Merseburgs Zaubersprüche und Sagen "Merseburger Zaubersprüche" führen in germanische Zeiten

In Schloss und Dom verdichtet sich Merseburgs große Geschichte: Am Anfang steht Bischof Thietmar (975-1018); seine Chronik zählt zu den wichtigsten Quellen für das Leben seines Zeitgenossen König Heinrichs II. (gestorben 1024). Im Jahr 1146 wurde Heinrich II., dessen Ehe mit Kunigunde kinderlos geblieben war, heiliggesprochen; im Jahr 1200 auch Kunigunde.

Urkunde Kaiser Heinrichs II. für den Klerus der Merseburger Domkirche von 1021
Bildrechte: Vereinigte Domstifter

Thietmar legte den Grundstein des Doms St. Johannis im Jahr 1015, sechs Jahre später folgte die Einweihung. Im 16. Jahrhundert wurde der Merseburger Dom unter Thilo von Trotha und seinen Nachfolgern spätgotisch so überformt, wie wir die Hallenkirche heute kennen.

Besondere Schätze hält nicht nur der Dom selbst, sondern auch die Domstiftsbibliothek bereit. Berühmt sind die beiden "Merseburger Zaubersprüche". Die althochdeutschen Texte aus der Mitte des 10. Jahrhunderts wurden erst 1841 in einer Sammelhandschrift entdeckt. Die eine Zauberformel soll die Befreiung von Gefangenen, die andere die Heilung der Beinverletzung eines Pferdes durch germanische Götter bewirken.

Zusammen mit dem Schloss und dem Schlossgarten ist der Merseburger Dom Teil der Gesamtschau "Gartenträume Sachsen-Anhalt". Der Dom und die Kirche St. Laurentius zählen aufgrund ihrer Ausstattung zu den herausragenden Baudenkmälern an der "Straße der Romanik".

Ein Ring und viele Raben

Wer Merseburg besucht und sich über die Raben in einer Voliere des Schlosshofes wundert, dem sei die folgende Sage erzählt:

Bischof Thilo von Trotha vermisste seinen Siegelring. Im Zorn bezichtigte er seinen langjährigen Diener Johann des Diebstahls. Obwohl dieser heftig seine Unschuld beteuerte, wurde er hingerichtet. Einige Jahre später, bei Arbeiten an einem Turm des Schlosses, fand ein Arbeiter den Ring – im Nest eines Raben. Der Bischof mahnte, nie ein Urteil im Jähzorn zu fällen. Im Schlosshof ließ er einen Vogelkäfig aufstellen. Darin sollte auf ewig ein Rabe in Gefangenschaft sein. Bis heute leben in einer Voliere Raben auf dem Schlosshof von Merseburg.