Sparkassen-Zinsen von Prämiensparverträgen Verbraucherzentrale reicht Musterfeststellungsklage gegen Erzgebirgssparkasse ein

Die Verbraucherzentrale Sachsen reicht eine Musterfeststellungsklage gegen die Erzgebirgssparkasse ein. Nachberechnungen hätten ergeben, dass Prämiensparern des Instituts im Schnitt 6.000 Euro Zinsen entgangen seien.

Verbraucherzentrale in Leipzig.
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Die Verbraucherzentrale Sachsen reicht heute am Oberlandesgericht Dresden eine Musterfeststellungsklage gegen die Erzgebirgssparkasse ein. Das teilte die Verbraucherzentrale dem MDR-Magazin "Umschau" mit. Bei der Klage geht es um mutmaßlich falsche Zinsberechnungen bei Prämiensparverträgen. "Bei unseren Berechnungen ist herausgekommen, dass den Sparern im Schnitt pro Fall 6.000 Euro zu wenig Zinsen gezahlt wurden. Das ist natürlich für die einzelne Person ein ziemlich hoher Betrag", sagte Michael Hummel, Leiter des Referats Recht bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Seit Februar 2019 haben sich hier mehr als 400 Kunden der Erzgebirgssparkasse beraten und ihre Prämiensparverträge nachrechnen lassen. Im höchsten Fall sollen einem Sparer den Berechnungen zufolge 43.000 Euro Zinsen entgangen sein.

Zweite Musterfeststellungsklage gegen sächsische Sparkasse

Die Musterfeststellungsklage ist die zweite gegen eine sächsische Sparkasse. Bereits im Mai hat die Verbraucherzentrale gegen die Sparkasse Leipzig Klage eingereicht. Ihr haben sich nach Angaben der Verbraucherzentrale bislang 750 Sparer angeschlossen. Mit der zweiten Musterfeststellungsklage will die Verbraucherzentrale für die betroffenen Prämiensparer der Erzgebirgssparkasse unter anderem klären, ob die Zinsklauseln in den Verträgen unwirksam waren und welcher Referenzzinssatz zugrunde zu legen wäre. Damit die Klage zustande kommen kann, müssen sich mindestens 50 Prämiensparer der Erzgebirgssparkasse ins Klageregister eintragen. Von 25 Betroffenen liegt der Verbraucherzentrale nach eigenen Angaben bereits jetzt die Vollmacht dafür vor. Zudem hätten 319 Verbraucher im Vorfeld unverbindlich schriftlich erklärt, dass sie sich der Klage anschließen wollen.

Erzgebirgssparkasse hält Berechnungen für gerecht

André Leonhardt, Sprecher der Erzgebirgssparkasse, teilte auf Anfrage der "Umschau" mit, dass aus Sparkassensicht Berechnungen angewendet wurden, die "eine gerechte und nicht einerseits übervorteilende Zinsanpassung ermöglichen." Er verweist zudem auf die kaufmännischen Prinzipien der Sparkassen: "Unser Geschäft muss – so wie das eines jeden Unternehmers – wirtschaftlich sein, weil nur dadurch unsere nachhaltige Existenz und damit die Erfüllung unseres öffentlichen Auftrags sichergestellt wird. Daher gilt für uns immer, dass Verträge mit unseren Kunden auf beiderseitigen Nutzen gerichtet sein müssen – und das haben wir unter anderem auch beim Prämiensparen flexibel immer berücksichtigt."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 22. Oktober 2019 | 20:15 Uhr

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