Ursprünge der Brüdergemeinde "Nachfahren" der Frühreformation um Jan Hus

Die Herrnhuter Brüdergemeinde hat ihre Ursprünge in der böhmischen bzw. auch mährischen Brüderkirche. Diese ist Mitte des 15. Jahrhunderts in Prag aus den Hussiten um den Frühreformator Jan Hus (1369-1415) hervorgegangen, der in Konstanz auf dem Scheiterhaufen starb. Schon lange vor der späteren Reformation, die von Luther, Zwingli, Calvin und anderen getragen wurde, hatte sich eine Gruppe zur "Unitas Fratrum", einer Brüderunität, zusammengeschlossen. Die Anhänger erstrebten eine sich am Urchristentum orientierende Kirche.

In den 50er-Jahren des 15. Jahrhunderts ließ sich die Brüderunität an der Grenze zu Schlesien und Mähren nieder. Immerwährende Verfolgung durch die katholische Kirche hätten im 30-jährigen Krieg fast zum völligen Verschwinden der Bewegung geführt, hätten nicht verbliebene Reste das Gemeindeleben weitertragen können. Dazu gehörte jene Gruppe, die 1722 in Herrnhut auf dem Landsitz des Religionsreformers Nikolaus Graf von Zinzendorf (1700–1760) in der Oberlausitz eine Zuflucht fand. Zinzendorf hatte zuvor an der Wittenberger Leucorea studiert.

Das habsburgische Toleranzpatent erlaubte 1781 erstmals wieder evangelische Kirchen auch in Böhmen. Nach Gründung der ersten Tschechischen Republik 1918 wurde 1920 die evangelische Kirche in Tschechien gegründet. Sie nennt sich hussitisch und knüpft damit bewusst an dessen reformatorische und nationale Anliegen an. Heute zählen die Herrnhuter Brüder etwa 150.000 Mitglieder in 265 Gemeinden.

Über dieses Thema berichtete auch: MDR Sachsenspiegel | Fernsehen | 23.09.2016 | 11:37 Uhr