Deutsche Bahn Bahnstreiks: Das müssen Reisende jetzt wissen

Die GDL-Lokführer bei der Deutschen Bahn wollen erneut streiken. Ausgerechnet in der Sommerferienzeit. Wenn Züge ausfallen, deutlich zu spät kommen oder dadurch der Anschluss verpasst wird, haben Fahrgäste ein Recht auf Entschädigung. Was Bahnreisende jetzt wissen müssen und was Sie vorsorglich tun können. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ein Laufband auf einer Anzeigetafel weist auf einen Streik der Lockführer hin.
Die Lokführer der GDL treten im Personenverkehr von Donnerstag- bis Dienstagfrüh in den Streik. Bildrechte: dpa

Welche Angebote macht die Bahn ihren vom Streik betroffenen Kunden?

Die Bahn rät vom Streik betroffenen Kunden dazu, nicht dringend nötige Reisen möglichst zu verschieben. Wer zwischen dem 2. und 7. September ein Ticket für den Fernverkehr gebucht hat, kann das entweder bis zum 17. September flexibel nutzen oder sich die Reisekosten erstatten lassen.

Außerdem entfällt die Zugbindung bei Sparpreisen und Super Sparpreisen. Für die Fahrt kann also auch jeder andere Zug genutzt werden. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei umgetauscht werden.

Die Deutsche Bahn informiert auf ihrer Website und unter der kostenlosen Hotline 08000 99 66 33 über gestrichene Verbindungen und Ersatzfahrpläne.

Wann gibt es Entschädigung?

Die EU-Fahrgastverordnung gilt auch bei Streiks und regelt den Anspruch auf Entschädigung. Wer mindestens eine Stunde zu spät am Ziel ankommt, bekommt 25 Prozent des Fahrpreises erstattet, bei zwei Stunden muss das verantwortliche Bahnunternehmen 50 Prozent des Preises erstatten. Fahrgäste können laut Bahn zwischen einem Gutschein oder der Auszahlung des Betrags wählen.

Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof können Fahrgäste einen anderen Zug nehmen. Dabei können auch höherwertige Züge benutzt werden, sofern sie nicht reservierungspflichtig sind. Der gezahlte Aufpreis wird zurückerstattet. Zeitkarten werden pauschal ab einer Verspätung von mindestens einer Stunde entschädigt – da Beträge unter vier Euro nicht ausgezahlt werden, müssen Fahrgäste meist Verspätungen sammeln und gemeinsam einreichen. 

Kann ich die Fahrt abbrechen?

Wenn absehbar ist, dass der Zug mindestens eine Stunde später als geplant am Ziel ist, dürfen Fahrgäste von der Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen. Das gilt auch für ausgefallene Züge oder verpasste Anschlüsse. Wer schon unterwegs ist und die Fahrt deshalb abbricht, kann sich den nicht genutzten Teil erstatten lassen, wer zum Ausgangsbahnhof zurückfährt, bekommt den vollen Preis zurück.

Regionalzug der Deutschen Bahn 1 min
Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

Wie komme ich an mein Geld?

Die Bahn empfiehlt, sich Verspätungen immer von Mitarbeitenden bestätigen zu lassen. Verbraucherschützer raten zudem dazu, Fotos von Anzeigetafeln zu machen, auf denen die verspäteten oder gestrichenen Züge stehen, oder Screenshots aus der App oder von der Internetseite zu erstellen. Mit diesen Belegen, der Fahrkarte und dem ausgefüllten Fahrgastrechte-Formular kann die Reise reklamiert werden. Das Formular gibt es direkt im verspäteten Zug, im Reisezentrum der Bahn sowie als Online-Formular oder zum Herunterladen.

Fahrgastrechte-Formular und Kugelschreiber Fahrgastrechte-Formular und Kugelschreiber
Das Papier-Formular muss per Post geschickt oder im Reisezentrum abgegeben werden. Bildrechte: IMAGO / Steinach

Die Unterlagen müssen an die Bahn geschickt oder im Reisezentrum abgegeben werden. Seit Kurzem ist auch eine digitale Rückerstattung möglich: Wenn das Ticket online oder mobil gekauft wurde, kann die Entschädigung einfach über das eigene Kundenkonto in der Bahn-App oder auf bahn.de beantragt werden. Für alle Rückerstattungen gilt: Sie müssen innerhalb eines Jahres nach Ablauf der Geltungsdauer der zugehörigen Fahrkarte geltend gemacht werden. Der erste Geltungstag ist auf dem Ticket vermerkt.

Was steht mir noch zu?

Wer abends an einem Bahnhof strandet und nicht weiterkommt, hat Anspruch auf eine Ersatzbeförderung oder im schlimmsten Fall auf eine Unterkunft und einen Transport dorthin. Bei einer Verspätung von mehr als 60 Minuten müssen die Bahngesellschaften außerdem kostenlos Erfrischungen und Mahlzeiten anbieten.

Wie komme ich alternativ ans Ziel?

Die Bahn hat in der Vergangenheit Sammelfahrten per Taxi oder Bus organisiert und gibt dann dafür entsprechende Gutscheine aus. Wenn das nicht gelingt, können Fahrgäste auch selbst mit dem Taxi weiterreisen, dann gelten aber Einschränkungen bei der Rückerstattung der Kosten. So gibt es zum Beispiel nur dann Geld zurück, wenn die planmäßige Ankunft zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr morgens liegt und die erwartete Verspätung am Zielbahnhof mindestens eine Stunde beträgt. Außerdem muss meist geprüft werden, ob der Zielbahnhof bis Mitternacht noch mit einem anderen Verkehrsmittel erreicht werden kann.

Wegen Streiks nicht (pünktlich) am Arbeitsplatz – was gilt?

Schwierig wird es für diejenigen, die für ihren Arbeitsweg auf die Bahn angewiesen sind. Einfach zu Hause bleiben ist keine Alternative. Wer wegen des Streiks im Homeoffice arbeiten oder kurzfristig Urlaub nehmen möchte, muss das so rechtzeitig wie möglich mit dem Arbeitgeber besprechen.

Lohnkürzung wegen Zuspätkommen?

Ohne Arbeit hat man keinen Anspruch auf Lohn - das gilt auch, wenn man wegen eines Streiks zu spät am Arbeitsplatz erscheint. Das sogenannte Wegerisiko liegt immer beim Arbeitnehmer - egal ob bei Schnee, Sturm oder eben Streik.

Einen gesetzlichen Anspruch, die verpasste Arbeitszeit nachzuholen, haben Arbeitnehmer nicht. Es sei denn, im Arbeits- oder Tarifvertrag ist Gegenteiliges vereinbart.

Quelle: AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 10. August 2021 | 12:00 Uhr

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