Alter, Behinderung, Hautfarbe Serie "Ganß anders": Wie bunt ist Mitteldeutschland?

MDR-Reporter Stefan Ganß trifft für seine fünfteilige Serie Menschen, die "anders" sind und das auch zu spüren bekommen. Er begleitet unter anderem einen Schwarzen Polizisten in Leipzig und eine Musikerin in Dessau, die als Mann geboren wurde.

Ganß anders - Wie bunt ist Mitteldeutschland (Sendereihenbild)
Stefan Ganß trifft Menschen, die "ganß" anders sind – und begleitet sie einen Tag lang. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR-Reporter Stefan Ganß ist weiß, heterosexuell, verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Leipzig. In seiner Serie "Ganß anders" möchte er herausfinden, wie bunt, vielfältig und divers Mitteldeutschland ist. Wie lebt es sich hier, wenn man nicht wie Stefan ist? Wie leicht oder schwer haben es Menschen, die "ganß" anders sind als er? Stefan trifft Menschen mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen geschlechtlichen Identität, einer Behinderung, einem anderen Geschlecht und einem anderen Alter.

Vorurteile, Aversionen und Hemmschwellen

Stefan Ganß
Stefan Ganß ist seit Jahren Reporter beim MDR. Bildrechte: MDR/Peter Komarowksi

Stefan begleitet sie einen Tag lang in ihrem Alltag. Er hört zu, fragt nach und thematisiert Vorurteile, Aversionen und Hemmschwellen, denen sie mitunter täglich ausgesetzt sind. Er hinterfragt auch eigene Denkmuster und ordnet seine Erlebnisse gemeinsam mit prominenten Expertinnen und Experten aus Deutschland ein, die selbst anders sind. Dazu trifft er den Menschenrechtsaktivisten Raúl Krauthausen, die Journalistin Georgine Kellermann, Schauspieler Tyron Ricketts, die Unternehmerin und Autorin Fränzi Kühne und den Politiker Henning Scherf.

Die Videos sehen Sie ab Sonnabend, dem 28. Mai 2022, in der Mediathek und täglich bei MDR um 2 in der Woche ab 30. Mai.

Deutschland ist Weltmeister darin, behinderte Menschen grundsätzlich auszusortieren.

Raul Krauthausen Menschenrechtsaktivist

Menschenrechtsaktivist Raul Krauthausen kritisiert unter anderem Behindertenwerkstätten, in denen mitunter nicht einmal der Mindestlohn gezahlt wird. Einen ganz anderen Weg gehen Mitarbeitende eines Inklusionshotels in Thüringen. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Der Chef, Michael König, sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl.

Ich sehe mich als Teil dieser Gesellschaft. Warum kann ich dann nicht als Schauspieler auch diesen ganz normalen Teil dieser Gesellschaft spielen?

Tyron Ricketts  Schauspieler

Wie fühlt es sich an, als Schwarzer Mensch hier aufzuwachsen? Stefan Ganß trifft Vincent Chakumika, einen Polizisten aus Leipzig-Grünau, der große Teile Sachsens meidet – wegen seiner Hautfarbe. Seine Geschichte zeigt, wie verbreitet Alltagsrassismus in Deutschland noch immer ist. Schauspieler und Moderator Tyron Ricketts ärgert sich über Rollenangebote, in denen seine Hautfarbe im Vordergrund steht. Er erklärt, warum die Frage nach der Herkunft immer tabu sein sollte.

Es gibt Feministinnen, die sagen, du hast das nur gemacht, um in weibliche Schutzräume einzudringen und Frauen zu belästigen.

Georgine Kellermann Journalistin

Welchen Vorurteilen ist man ausgesetzt, wenn die geschlechtliche Identität nicht zum eigenen Körper passt? Stefan trifft Maria Jedamczik, eine Kontrabassistin an der Anhaltischen Philharmonie in Dessau, die nach Jahrzehnten in einem Männerkörper jetzt so lebt, wie sie möchte: als Frau. Journalistin Georgine Kellermann erklärt, warum der Begriff „Transfrau“ für sie falsch ist und warum sie sich nach 62 Jahren für ein öffentliches Coming-Out entschieden hat. 

 Deutschland ist in Sachen weibliche Führung ein absolutes Entwicklungsland.

Fränzi Kühne Unternehmerin und Autorin

Stefan bekommt von Rebecca Stange exklusive Einblicke in die Führungsriege der JVA Dresden, die ausschließlich weiblich ist. Dass das noch immer die Ausnahme ist, erklärt Unternehmerin Fränzi Kühne, die Deutschlands jüngste Aufsichtsrätin war. Sie sagt, dass es noch 112 Jahre dauert, bis es wirkliche Gleichberechtigung gibt.

 Die Hauptbedrohung ist, dass man ganz alleine bleibt und dass man sich verlassen fühlt.

Henning Scherf Politiker

Wie wird man hier eigentlich in Würde alt? Zu viele Menschen werden in Alten- und Pflegeheime aussortiert, kritisiert Henning Scherf, Schirmherr der Deutschen Stiftung für Demenzkranke. Dass es auch anders geht, zeigt eine Einrichtung in Weimar. Dort leben ältere kulturinteressierte Menschen zusammen. Auch Eva-Maria Köhler. Sie wünscht sich Verantwortliche, die mit dem Herzen dabei sind und ältere Menschen nicht aufs Abstellgleis schieben. Sie selbst startete mit 87 Jahre noch einmal als Theaterschauspielerin durch.

Dieses Thema im Programm: MDR um 2 | 30. Mai 2022 | 14:00 Uhr

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