Reformationsorte in Mitteldeutschland: Halle an der Saale Überall grüßt die Reformation

von Franz Kadell

Halle taucht in den Lebensläufen vieler Persönlichkeiten auf: Die Stadt ist der Geburtsort des Komponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759), die Studien- und Wirkungsstätte des evangelischen Theologen, Philosophen, Pädagogen und Staatstheoretikers Friedrich Schleiermacher (1768-1834), der Geburtsort (Ortsteil Reideburg) des Außenministers Hans-Dietrich Genscher und die Stadt des Schauspielers Peter Sodann.

Albrecht von Brandenburg
Albrecht von Brandenburg Bildrechte: IMAGO

Zur Reformationszeit war Halle das Gegenstück zu Wittenberg. Denn hier wirkte Martin Luthers großer Gegenspieler Kardinal Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und Mainz, Administrator des Bistums Halberstadt und Kurfürst des Heiligen Römischen Reichs. Er war einer der Adressaten der 95 Thesen gegen den Ablasshandel.

Doch auch in Halle setzte sich die Reformation durch. Mehr noch: Sie steht für die großen Leistungen des Pietismus durch Hermann August Francke (1663-1722) und die weltweite Ausstrahlung der Luthertums.

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Marktkirche Unser Lieben Frauen

Stadtführung mit einen Würdenträger. 3 min
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MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Di 15.11.2016 19:00Uhr 02:59 min

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Durchzogen von Reformationsstätten

Der Reformation und ihrer Folgegeschichte begegnet man in Halle auf Schritt und Tritt. Herausragend sind die Marktkirche, die Moritzburg, die Neue Residenz, der Dom, die Franckeschen Stiftungen und der "Stadtgottesacker“, einer der bedeutenden Renaissance-Friedhöfe in Europa. Das Stadtmarketing bietet dazu eine interaktive Stadtführung per Handy an. Über QR-Codes können Fakten zu den einzelnen Stätten abgerufen werden. Vorgetragen werden diese von den Schauspielern Hilmar Eichhorn und Reinhard Straube.

Hausmannstürme Marktkirche Halle
Marktkirche "Unser lieben Frauen" und Roter Turm Bildrechte: imago/Köhn

Auch, wenn Halle durchzogen ist von Reformationsstätten, so waren Gesicht und Charakter der Stadt im späten Mittelalter doch ganz anders. Das Meiste von dem, was heute das Auge in der Innenstadt um den Markt herum sofort gefangen nimmt, stand damals natürlich noch nicht: Das Händel-Denkmal (1859), der Ratshof (1928/29) und der an ein römisches Kastell erinnernde Hallmarkt (1924).

Salz und Tuchhandel haben die Wirtschaft über Jahrhunderte geprägt. Und: Halle war erzbischöfliche Residenz. Hier herrschte seit 1513 Albrecht von Brandenburg aus dem Hause der Hohenzollern auf der Moritzburg, ein glühender Verfechter der Ablassregelung von Papst Leo X., aber auch ein Förderer von Kunst und Wissenschaft. Luther kam 1518 persönlich nach Halle, um gegen Albrecht Stellung zu beziehen. Wie groß die Wirkung des Reformators sein würde, überschaute Albrecht nicht.

13 Jahre später war der Druck so groß geworden, dass er die Stadt verlassen musste und nach Mainz ging. Unmittelbar nach der Flucht Albrechts hielt der Reformator und Freund Martin Luthers, Superintendent Justus Jonas, am Karfreitag 1541 die erste protestantische Predigt in der Marktkirche. Halle war jetzt evangelisch.

Über dieses Thema berichtete auch: MDR Sachsen-Anhalt Heute | Fernsehen | 15.11.2016 | 19:00 Uhr
MDR KULTUR - Radio | 29.10.2016 | 17:15 Uhr

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Buchtipps: • Mathias Tullner: Sachsen-Anhalt, Ursprungsland der Reformation. Konflikte, Tendenzen, Impulse. In: Lutherland-Sachsen-Anhalt, Halle 2015
• Thomas Müller-Bahlke: Francke in den Fußstapfen Luthers. Die Fortsetzung reformatorischer Anliegen im Halleschen Pietismus. In: Lutherland Sachsen-Anhalt, Halle 2015

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