, bemängelt Torsten Schäfer. Statt einer generellen, weltweiten Reisewarnung wünscht er sich deshalb, dass sich das Auswärtige Amt wieder einzelne Länder und die Situation dort anschaut. "Wo ist was möglich eventuell in den nächsten Wochen, in den nächsten Monaten, im Laufe des Jahres? Wo ist die Situation entspannter, wo ist die noch nicht so entspannt." Hier seien dezidierte Reisehinweise notwendig.

Wenn überhaupt gebucht wird, dann ab dem Herbst

Aktuell würden jedenfalls kaum noch Reisen gebucht, zumindest nicht für die nahe Zukunft, sagt Schäfer. Fernreisen beispielsweise würden, wenn überhaupt, frühestens für den Herbst, eher noch für den Winter oder das kommende Jahr gebucht. Der Deutsche Reiseverband schätzt, dass die Branche seit Mitte März rund 4,8 Milliarden Euro verloren hat. Denn der Sommer ist die Zeit mit den höchsten Umsätzen. Anke Budde warnt vor einer "Riesen-Insolvenzwelle". Die Leute seien momentan sehr zurückhaltend, was Neubuchungen betrifft. Das liege daran, dass die Situation ungewiss sei.

Budde sagt, sie hoffe aber auf einen Nachholeffekt, wenn die Reisebeschränkungen irgendwann gelockert würden – und rechnet für die kommende Zeit mit einer größeren Nachfrage nach Urlaub in Deutschland. Wie dieser dann aussehen könne, werde sich zwar noch zeigen. Einen Aufenthalt in Ferienwohnungen halte sie aber zum Beispiel für relativ unproblematisch, sagt Budde.

Urlaub in Deutschland

Auch Michael Buller, Vorstand des "Verbands Internet Reisevertrieb", glaubt, dass Urlaub im eigenen Land zuerst wieder möglich sein wird. Allerdings gehe es dabei nicht nur darum, ob man wieder verreisen darf. "Hat der Markt offen? Haben Lokale drumherum offen? Gibt es noch die Sehenswürdigkeiten? Kann ich da reingehen?"

Tourismus sei ein kompliziertes Ökosystem, dass man nicht auf Knopfdruck anmachen könne, erklärt Buller. Bis ein Hotel seinen Betrieb wieder aufnehmen könne, dauere es beispielsweise bis zu zehn Tage.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. April 2020 | 05:00 Uhr

Mehr zum Thema Recht

Weitere Ratgeber-Themen