Flutkatastrophe Unwetterschäden lassen sich teilweise von der Steuer absetzen

Starkregen und Hochwasser haben in den vergangenen Wochen immense Schäden verursacht. Viele Betroffene haben fast alles verloren. Bei derartigen Unwettern kommen die Hausrat- oder die Gebäudeversicherung allerdings nur selten für die Beseitigung der Schäden auf. Eine Absicherung bietet nur eine zusätzliche Elementarschadenversicherung. Doch unter Umständen kann man auch mit Unterstützung vom Finanzamt rechnen. Denn Unwetterschäden können bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Eine Frau stehtin den Trümmern der Flut in Mayschoss/Ahrweile.
Die Schäden in den Flutgebieten können die Betroffenen kaum alleine finanziell stemmen. Neben Versicherungen kann hier aber das Finanzamt aushelfen. Bildrechte: imago images/Reichwein

Die Möglichkeit, Unwetterschäden von der Steuer abzusetzen, ist kaum jemandem bekannt, weiß Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe: "Denn heftige Unwetter mit schweren Schäden an Haus und Hof sind in der Vergangenheit eher die Ausnahme gewesen. Gleichzeitig gibt es in der Steuererklärung keine Stelle, an der explizit Unwetterschäden einzutragen sind."

Absetzbar sind existenziell wichtige Hausbereiche

Kosten für die Beseitigung von Schäden oder Wiederanschaffung von existenziellen Gegenständen können nach Angaben des Bundes der Steuerzahler als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden – und zwar dann, wenn kein Eigenverschulden vorliegt, Schadenersatz und Erstattung nicht möglich sind und wenn die Betroffenen alle Versicherungsmöglichkeiten ausgeschöpft haben.

Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe erklärt, was die Finanzbehörden unter dem Begriff "existenziell" anerkennen: "Als existenziell wichtige Bereiche am Haus gelten unter anderem Fenster, Türen, Grundmauern oder Hauswände. Dementsprechend sind die Kosten für Bauarbeiten, Reparaturen oder Instandsetzungsmaßnahmen für zerbrochene Fensterscheiben, kaputte Haustüren oder unterspülte Grundmauern absetzbar."

Ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen absetzbar seien sämtliche Aufwendungen, die für die Wiederbeschaffung von Hausrat, Kleidung sowie die Beseitigung von Schäden an selbstgenutztem Wohneigentum anfielen. "Und zwar egal, ob eine Elementarschadenversicherung vorliegt oder nicht", sagt Christina Georgiadis.

Werte der Gegenstände können geschätzt werden

Autos, Gartenterrassen oder Garagen gelten dagegen nicht als existenziell notwendig. Der Bund der Steuerzahler weist außerdem ausdrücklich darauf hin, dass auch die Kosten für Entsorgung, Sachverständigengutachten sowie für Darlehenszinsen als außergewöhnliche Belastung anerkannt würden, wenn zur Schadensbeseitigung ein Darlehen aufgenommen werden müsse.

Für die Wiederbeschaffung etwa von Hausrat oder Kleidung gelte der Wert zum Zeitpunkt der Zerstörung und nicht der Neuwert, betont Christina Georgiadis. "Wenn Sie den Wert der vernichteten oder beschädigten Gegenstände nicht nachweisen können, dann dürfen Sie den jeweiligen Wert schätzen. Schauen Sie sich zum Beispiel Kleinanzeigen in ihrer Zeitung oder im Internet an und vergleichen Sie die Verkaufspreise gleicher Gegenstände. Dabei sollten Sie den früheren Kaufpreis, die Qualität, den Zustand und das Alter des Gegenstands berücksichtigen."

Im Zweifelsfall bei Finanzamt oder Steuerberater nachfragen

In welcher Höhe die aus dem Unwetter resultierenden Schadenskosten abgesetzt werden können, das hänge im Einzelfall immer von der "zumutbaren Belastung" ab, sagt Georgiadis weiter. "Diese Belastungsgrenze richtet sich individuell nach der Höhe Ihrer Einkünfte, Ihrem Familienstand und der Anzahl der Kinder."

Von einem Unwetter Betroffene, die einen Handwerker beauftragen, um Schäden zu beseitigen, können die Kosten teilweise auch als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen. Ob bei der Ermittlung der "zumutbaren Belastung" oder der Frage, welche Form der Steuervergünstigung gewählt werden sollte – Aufschluss schafft im Zweifelsfall die Nachfrage beim Finanzamt oder die Beratung durch einen Steuerexperten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. August 2021 | 06:00 Uhr

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