Urlaub 2021 Buchen, stornieren, Veranstalter-Pleite – Darauf sollten Sie achten

Viele Urlaubshungrige haben noch Reisegutscheine aus dem Vorjahr, die aufgrund der Pandemie bislang nicht eingelöst werden konnten. Können die jetzt abgelaufen sein? Worauf sollte man bei einer Buchung achten? Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen beantwortet diese und viele weitere aktuelle Fragen zum Reiserecht.

Wie verhält es sich mit Gutscheinen, die eigentlich während der Pandemie abgelaufen sind? Beispiel: Reise bei Ebay erstanden – ein Jahr gültig … Gibt es einen Rechtsanspruch darauf?

Claudia Neumerkel: Soweit Gutscheine gemeint sind, welche unabhängig von der Covid-Krise erworben wurden: Wenn der Gutschein wegen Corona-Einschränkungen bis zum Ende der Gültigkeitsdauer nicht mehr eingelöst werden kann oder konnte, muss zuerst geprüft werden, ob die Befristung zu kurz bemessen war (z.B. bei einem Jahr). Oftmals sind diese zu kurzen Befristungen unwirksam und man kann den Gutschein dann noch länger, nämlich innerhalb der regelmäßigen Verjährungsfrist (bis zu drei Jahre nach Erwerb) einlösen. Endet aber eine gültige Befristung während der Schließungszeit, hat der Kunde das Recht, den Wert des Gutscheins abzgl. des entgangenen Gewinns des Händlers erstattet zu bekommen.

Mein Reiseveranstalter geht vor dem Urlaub Pleite. Was passiert dann mit meiner Reise?

Claudia Neumerkel: Pauschalurlauber sind für den Fall der Insolvenz des Vertragspartners gesetzlich abgesichert, denn die Veranstalter müssen eine entsprechende Versicherung abschließen. Als Nachweis, dass sich der Anbieter für den Fall des Konkurses abgesichert hat, erhalten Reisende vor Urlaubsbeginn einen sogenannten Sicherungsschein. Die Ausgabe des Reisesicherungsschein ist aber dann nicht notwendig, wenn es sich um Tagesfahrten handelt oder der Reisepreis bei maximal 75 Euro liegt. Hier büßt der Verbraucher im Regelfall ein.

Wird die Insolvenz noch vor Reiseantritt bekannt gegeben, erstattet der Versicherer regelmäßig die bereits geleistete Anzahlung und auch die Restzahlung.

Und bei einem Veranstalterkonkurs während des Urlaubs?

Claudia Neumerkel: Erstattet wird im Falle des Veranstalterkonkurses während der Reise der Preis für ausfallende Leistungen sowie die notwendigen Aufwendungen, falls z. B. der Hotelier oder die Fluggesellschaft eine weitere Zahlung für Unterkunft und Rückreise verlangt.

Umfasst der Pauschalreisevertrag die Beförderung des Reisenden, muss der Reiseveranstalter auch den Rücktransport und die bis dahin notwendige Unterkunft sicherstellen. Die Rückbeförderung wird meist durch den Kundengeldabsicherer organisiert, um die Kosten auf diese Weise niedrig zu halten. Entschließen sich Urlauber, Ihre Reise nicht abzubrechen, sondern am Urlaubsort zu bleiben und für Unterkunft und Verpflegung erneut zu zahlen, können sie aber diesen Betrag nicht gegenüber dem Versicherer geltend machen. Auch der Kundengeldabsicherer kann die Fortsetzung der Reise anbieten. Dann können Urlauber zwischen der Annahme dieses Angebots sowie dem Abbruch der Reise und der Erstattung des Reisepreises wählen.

Stichwort Reisesicherungsschein. Was gibt es hier zu beachten?

Claudia Neumerkel: Verbrauchern ist dringend anzuraten, erst nach Erhalt des Reisesicherungsscheins Zahlungen zu leisten. Zudem sollte der Sicherungsschein nur im Original akzeptiert werden. Ist man sich unsicher, ob der Reiseveranstalter auch wirklich versichert ist, lässt sich der bestehende Versicherungsschutz in der Regel mithilfe eines Anrufs bei der angegebenen Versicherung bzw. Bank überprüfen. Außerdem ist zu prüfen, ob auf dem Dokument auch ein Gültigkeitszeitraum für die Reise vermerkt ist.

Reiseexpertin Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen
Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen ist Expertin in Sachen Reiserecht. Bildrechte: privat

Welche Buchungen sind am besten abgesichert? Wovon raten Sie ab?

Claudia Neumerkel: Pauschalreisen bieten juristisch einige Vorteile gegenüber Individualreisen. Die Urlauber können hier bei außergewöhnlichen und unabwendbaren Umständen kostenfrei zurücktreten und außerdem bei Wegfall erheblicher Reiseleistungen oder Änderung des Reisecharakters auch kündigen. Zudem sind sie, wie vorstehend beschrieben, im Falle einer Pleite auf der sicheren Seite.

Sowohl Individualreisende als auch Pauschalreisende sollten ungeachtet der Problematik der Insolvenz des Anbieters aber in jedem Fall auf flexible Stornobedingungen achten und sich hierfür vor Buchung die entsprechende Aussagen des Anbieters als Beweismittel sichern.

Haben sich Rechte bei Pauschalreisen seit der Pandemie verändert, z.B. durch außergewöhnliche Ereignisse?

Claudia Neumerkel: Nein, die gesetzlichen Regelungen sind dieselben – es kommt immer auf die Zeitpunkte bei Buchung, Stornierung und Reiseantritt und die Lage zum jeweiligen Zeitpunkt am Reiseziel an. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Urteilen in Sachen Reisen, leider kann man aber noch nicht von einer gefestigten Rechtsprechung sprechen.

Mit der zum 01.07.2021 vom Auswärtigen Amt angekündigten Aufhebung der allgemeinen Warnung und ziellandspezifischen Warnung für touristische Reisen werden viele beliebte Urlaubsländer wieder befahrbar. Es entfällt damit auch die nach der ersten Welle heiß diskutierte Frage, ob sich der Urlauber bewusst und sehenden Auges in Gefahr begibt, wenn bereits bei Buchung eine Risikowarnung für das Zielland bestand. Die juristische Ausgangslage wird weitestgehend wieder auf Null gesetzt.

Wer kommt für die Kosten auf, wenn ein Urlaubsaufenthalt wegen eines Quarantänefalles verlängert werden muss?

Claudia Neumerkel: Bei Pauschalreisen kommt, soweit die Quarantäne in die Zeit der Reise fällt, der Anbieter für Organisation und Kosten der Rückreise und evtl. Mehrkosten der Unterkunft auf. Alle anderen Mehrkosten fallen sowohl bei Pauschalreisen als auch Individualreisen nach einer gängigen Rechtsauffassung dem Staat an, der die Quarantäne anordnet – absehbar ist aber, dass die Durchsetzung der Ansprüche gegenüber einer Behörde eines fremdes Landes problematisch sein wird. Insofern ist zu empfehlen, eine sogenannte Covid-Reiseversicherung abzuschließen, die diese Kosten bei Quarantäne mit abdeckt.

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Wer legt eigentlich bei einer Kreuzfahrt die Quarantänezeit fest? Das Zielland, die Flagge, unter der das Schiff fährt oder mein Heimatland? Was muss ich bei der Rückreise beachten?

Claudia Neumerkel: Die Anordnung einer Quarantäne spielt erst bei Einfahrt in den Hafen eine Rolle. Die Quarantäne wird durch die dort ansässigen Behörden – also die Behörden des Ziellandes – angeordnet. Um die gegebenenfalls alternative Rückreise müssen sich die Reederei oder der Anbieter kümmern. Soweit dieser seine Verkehrssicherungspflichten belegbar verletzt hat, kommen auch Schadensersatzpflichten gegenüber den Reisenden in Betracht. Zusätzlich kann der Verbraucher die Reise wegen eines Mangels mindern.

Quelle: MDR Umschau

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau extra | 22. Juni 2021 | 20:15 Uhr

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