Reformationsorte in Mitteldeutschland: Eisleben Wo Luther geboren wurde und starb

von Franz Kadell

Im Mansfelder Land westlich von Halle liegt Eisleben, der Geburts- und Sterbeort Martin Luthers. Eisleben hatte sich im Mittelalter durch den Abbau von Kupferschiefer zur wichtigsten Stadt in der mächtigen Grafschaft Mansfeld entwickelt. Seit 1946 führt die heutige 26.000-Einwohner-Stadt wie sonst nur Wittenberg den festen Namenszusatz "Lutherstadt". Seit 1996 gehören die Luther-Gedenkstätten zum UNESCO-Weltkulturerbe. Dabei waren Geburt und Sterben Luthers in ein und derselben Stadt eher Zufall.

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St. Petri-Pauli Kirche (Taufkirche)

Touristen besuchen die historischen Gebäude der Lutherstadt Eisleben. 2 min
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Nach dem Heiligen Martin von Tours  benannt

Als Martin Luthers Vater, Hans Luder, Ende 1483 nach Eisleben kam, war seine Frau Margarethe Lindemann hochschwanger. Luder war auf der Suche nach einem neuen beruflichen Anfang im Bergbau. Eisleben, damals eine Stadt mit immerhin 4.000 Einwohnern, war allerdings nur Zwischenstation auf dem Weg seiner dauerhaften Niederlassung in Mansfeld.

Die Kirche Sankt Petri-Pauli in Eisleben
Kirche St. Petri-Pauli Bildrechte: dpa

Am Abend des 10. November 1483, nach 23 Uhr, wurde Martin geboren – im Haus in der heutigen Lutherstraße 15. Es war vermutlich das zweite Kind von Hans und Margarethe, doch das erste von neun Kindern, das überlebte. Einen Tag später wurde das Neugeborene in der nur Schritte entfernten Kirche St. Petri-Pauli getauft. Der Tagesheilige des Geburtstages war der Heilige Martin von Tours. Und so erhielt der Nachwuchs den Vornamen Martinus.

Der Taufstein in der spätgotischen Hallenkirche St. Petri-Pauli war lange verschollen. Durch mehrfache Restaurationen hat er mittlerweile den Charakter einer guten Nachbildung angenommen.

Niemand der Anwesenden bei der Geburt und Taufe, weder Eltern noch Pfarrer, hätten damals gedacht, dass sie einem Ereignis beiwohnten, das in der Weltgeschichte einen Platz einnehmen würde. Schon im Sommer 1484, als Martin ein halbes Jahr alt war, zog die Familie nach Mansfeld. Hans Luder arbeitete dort als Hüttenmeister.

Luther weihte die erste evangelische Kirche ein

Später, zu seiner Hauptwirkungszeit in Wittenberg, besuchte Luther in unterschiedlichen Missionen seinen Geburtsort. Als Distriktsvikar der Augustiner besuchte er Ordenseinrichtungen, führte Pfarrer in ihr Amt ein oder kümmerte sich – dann zusammen mit Philipp Melanchthon – um den Aufbau des Schulwesens.

Verbürgt sind Aufenthalte in den Jahren 1515, 1516, 1524, 1525, 1545 und schließlich sein letzter Aufenthalt Anfang 1546.

Für die Stadtentwicklung war wichtig, dass der Mansfelder Graf Albrecht VII. (IV.) (1480-1560) im Jahre 1511 die Neustadt außerhalb der Stadtmauer gründete. Hier sollten Bergleute aus anderen Gegenden Deutschlands angesiedelt werden, um den Arbeitskräftebedarf im aufstrebenden Bergwerkswesen zu befriedigen.

Zu diesem Bauprojekt gehörten auch die St. Annenkirche und das Augustinerkloster St. Annen, tatkräftig unterstützt von Luther, der das Kloster 1516 einweihte. Acht Augustiner bezogen acht winzige Kammern in dem neuen Kloster. Damit war St. Annen die erste evangelische Predigerkirche im Mansfelder Land. Hier wurde auch die erste evangelische Schule eingerichtet.

Den Bauernkrieg unbeschadet überstanden

Allerdings trat schon 1522/23 eine neue Lage ein, als sich im Zuge der Reformation das Kloster wieder auflöste. Graf Albrecht beteiligte sich auf Seiten der Fürsten an der Schlacht gegen die Bauern in Bad Frankenhausen. Den Bauernkrieg von 1525 überstand das Kloster allerdings unzerstört – als einziges von insgesamt zwölf Klöstern im Mansfelder Land. Fünf altfränkische Giebelkammern für die Mönche sind erhalten geblieben – eine Seltenheit.

Übrigens hat in St. Annen Martin Rinckart (1586-1649) das berühmte Lied "Nun danket alle Gott" gedichtet. Rinckart hatte in St. Annen von 1611 bis 1613 als Diakon seine erste Pfarrstelle inne.

Denkmal eines international bedeutenden Künstlers

Auf dem Marktplatz der Lutherstadt Eisleben erhebt sich seit 1883 das imposante Luther-Denkmal. Entworfen hat die Bronzeplastik Rudolf Siemering (1835-1905) aus Königsberg, einer der bedeutendsten Vertreter der "Berliner Schule". Die Figur des Reformators hält in der linken Hand eine Bibel und in der rechten Hand eine päpstliche Bannbulle. Unterhalb der Figur zeigen vier Reliefs auf dem Sockel vier Szenen: Sieg der Wahrheit (verkörpert durch einen Engel), Disput mit Johannes Eck in Leipzig, Luther daheim beim Singen mit Laute und Luther beim ernsten Bibel-Studium.

Übrigens schuf Siemering auch das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. in Magdeburg, das von 1897 bis zur Bombardierung 1945 am heutigen Universitätsplatz stand. Außerdem stammt von ihm das George-Washington-Monument in Philadelphia/USA.

Wer Eisleben besucht, sollte nicht einen Abstecher zum nahen, an der Straße der Romanik gelegenen Zisterzienserkloster St. Marien zu Helfta versäumen. Hier wirkte die Mystikerin Gertrud von Helfta (1256-1301/02).

Wer mehr wissen will ...

Buchtipps: Heiko A. Obermann: Luther. Mensch zwischen Gott und Teufel, Berlin 1982, verbesserte Auflage 1987

Franz Kadell: Kunst, Kitsch, Kurioses. Wo und wie wir überall dem Reformator begegnen. In: Lutherland Sachsen-Anhalt, Halle 2015

Otto Kammer: Reformationsdenkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts, Leipzig 2004

Über dieses Thema berichtete auch: MDR Sachsen-Anhalt | Radio | 13.12.2016 | 15:24 Uhr
MDR Sachsen-Anhalt Heute | Fernsehen | 19.10.2016 | 19:00 Uhr

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