Urteil Darminfektion mit Ehec in Betriebskantine kein Arbeitsunfall

Vor zehn Jahren machte Ehec von sich reden. Der gefährliche Erreger löste eine Reihe schwerer Durchfallerkrankungen aus. Als Übertragungsquelle wurden verunreinigte Sprossen ausgemacht. Das Landessozialgericht in Hessen urteilte jetzt, wer sich in der Betriebskantine mit einem Darmkeim infiziert, kann das nicht als Arbeitsunfall geltend machen. Das Gericht erklärte, die Nahrungsaufnahme sei eine private Angelegenheit und damit nicht vom Unfallschutz erfasst.

EHEC Bakterien
Eine Ehec-Infektion äußert sich meist innerhalb einer Woche mit Durchfall und Bauchkrämpfen. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Eine Infektion mit dem Darmkeim Ehec in der Betriebskantine ist kein Arbeitsunfall. Das entschied das Landessozialgericht in Hessen in einem am Dienstag veröffentlichten Urteil. Es bestehe kein Unfallversicherungsschutz, weil es sich bei der Nahrungsaufnahme um eine "private Verrichtung" handle, argumentierten die Richter in Darmstadt.

Aktenzeichen L3 U 131/18

Ehec im Bockshornklee

Im konkreten Fall ging es um die Ehec-Infektion einer Wirtschaftsprüferin aus dem Mai 2011. Die Frau aus Frankfurt am Main musste in der Folge stationär behandelt werden. Der Ehec-Erreger war mit hoher Wahrscheinlichkeit über aus Ägypten bezogenen Bockshornkleesamen nach Deutschland in einen Gartenbetrieb in Norddeutschland gelangt. Diese Sprossen wurden auch an die Kantine des Betriebs geliefert, in dem die Klägerin beschäftigt ist.

Die Klägerin beantragte die Anerkennung als Arbeitsunfall. Sie habe sich entweder in der Kantine oder über eine Schmierinfektion im Betrieb infiziert. Zahlreiche weitere Mitarbeiter hätten sich ebenfalls infiziert. Die Berufsgenossenschaft hatte den Antrag abgelehnt. Es sei nicht bewiesen, dass sich die Versicherte am Arbeitsplatz infiziert habe. Die Nahrungsaufnahme gehöre nicht zu den unfallversicherten Tätigkeiten. Sollte sich die Versicherte durch Kontakt mit Kollegen infiziert haben, sei "die Unfallkausalität ebenfalls zu verneinen".

Landessozialgericht sieht keinen Arbeitsunfall

Die Einschätzung bestätigte nun auch das Landessozialgericht. Eine Infektion in der Kantine sei zwar ein möglicher Ablauf, aber es handle sich beim Essen nicht um eine versicherte Tätigkeit. Bei einer möglichen Infektion in den Betriebsräumen hätte sich "allenfalls ein allgemeines Lebensrisiko, nicht aber ein besonderes betriebliches Risiko realisiert".

Krankmachende E.Coli-Bakterien

2011 hielt das Bakterium Escherichia coli (Ehec) Ärzte und Behörden in Schach. Das Bakterium löst schwere Magen-Darm-Erkrankungen aus.

Tomate, Gurke, Salat
Wegen des Rätsels um die Herkunft des aggressiven Darmkeims Ehec warnte das Robert Koch-Institut 2011 vor dem Verzehr von Salat, Tomaten und Gurken. Bildrechte: colourbox/MDR

Von Anfang Mai bis Ende Juli erkrankten nach Zählung des Robert Koch-Instituts fast 3.000 Menschen an schweren Durchfallerkrankungen, 53 Menschen starben. Betroffen war vor allem Norddeutschland, doch einzelne Fälle kamen auch in allen anderen Bundesländern und im Ausland vor.

Bei der Suche nach der Quelle der Epidemie warnten die Behörden zwischenzeitlich davor, rohe Gurken, Tomaten oder Blattsalat zu verzehren. Zeitweise stoppten einige Bundesländer den Import spanischer Gurken. Nach wochenlanger Suche standen Sprossen als Quelle fest. Die EU schreibt seitdem regelmäßige Untersuchungen von Sprossen vor. Nach wie vor ist Ehec verbreitet. Jährlich werden mehrere Hundert Infektionen mit dem E.Coli-Keim registriert. Erreger finden sich in Rohmilch, Rohkäse, Roggenmehl und Feldsalat. Sprossen waren zuletzt nicht betroffen.

Quelle: AFP/DPA/LSG Darmstadt

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juni 2021 | 13:45 Uhr

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