Kripo live Telefonbetrüger nutzen Ängste in der Corona-Pandemie

Ein angeblicher Enkel in Geldnöten oder angebliche Kripobeamte, die das Ersparte vor Diebstahl retten wollen: Telefonbetrüger zielen auf die Ängste möglicher Opfer. In der Coronavirus-Pandemie greift eine neue Masche um sich.

Eine ältere Frau telefoniert mit einem schnurlosen Festnetztelefon
Mit Fragen wie "Weißt du denn nicht, wer dran ist?" gelangen die Trickbetrüger an erste Informationen, aus denen sie ihre Lügengeschichte stricken. Bildrechte: dpa

Seit etwa fünf Jahren geht es in den Geschichten, die professionelle Telefonbetrüger erzählen, fast nur noch um Verbrecherbanden, die angeblich mit den Banken der Angerufenen im Bunde sind. Die Täter, die sich als Staatsanwälte oder Kripobeamte ausgeben, behaupten dann, es gäbe nur eine Möglichkeit, das Ersparte auf der Bank zu retten: alles abholen und einem Boten übergeben.

Jährlicher Schaden geht in die Millionen

Die Geschichte variiert, mitunter werden die Banken auch weggelassen, und es ist angeblich die Nachbarschaft, die es auf das Geld des Angerufenen abgesehen hat. Ob man den Verdacht hat, in letzter Zeit von den Nachbarn beobachtet worden zu sein, werden die zumeist älteren, allein lebenden Betrugsopfer dann gefragt, und ob sie glauben, dass das Geld und ihre Wertgegenstände zu Hause wirklich sicher sind. Dann kommt wieder der Bote, ein angeblicher Kriminalbeamter, ins Spiel.

Mit diesen oft absurd anmutenden Storys wurden in den vergangenen Jahren oft mehrere 10.000 Euro, manchmal mehrere 100.000 Euro an der Haustür oder am Gartentor übergeben. Schätzungen des Bundeskriminalamts gehen von einem jährlichen Gesamtschaden im dreistelligen Millionenbereich aus.

Geringe Risiken für Täterbanden

Für die aus Call-Centern in der Türkei und aus Polen agierenden Täterbanden ist die Gefahr, strafrechtlich für den massenhaften Betrug zur Verantwortung gezogen zu werden, äußerst gering. Das größte Risiko trägt der Abholer, der in Deutschland das Geld einsammelt. Er ist in die Strukturen der Bande jedoch kaum involviert und kann von den Banden einfach ersetzt werden.

Mit dem Anstieg der Zahlen bei den Corona-Infizierten und den damit in Zusammenhang stehenden Ängsten, insbesondere bei Älteren, haben die Telefonbetrüger neue Maschen entwickelt. Grundlage ist plötzlich wieder der Enkeltrick, der vor etwa fünf Jahren von der offenbar erfolgreicheren Masche "falscher Polizist" abgelöst worden war.

Mit Suggestivfragen kommen Täter an Infos

Die Telefonbetrüger suchen im Telefonbuch nach Vornamen wie Erna oder Karl-Heinz, die auf Senioren schließen lassen und rufen diese an. "Weißt Du denn nicht wer dran ist?", fragen die Betrüger scheinheilig. Wenn die Angerufenen dann etwa sagen: "Christian? Bist Du das?", dann wird um diesen zumeist Enkel Christian Stück für Stück eine Geschichte gebaut, die einzig aus den Informationen besteht, die der Angerufene preisgibt. Am Ende geht es dann immer darum, dass der angebliche Christian dringend Geld benötigt.

Angeblich lebensbedrohlich an Corona erkrankt

In den aktuellen Lügen der Telefonbetrüger gibt der angebliche Enkel oder andere Verwandte vor, lebensbedrohlich an Corona erkrankt zu sein. Bekannt geworden sind jetzt mehrere Fälle in Sachsen, bei der Polizeidirektion Dresden und bei der Polizeidirektion Görlitz. Nach der schockierenden Corona-Diagnose schaltet sich ein angeblicher Arzt ein, der noch einmal darauf hinweist, dass es um Leben und Tod geht, bevor er zum geschäftlichen Teil wechselt. Nur ein noch nicht zugelassenes Medikament könne den ansonsten sicheren Tod abwenden.

Die Kosten des Medikaments variieren bei den 19 der PD Görlitz bekannt gewordenen Fällen. Der falsche Arzt und sogar Professor soll für seine Lebensrettung zwischen 50.000 und 75.000 Euro verlangt haben, zahlbar als Überweisung oder persönlich in Breslau, was in einem Fall auch tatsächlich geschehen ist: 30.000 Euro in bar, in der Nähe eines Krankenhauses.

Viele Betrogene zeigen die Tat, aus Scham auf diese unglaublichen Geschichten hereingefallen zu sein, nicht an. Man kann insofern davon ausgehen, dass die Call-Center-Mafia in den vergangenen Tagen noch mehr Beute gemacht hat.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 01. November 2020 | 19:50 Uhr

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