Ausstellungsplakat Luther 95 Schätze
Plakat zur Ausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" Bildrechte: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen Anhalt

Sonderausstellung in Wittenberg | 13. Mai - 5. November 2017 Luthers Weg zum Reformator

Ausstellungsplakat Luther 95 Schätze
Plakat zur Ausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" Bildrechte: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen Anhalt

In Wittenberg veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen, die als Initialzündung der Reformation und damit einer jahrhundertelange Veränderungen in Religion, Kultur, Gesellschaft und Politik gelten. Hier findet vom 13. Mai bis 5. November 2017 die Nationale Sonderausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" statt. Im sanierten Augusteum, also in Luthers ehemaligem "Schwarzen Kloster" zeichnen authentische Objekte aus der Reformationszeit die Spuren Martin Luthers nach. 95 außergewöhnliche Exponate aus Luthers Umfeld stehen im Mittelpunkt des ersten Ausstellungsteils. Im zweiten Teil der Ausstellung schildern 95 Persönlichkeiten wie sie durch Luther maßgeblich beeinflusst wurden.

Zu sehen ist auch das Testament Luthers, eine Originalhandschrift des Reformators, die auf den 6. Januar 1542 datiert ist und in Wittenberg verfasst wurde. Das wertvolle Testament ist eine Leihgabe des Evangelischen Landesmuseums Budapest. Am 3. August nahm Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff das Testament in Empfang. Aus dem Schriftstück geht hervor, dass Luther - entgegen der damaligen Rechtslage - seine Ehefrau Katharina von Bora als Alleinerbin einsetzte und als Vormund der gemeinsamen Kinder.

Tod in Mönchskutte

Ausgangspunkt von Luthers Geisteswende ist unter anderem die im Mittelalter allgegenwertige Angst vor dem Tod und die Suche nach Auswegen aus der Angst. Die bildliche Umsetzung dieses Gefühls übernahm die Kunst. So entstanden vielfältige Bilder und Skulpturen, bei denen der Tod als Gerippe dargestellt wird, um ihn so den Menschen geradezu physisch vor Augen zu führen. So steht die Skulptur "Tod in Mönchskutte" geradezu ikonografisch für eine Atmosphäre eines Zeitalters, die geprägt war durch die Angst vor dem Tod.

Klappsonnenuhr mit Romwegkarte

Für Luthers Suche nach Auswegen aus der Angst steht auch seine Reise nach Rom 1511. Auch wenn der Mönch Martin Luder als Sozius eines Mitbruders einen Auftrag zu erfüllen hat, ist es eine Pilgerreise. In Rom besucht er alle sieben Hauptkirchen, ist aber frustriert vom Luxus der Kirche und dem Missbrauch des Ablasshandels. In der Retrospektive erklärt Luther selbst die Reise als Schlüsselerlebnis auf seinem inneren Weg zur Reformation.

Reliquiar der Heiligen Cosmas und Damian

Schon auf seiner Reise nach Rom wurde Luther seine Ablehnung gegen den Kirchenpomp und Ablasshandel leibhaftig gewahr. Zurück in Wittenberg wetterte er auch gegen die Reliquiensammlung seines Fürsten Friedrich der Weise. Dieser hatte den größten Reliquienschatz nördlich der Alpen. Davon zeugt heute noch das Wittenberger Heiltumsbuch. Das "Reliquiar der Heiligen Cosmas und Damian" ähnelt einem dieser Reliquiare, und steht in der Schau für den von Luther kritisierten Reliquienkult.

Latrinensitz

Bei Luthers Weg zum Reformator spielt auch die Latrine eine besondere Rolle. Auf dem Klo soll er seine eigentliche Erkenntnis gehabt haben, wie er selbst später schreibt. Luthers Klo, das in Wittenberg ausgegraben wurde, aber auch der hölzerne Latrinensitz in der Ausstellung erzählen aber auch von den damaligen Lebensumständen – nicht zuletzt, weil Latrinen und Abfallgruben als wahre Schatzkammern der Archäologen gelten.

Ausstellung - Luther! 95 Schätze – 95 Menschen, Latrinensitz
Bildrechte: Tim Hufnagl/Stiftung Luthergedenkstätten

MDR KULTUR - Das Radio Do 11.05.2017 06:15Uhr 02:40 min

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Brief an Erzbischof Albrecht von Brandenburg

Am 31.10.1517 kam es zum Befreiungsschlag Luthers und das spiegelt sich nicht nur in den 95 Thesen, die er formuliert, sondern auch im Brief an den Erzbischof von Mainz, Albrecht von Brandenburg, in dem er den Missbrauch des Ablasshandels anprangert und auch erstmals mit seinem Namen Martin Luther unterschreibt, bis dahin nannte er sich Martin Luder. Mit der Namensgebung ist sein Geisteswandel quasi dokumentiert.

Astrid Lindgren

Fünf Jahrhunderte nahm die Reformation Einfluss auf Religion, Kultur, Gesellschaft und Politik in aller Welt. Wie die Gedanken Luthers die Menschen bis heute prägen zeigen 95 Porträts – zum Beispiel Astrid Lindgren, denn die schwedische Autorin hat einige lutherische Gedanken ganz wörtlich in ihren Kinderbüchern verbreitet.

Angaben zur Ausstellung Luther! 95 Schätze - 95 Menschen
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Augusteum, Collegienstraße 54, 06886 Lutherstadt Wittenberg
Öffnungszeiten: Täglich 9- 18 Uhr

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im ... Radio | 08.05.2017 | 08:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2017, 13:44 Uhr