Luthers letzte Tage in Eisleben Schmerzen und Schweißausbrüche

von Franz Kadell

Martin Luther war am 23. Januar 1546 in Wittenberg aufgebrochen und über Halle und Rissdorf nach Eisleben gereist. Er entsprach der Bitte, in einem sich schon Jahre hinziehenden Erbstreit zwischen den Grafen zu Mansfeld, Gebhard und Albrecht, zu schlichten. Die beiden redeten nicht einmal mehr miteinander. Es ging dabei um die Neustadt, deren Aufbau Luther mit der St. Annen-Gemeinde sehr unterstützt hatte.

Luther selbst empfand die Aufgabe als belastend. Wie er schrieb, sei der Auftrag: "… beschwerlich und meinen Neigungen und meiner Geistesart völlig fremd und meinem Alter ganz unbequem."

Die St. Andreaskirche in Lutherstadt Eisleben, 2012
St. Andreaskirche in Lutherstadt Eisleben Bildrechte: dpa

Auch klagte er über gesundheitliche Probleme wie Herzbeklemmung und Schweißausbrüche. Bereits von Krankheit und Erschöpfung gezeichnet, meinte Luther wenige Tage vor seinem Tod: "Ich bin allhier zu Eisleben geboren und getauft; wie, wenn's Gott schicket, dass ich auch hier stürbe!"

In der Kirche St. Andreas oberhalb des Marktplatzes hielt Luther noch vier Predigten. Die letzte musste er allerdings wegen eines Schwächeanfalls abbrechen. Die Kanzel ist noch heute erhalten. Sie ist eines der Paradestücke in der Luther-Ausstellung "Here I stand" in den USA. Zuvor war sie in Halle restauriert worden.

Auch Luthers drei Söhne waren am Sterbebett

Luther starb nachts im Hause der Familie Drachstedt am Markt – an einem Herzinfarkt nach mehreren Angina-Pectoris-Anfällen. In seinen letzten Stunden war er umgeben von zahlreichen Angehörigen, Weggefährten und Freunden, die teils nach Eisleben geeilt waren, um in der Todesstunde anwesend zu sein.

Totenmaske von Martin Luther und Gipsabguss seiner Hände
Totenmaske und Gipsabdruck der Hände Luthers Bildrechte: IMAGO

Zu diesem Kreis gehörten Luthers Diener Ambrosius Rudtfeldt, Luthers Student Johannes Aurifaber und Justus Jonas. Auch Luthers drei Söhne Johannes, Martin und Paul waren da. Weiterhin hatten sich der Pfarrer der St. Andreaskirche, Michael Coelius, sowie die beiden Stadtärzte eingefunden. Auch Graf Albrecht war von Mansfeld herbeigeeilt. Die Gräfin rieb Luther mit Aquavit ein, um die Schmerzen zu lindern.

Gemäß seiner theologisch-reformatorischen Auffassungen verzichtete Luther auf das katholische Sterbesakrament der letzten Ölung. Stattdessen betete er und sagte ein letztes Glaubensbekenntnis auf.

Am nächsten Tag hielt der Maler Lukas Furtnagel aus Halle das Bild des Verstorbenen als Zeichnung fest. Auch nahm er einen Wachsabdruck des Gesichts als Totenmaske ab. Anschließend wurde der Leichnam nach Wittenberg überführt und an mehreren Stationen aufgebahrt.

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