Schauplatz für Geheimaktion Der "vogelfreie" Luther wird entführt

Es ist anzunehmen, dass Martin Luther öfter in Möhra, dem Wohnort seiner Großeltern gewesen ist, vor allem in jenen Jahren, in welchen er im unweit entfernten Eisenach zur Schule ging.

Nachweisbar ist, dass Martin Luther auf der Rückreise vom Reichstag zu Worms, wo er der Ketzerei beschuldigt worden und als Ketzer anschließend "vogelfrei" war, Möhra aufsuchte und seinen Onkel und seinen Großvater besuchte. Am zweiten Besuchstag, am 4. Mai 1521 soll er unter der großen Linde auf dem Dorfplatz eine bewegende Predigt gehalten haben. Warum dort? Die kleine Kapelle, die damals auf dem Kirchberg stand, war für den normalen Besuch schon zu klein und wurde erst im Laufe des 16. Jahrhundert erweitert.

Zuvor hatte er in Eisenach Station gemacht. Diese Abstecher von der nach Wittenberg führenden Route waren Teil einer verabredeten Dramaturgie: Wenige Stunden später sollte eine vorgespielte "Entführung" Luthers stattfinden, um ihn unerkannt auf die Wartburg zu bringen.

Geheime Kommando-Aktion Friedrichs des Weisen

Mit Kutscher und Wagen verließ Luther Möhra und reiste Richtung Gumpelstadt und Altenstein weiter. Über Waltershausen sollte es weiter nach Gotha gehen, Ziel letztendlich war Wittenberg – so die vorgegebene Absicht. In Wirklichkeit war die "Entführung" längst organisiert.

Heute lässt sich diese Route über den "Lutherweg" nachverfolgen. Luther fuhr also von Möhra aus durch die weite Senke des Moorgrunds nach Gumpelstadt und weiter auf die Anhöhe Schäfersruh mit der stattlichen Linde. Am Glasbachgrund, unterhalb des Eselskopfes, kam es am Abend des 4. Mai 1521 dann zu der geheimen Kommando-Aktion. Friedrich der Weise hatte von Torgau aus alles bestens vorbereitet.

Ritter Burkhard Hund von Wenkheim und seine Gefolgsleute führten den Plan aus. Sie hielten den Reisewagen an, fesselten Luther und ließen ihn noch einige hundert Meter neben ihren trabenden Pferden herlaufen, um den Kutscher zu täuschen. Erst dann gab sich von Wenkheim als Freund zu erkennen. Kurz vor Mitternacht ritten von Wenkheim und seine Getreuen mit dem "Entführten" in den Hof der Wartburg ein.