Neues Rollenverständnis Verweichlichter Mann, bestimmende Frau?

von Franz Kadell

Das Ölbild "Herkules und Omphale", Spitzenwerk von Lucas Cranach, hängt am Donnerstag (16.03.2000) auf dem Stand einer Galerie auf der TEFAF in Maastricht zum Verkauf.
"Herkules und Omphale" - das Motiv hat Cranach immer wieder gemalt, hier eine Bildfassung von 1537. Bildrechte: dpa

Die Reformation hatte nicht nur Folgen für den Glauben und die Kirche, sondern wirkte sich ebenso auf das Rollenverständnis von Mann und Frau aus. Mit diesem Umbruch der Gesellschaft setzten sich auch zahlreiche Künstler der Reformationszeit auseinander. Lucas Cranach d. Ä. setzte das Thema Geschlechter auf seine Weise ins Bild: "Herkules und Omphale", so darf man es interpretieren, zeigt den "verweichlichten" Mann und die "bestimmende" Frau. Ein neues Selbstverständnis der Frau ist Thema in vielen Variationen, auch bei Luther selbst: Ehefrau, Mutter und Herrin des Hauses. Sie steht dem Gesinde vor, trifft Entscheidungen, wird öffentlich. Ob Handwerksfrau, Pfarrersfrau oder Bäuerin. Und wenn es sein muss, entzieht sie sich eines aufgezwungenen Klosterlebens durch Flucht.

Reformation bedeutete auch, dass Männer, die bisher zölibatär gelebt hatten, heirateten, ihre Sexualität auslebten, Familien gründeten. Sie mussten in Rollen zurechtkommen, die sie bisher grundsätzlich für sich abgelehnt hatten. Insofern steckte in der Reformation geradezu gesellschaftlich revolutionäre Energie. Elisabeth von Rochlitz war eine Repräsentantin dieses Umbruchs.

Intimität, Liebe und Fortpflanzung

Auf Bildern der Reformationszeit lässt sich der Wandel gut nachvollziehen. In die klassische Darstellung von Christus mit der Ehebrecherin zieht nun intime Innigkeit ein. Das neue Motiv von Christus mit den Kindlein verbildlicht die durch Luther verkündete Vorrangstellung der Familie mit Liebe und Fortpflanzung: Mann und Frau – das christliche Ideal.

Als nun ausgerechnet einer der wichtigsten Vorkämpfer der Reformation und der ältere Bruder Elisabeths von Rochlitz, nämlich der hessische Landgraf Philipp, sich 1540 von Luther persönlich eine zweite Eheschließung genehmigen ließ, ohne dass er sich von seiner ersten Frau getrennt hatte, erlitt die protestantische Sache einen schweren Imageverlust und Glaubwürdigkeitsschaden. 

Über dieses Thema berichtete: MDR KULTUR - Fernsehen | Lebensläufe | 27.10.2016 | 23:05 Uhr
MDR 1 Radio Sachsen | 15.09.2016 | 12:00 Uhr

Wer mehr wissen will ...

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 09:20 Uhr