Schloss Hartenfels Architektur als Ausdruck protestantischer Staatsidee?

von Franz Kadell

Die Schlosskapelle auf Schloss Hartenfels in Torgau (Sachsen)
Blick in die Schlosskapelle auf Schloss Hartenfels Bildrechte: IMAGO

Das größte vollständig erhaltene Schloss der Frührenaissance in Deutschland ist ein architektonisches Juwel und starker Touristenmagnet. Majestätisch "thront" Schloss Hartenfels am Torgauer Elbufer. Manche wollen in der Architektur mehr sehen, nämlich dass sich die religiös-politischen Ereignisse der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in baulicher Weise niedergeschlagen und der Reformation als tragende Staatsidee Ausdruck verliehen haben – ein architektonisches Manifest der ernestinischen Wettiner als Schutzherren und Beförderer der Reformation.

Wichtig ist jedenfalls, in diesem Zusammenhang die Schlosskapelle in Torgau zu sehen – der erste evangelische Kirchenneubau überhaupt. An der Konzeption hat Luther mitgewirkt, die Einweihung nahm er am 5. Oktober 1544 selbst vor. Die Schlosskapelle entwickelte sich dadurch zu einem Vorbild für andere Kirchenbauten.

Die Architektur der Schlosskapelle zeigt noch heute die neuen Grundzüge der protestantischen Kirchenlehre. Die Kanzel hat die zentrale Stellung im Kirchenraum, was verdeutlichen soll, dass das Wort Gottes im Mittelpunkt steht. Die Bildmotive der Kanzel und die Farbgebung des Raumes zeigen die Handschrift von Lucas Cranach des Älteren. Die Platzierung der Orgel nah dem schlichten Altar betont die große Bedeutung der Musik im Protestantismus.

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Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 09:43 Uhr