Von Eisenach nach Marburg Luther, Zwingli und ihre Auffassungen vom Abendmahl

von Franz Kadell

Nikolaikirche und Nikolaitor am Karlsplatz.
Nikolaikirche und Nikolaitor in Eisenach Bildrechte: IMAGO

Auch nach den bewegten Anfangsjahren machte Luther mehrmals Station in Eisenach, so auch 1529 auf dem Weg nach Marburg.

Der hessische Landgraf Philipp der Großmütige hatte zu einer Theologenkonferenz eingeladen. Er wollte eine starke reformatorische Bewegung gegen die Zentralbestrebungen des Kaisers fördern und eine schwächende Auseinanderentwicklung einzelner Flügel verhindern. Dieses Treffen vom 1. bis 4. Oktober 1529 ging als "Marburger Religionsgespräch" in die Geschichte ein.

Auf seiner Reise zog Luther durch das Eisenacher Nikolaitor. Durch dieses Stadttor waren auch die Mönche und Nonnen während des Unruhe- und Bauernkriegsjahres 1525 beim "Bildersturm" aus der Stadt getrieben worden.

Bekenntnisdokument der Reformation: Die "Marburger Artikel"

Der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli, Kupferstich von Konrad Meyer (1618-1689)
Reformator Huldrych Zwingli Bildrechte: IMAGO

In Marburg fand seine einzige Begegnung mit dem oberdeutschen Reformator Huldrych Zwingli aus der (späteren) Schweiz statt. Seit Jahren schon hatten sich die beiden in vielen Schriften bekämpft: Im Kern ging es um die Auffassung vom Abendmahl.

Bemerkenswerterweise war es Luther, der entschieden an der alten Lehre festhielt. Diese besagte, dass Jesus Christus beim Abendmahl leiblich, wirklich anwesend war, und zwar in Form von Wein und Brot – was mit dem Ausdruck "in beiderlei Gestalt" gemeint ist. Zwingli und sein theologisches Umfeld verstanden die Abendmahlsfeier hingegen als eine symbolische Gedächtnishandlung.

Am Ende des Treffens standen die 15 "Marburger Artikel", die beide Seiten unterzeichneten. Es ist das einzige Bekenntnisdokument der Reformation, das von Luther und von Zwingli gemeinsam unterzeichnet wurde. In 14 Punkten hatten beide Seiten Einigkeit erzielt, nicht aber im entscheidenden Punkt hinsichtlich des Abendmahls. Luther war hier zu keinem Kompromiss bereit. So war am Ende nicht nur die römische Kirche gespalten, sondern auch die reformatorische Bewegung im deutschsprachigen Raum.

Wer mehr wissen will ...

Über dieses Thema berichtet der MDR auch in: Tatorte der Reformation | Fernsehen | 18.02.2017 | 18:00 Uhr