Alles frisch restauriert Luthergedenken als Konjunkturspritze

Mehr als 250 Millionen Euro haben Bund, Länder, Kommunen und Kirchen in das Reformationsjubiläum investiert. Der größte Teil des Geldes floss in nachhaltige Verbesserungen der Infrastruktur. So wurden zahlreiche Erinnerungsorte wie die Wittenberger Schlosskirche oder Luthers Sterbehaus in Eisleben restauriert und um moderne Erweiterungsbauten ergänzt. Millionenbeträge flossen auch in Ausstellungen und mehrere hundert Kulturprojekte rund um die Reformation und ihre Folgen.

von Bastian Wierzioch, MDR KULTUR

Die Lutherstätten sind nicht wiederzuerkennen. Umfangreich saniert wurden im Zuge des Reformationsjubiläums die Wartburg in Eisenach, Luthers Elternhaus in Mansfeld, sein Sterbehaus in Eisleben, die Schlosskirche in Wittenberg sowie weniger bekannte Erinnerungsorte wie Schloss Hartenfels in Torgau. Knapp die Hälfte der Sanierungskosten übernahm die Bundesregierung, die insgesamt 50 Millionen Euro in das Lutherjubiläum investierte. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärt, wofür das Geld ausgegeben wurde:

Wir haben mit 50 Millionen in einer so genannten Lutherdekade sehr vieles tun können, und zwar einerseits authentische Lutherstätten sanieren. Das ist der Aspekt der Nachhaltigkeit dabei. Aber vor allem haben wir natürlich auch auf Projektarbeit gesetzt. 300 Projekte, über mehrere Jahre verteilt, haben 5,5 Millionen Besucher angezogen. Also es war in der Tat ein Konjunkturprogramm für den Geist und für die Lutherstätten.

Monika Grütters, Kulturstaatsministerin

140 Millionen Euro von den Ländern

Auch die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bezuschussten das Reformationsjubiläum mit insgesamt 140 Millionen Euro. Ein großer Teil davon floss ebenfalls in die Sanierung historischer Gebäude. Diese Investitionen haben sich gelohnt, meint Margot Käßmann, die Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum:

Ich finde, das ist es wert, dass wir diese historischen Stätten erhalten und nicht einfach verfallen lassen, weil wir in Deutschland zwar innovativ und zukunftszugewandt sein müssen, aber wer innovativ sein will, muss auch die eigenen Wurzeln kennen.

Margot Käßmann, Reformationsbotschafterin der EKD

Intensive künstlerische Auseinandersetzung

Auch Kultureinrichtungen profitierten in großem Umfang von der Lutherdekade. Davon zeugt eine Vielzahl an Theateraufführungen, Konzerten und Ausstellungen – darunter Renommier-Projekte wie die Schau "Luther und die Avantgarde" in Wittenberg oder das Pop-Oratorium "Luther" mit bisher 130.000 Zuschauern. Dazu kommen unzählige kleinere Kulturveranstaltungen in den Kommunen. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, sagt dazu:

Die Kulturszene hat sich sehr rege mit diesem Reformationsjubiläum auseinandergesetzt. […] Ich sag mal, zwischen den Kirchengemeinden und den Kultureinrichtungen vor Ort, zwischen den weltlichen Vereinen, dem Gesangverein und der Kirchengemeinde hat das wunderbar funktioniert.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats

Derzeit ist noch unklar, wie viel das Reformationsjubiläum insgesamt gekostet hat. Vorsichtig gerechnet kommt bisher eine Bilanzsumme von rund einer Viertelmilliarde Euro zusammen – in großen Teilen offenbar zum Wohle der Kultur- und Bauwirtschaft.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Oktober 2017 | 16:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2018, 09:39 Uhr