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Persönlichkeiten der Reformation: Thomas Müntzer

Vom Bewunderer zum Gegner Luthers

Stand: 28. September 2017, 09:41 Uhr

Die Quellenbasis zu Leben und Werk Thomas Müntzers, zumindest für die frühen Jahre, ist lückenhaft. Schon Müntzers Geburtsjahr in Stolberg, heute Sachsen-Anhalt, ist umstritten. Es werden die Jahre 1488, 1489 oder 1490 genannt. 1489 gilt als das wahrscheinlichste.

Gesichert ist, dass Müntzer 1524, nach Studienaufenthalten in Leipzig und Frankfurt/Oder an mehreren Orten in Mühlhausen wirkte. Obwohl er dort nur kurze hier Zeit war, machte er die Stadt zum Zentrum radikaler Kräfte - und sich Luther zum Gegner.

Dabei hatte er noch 1517, als er in Wittenberg lebte, den dortigen Augustiner und Hochschullehrer Martin Luther aus tiefem Herzen bewundert, bestärkt durch die Ablass-Debatte, die Luther mit seinen 95 Thesen angestoßen hatte.

Durch Luthers Empfehlung erhielt Müntzer 1520 eine Stelle als Hilfsprediger in Zwickau. Dort kam er in Kontakt mit den extremistischen Kreisen der "Propheten", einem Zweig der Wiedertäuferbewegung.

Eine richtige Pfarrstelle erhielt er 1523 in Allstedt (heute Landkreis Mansfeld-Südharz). Dort erregte er durch Neuerungen großes Aufsehen. Er führte den Gottesdienst in deutscher Sprache ein, stellte den Altar in die Mitte des Kirchenraumes, ließ Mädchen und Frauen im Chor mitsingen.

Mit der "Fürstenpredigt" eskaliert die Lage

Der große Zuspruch machte ihn noch selbstbewusster. Er überspannte den Bogen mit seiner "Fürstenpredigt", als er von der anwesenden Obrigkeit -  Kurfürst Johann (der Beständige) sowie dessen Sohn und Nachfolger Johann Friedrich - verlangte, sich seinen Vorstellungen vom urchristlichen Leben anzuschießen, andernfalls werde das Volk sie entmachten.

Das Resultat: Ein Briefwechsel mit gegenseitigen Beleidigungen zwischen Luther und Müntzer. Im August 1524 muss Müntzer das kursächsische Allstedt verlassen. Und wohin geht er? In die Freie Reichsstadt Mühlhausen.

Im Schnittpunkt mehrerer Konfliktlinien

In Mühlhausen macht sich Müntzer daran, mit dem ehemaligen Zisterzienser Heinrich Pfeiffer seine Idee von der "Gemeinschaft der Auserwählten Gottes" umzusetzen. Der Boden schien bereitet. In der zweitgrößten Stadt Thüringens hatten die sozialen Spannungen bereits zu Unruhen geführt.

Die Stadt hatte mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Wirtschaftskraft ging zurück, aber die Kosten für Rüstung, Befestigung und Beamtenstab blieben. Der Rat war zunehmend auf Anleihen angewiesen. Erschwerend kamen Verteidigungslasten hinzu, sprich Schutzbündnisse, welche mit jährlich bis zu 600 Gulden über die Hälfte der Steuereinnahmen der Stadt verschlangen. Bereits 1483, übrigens das Geburtsjahr Luthers, hatte sich Mühlhausen zusätzlich zu den regelmäßigen Zahlungen auch zur Heeresfolge gegenüber den Wettinern Ernst (Kurfürstentum Sachsen) und Albert (Herzogtum Sachsen) verpflichten müssen.

Um die gefährdete Selbständigkeit der Stadt abzusichern und nicht ganz zwischen den Mühlsteinen der Rivalität der beiden Sachsen zerrieben zu werden, suchte der Rat engere Anlehnung an Hessen. Mühlhausen wurde immer mehr Brennpunkt religiöser, sozialer und machtpolitischer Konflikte.

Ein "Ewiger Rat" übernimmt die Macht

Luther warnte, doch die Bürger Mühlhausens wollten Müntzer als Prediger. Von der Marienkirche aus nahm dieser den Kampf gegen Rat und katholische Geistlichkeit auf. Am 17. März 1525 stürzten Müntzer und Pfeiffer sowie deren Anhänger den alten Stadtrat. Das war Revolution. Ein "Ewiger Rat" mit 16 Mitgliedern übernahm die Herrschaft. Mühlhausen war jetzt in der Hand extremistischer Radikalreformer. Inzwischen hatten die Bauernaufstände aus Süddeutschland auf Thüringen übergegriffen. Die Aufständischen, die vor Frankenhausen lagen, baten den "Ewigen Rat" um bewaffnete Unterstützung. Müntzer und seine Leute lassen sich nicht lange bitten.

Müntzers Ende: Enthauptet und gepfählt

Am 15. Mai 1525 werden die aufständischen Bauern sechzig Kilometer weiter bei Frankenhausen am Kyffhäuser vom Fürstenheer vernichtend geschlagen, genauer gesagt abgeschlachtet. Wer nicht schon auf dem Schlachtfeld getötet wurde, ist gefangen und todgeweiht. Der geistige und geistlicher Anführer, der Prediger Thomas Müntzer, wird in Ketten gelegt, gefoltert und dem Henker übergeben. Am 27. Mai 1525 wurde Thomas Müntzer auf dem Richtplatz von Mühlhausen enthauptet, der Leichnam wurde gepfählt und aufgespießt. Müntzer wurde 35 Jahre alt.

Luther fand auch nach diesem Ende kein gnädiges Wort für Müntzer: "Wer den Müntzer gesehen, der kann sagen, er habe den Teufel gesehen in seinem höchsten Grimm." Und: "Müntzer ging voll Zittern in den Tod und behauptete, indem er die Bibel hastig ergriff, er glaube alles, was in diesem Buch enthalten sei. Aber das genügt nicht."

Über dieses Thema berichtet auch:MDR KULTUR - Radio: Feature, 12.04.2017, 22:00-23:00 Uhr | Spezial, 07.01.2017, 22:00-23:00 Uhr | 06.01.2017, 17:10 Uhr

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