Tatorte der Reformation | 31.10.2018 | Jetzt in der Mediathek Erschlagen bei Zürich

Ulrich Zwingli war ein Mann Gottes, ein Schweizer Reformator, der bis heute verehrt wird. Doch für seine Ideen war er bereit, Krieg zu führen. Sein Traum endete tödlich.

Am 11. Oktober 1531 wird der Reformator Ulrich Zwingli ermordet. Auf dem Schlachtfeld bei Kappel in der Nähe von Zürich wird er erstochen, dann gevierteilt und verbrannt. Er stirbt als Ketzer und viele werfen ihm vor, er habe entscheidend zum Krieg zwischen reformierten und katholisch geprägten Kantonen beigetragen.

Julian Sengelmann fragt nach den Hintergründen dieses Krieges und nach der Rolle von Zwingli. Wer war dieser Mann, der in Zürich so viel bewegte und der bis heute verehrt wird? Warum endete sein Traum auf dem Schlachtfeld?

Erschlagen bei Zürich

Erschlagen bei Zürich

Blick auf das Kloster Kappel
Kappel ist ein wichtiger Tatort der Schweizer Reformation. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf das Kloster Kappel
Kappel ist ein wichtiger Tatort der Schweizer Reformation. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Landkarte der Schweiz mit Hervorehebung von Bern und Zürich
In Kappel verläuft damals die Grenze zwischen den Konfliktparteien zur Frage der Religionszugehörigkeit. Die reformierten Städte Zürich und Bern stehen gegen die katholische Innerschweiz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Julian Sengelmann und Markus Sahli mit Suppenterrine auf der Wiese
Der erste Kappeler Krieg 1529 konnte mit einer Friedenssuppe verhindert werden. Julian Sengelmann und Markus Sahli vom Bildungsseminarhotel Kloster Kappel stellen die Szene am damaligen Schauplatz nach. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf Zürich
Seit 1519 wirkt Ulrich Zwingli als Pfarrer und Seelsorger am Großmünster in Zürich. Zwingli will in Zürich einiges verändern. Auch politisch und sozial. Er enteignet die Klöster, leitet Geldmittel um und organisiert Essen für die Armen. Nicht allen gefällt diese Umverteilung. Und so macht sich Zwingli die ersten Feinde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Pfarrer Christoph Sigrist im Großmünster Zürich im Gespräch mit Julian Sengelmann
Der aktuelle Pfarrer im Großmünster in Zürich, Christoph Sigrist, erzählt, wie diese Kirche vor Zwingli aussah: "In diesem Münster standen 24 Altäre. Das war ein großer Betrieb. man arbeitete mit der Angst der Leute. Pest, Hunger, die Leute hatten Angst vor der Hölle. Und der einzige Ort, wo sie die Angst transformieren konnten, war hier in der Kirche. Und dann gingen sie zu den Altären. Und dieses unternehmerische Kirchenraumbild, das hat Zwingli innerhalb von sechs Jahren zu hundert Prozent gekehrt. Und zwar, indem er wirklich alle Altäre herausgeworfen hat. Er war Demokrat." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Christoph Sigrist im Interview
Zwinglis Ideen verändern die Gesellschaft. Dank ihm entstehen soziale Einrichtungen, vor allem für die Armenfürsorge. Seine Ermutigung zu selbstständigem Denken passt den alten Kirchenfürsten ganz und gar nicht, so Pfarrer Christoph Sigrist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das an die Wand gemalte Zitat von Ulrich Zwingli: "Tut um Gott's Willen etwas Tapferes".
Dieses Zitat gilt als Lebensmotto des Schweizer Reformators. Für heutige Theologen, auch für Christoph Sigrist, hat Zwingli an dieser Stelle nicht Recht. Tapferkeit im Zusammenhang mit Krieg und Machtanwendung lehnen sie ab. Doch Zwingli fordert mit diesem Satz den Rat der Stadt auf, die Reformation zu schützen, auch mit Krieg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Markus Sahli und Julian Sengelmann vor einem DEnkmal zum Zweiten Kappeler Krieg
1531 eskaliert der Streit zwischen den reformierten Städten und der katholischen Innerschweiz erneut. 7000 bewaffnete Katholiken gegen 1000 reformierte Soldaten stehen sich im Zweiten Kappeler Krieg gegenüber. Markus Sahli vom Bildungsseminarhotel Kloster Kappel berichtet, dass auch Zwingli in diesem Krieg den Tod findet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Nachgestellte Szene: Mann in historischer Soldatenuniform liegt mit Dolch in der Brust am Boden
Zwingli wird am Morgen nach der Schlacht schwer verwundet auf dem Schlachtfeld gefunden. Sofort wird ein Ketzerstandgericht über ihn gehalten und er wird zum Tode verurteilt. Ein Soldat bohrt ihm die Lanze ins Herz, dann wird er gevierteilt und verbrannt. Das übliche grausame Vorgehen bei überführten Ketzern. Bildrechte: MDR/EIKON Nord
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Kappeler Milchsuppe Der Erste Kappelerkrieg (1529) war ein Glaubenskrieg. Truppen der reformierten Städte Zürich und Bern stehen der katholischen Innerschweiz gegenüber. Doch die eigentlichen Kampfhandlungen können durch ein Versöhnungsessen abgewendet werden, der "Kappeler Milchsuppe" nahe der Ortschaft Kappel.

Die Heerführer hatten versucht, in letzter Minute noch einen Frieden auszuhandeln und trafen sich zu Beratungen im Kloster Kappel. Das Heer wartete draußen auf dem freien Feld. Und dies hat wohl lange gedauert. Es kommt zur Verbrüderung beider Lager und man stellt genau auf die Grenze zwischen den beiden Kantonen einen großen Kochtopf aufs Feuer. Die einen steuern Brot zu, die anderen Milch. Die Kappeler Milchsuppe wärmt und schafft Frieden.

Statue von Ulrich Zwingli
Ulrich Zwingli (1484-1531): Reformator mit Bibel und Schwert Bildrechte: IMAGO

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 13:29 Uhr