Universität Jena Den Krieg verloren, eine Universität "gewonnen"

Haupteingang vom Fürstengraben
Ein "Kind der Reformation": Heute zählt die Friedrich-Schiller-Universität ca. 19.000 Studenten. Bildrechte: FSU/Kasper

Ein historisches Ereignis, das die Geschichte Jenas wesentlich mitprägte, war der Schmalkaldische Krieg 1546/47, als Kaiser Karl V. in der Schlacht bei Mühlberg das protestantische Bündnis besiegte. Die sächsische Kurwürde ging an das bisherige Herzogtum Sachsen und viele Gebiete des bisherigen Kurfürstentums ebenso. Darunter war auch Wittenberg und damit die Universität des bisherigen Kurfürstentums – die Geburtsstunde einer neuen Universität: In Jena.

Als 1548 die ersten beiden Professoren Johan Stigel und Victorin Strigel mit ihren 171 Studenten in das Collegium Jenense einzogen, befand sich ihr bisheriger Landesherr, Johann Friedrich I., noch in kaiserlicher Haft. Als "Rädelsführer" des protestantischen Schmalkaldischen Bundes musste er sich seinem verhassten Vetter Moritz beugen.

Auf dem ihm verbliebenen, auf ein Drittel zusammengeschmolzenen Herrschaftsgebiet wählte Johann Friedrich I. Weimar zum neuen Regierungssitz und gründete im benachbarten Jena, damals das noch beschauliche Ackerbürger- und Weinbauernstädtchen Jena, eine "Hohe Schule". Schließlich würde er auch nach der Niederlage gute Juristen benötigen, und auch protestantische Geistliche und Lehrer.

Bücherschätze werden von Wittenberg nach Jena geschafft

Der Gründungsrektor Johan Stigel kam übrigens als "professor eloquentiae et poeseos" (Professor der Beredsamkeit und Poesie) aus Wittenberg. Wie damals an Hochschulen üblich schrieb er seine Verse in Latein. Diese dienten vor allem der rhetorischen Ausbildung künftiger Theologen.

Lediglich die wertvolle kurfürstliche "Bibliotheca Electoralis" Friedrich des Weisen konnte er von Wittenberg nach Jena "retten". Doch in ihr befanden sich sehr kostbare Drucke der Reformationszeit, darunter auch Luthers Handexemplare des Alten und Neuen Testaments mit handschriftlichen Eintragungen, ebenso wie 35 Bände Aufzeichnungen des Theologen Georg Rörer. Sie sind bis heute erhalten.

Wer vertrat nun das Erbe des Reformators richtig?

Anfangs waren die akademischen Neuankömmlinge bei der Bevölkerung nicht gerade gut gelitten. Die Tranksteuerfreiheit der Professoren und die rauen Sitten ihrer Studiosi bereicherten das Stadtleben in sehr wirkungsvoller Weise. Dass diese akademische Gemeinschaft aufgrund ihrer weitreichenden juristischen Autonomie vom Arm der städtischen Gerichte kaum erreicht werden konnte, war den braven Bürgern doch oft zu viel des Guten.

In geistiger Hinsicht legte die an humanistischen Reformvorstellungen orientierte Hohe Schule jedoch geradezu Entwicklungssprünge hin. Schon Mitte der 1550er-Jahre galt Jena als führendes Zentrum der Reformation. Die Jenaer Luther-Ausgabe lief dem Wittenbergischen Konkurrenzvorhaben den Rang ab. Aber erst 1558 erhielt die Jenaer Hohe Schule das kaiserliche Universitätsprivileg zuerkannt.

Im Jahr zuvor, 1557, hatte der ehemalige Leibarzt Kaiser V., Professor Johann Schröter, von Kaiser Ferdinand I. in Wien das Privilegium zur Gründung einer Universität in Jena erhalten. Matthias Flacius, ein Vertreter der lutherischen Scholastik und politischer Gegner Phillip Melanchthons wurde nach Jena berufen.

In diesem Spannungsfeld entwickelte sich Jena in den ersten Jahrzehnten zu einem Zentrum der theologisch-politischen Auseinandersetzungen innerhalb der protestantischen Strömungen. Die Jenaer Universität galt als Hochburg des orthodoxen Luthertums. Nach innen und außen verstand man sich als Bewahrer des wahren Glaubens in Luthers Sinne gegenüber dem verlorenen Wittenberg. Wie auch immer. Jedenfalls ist die Jenaer Universität ein ebenfalls letztlich durch Luther verursachtes, wenn auch spätes "Kind" der Reformation.