Weihnachtskrippe auf dem Wittenberger Weihnachtsmarkt
Das Christkind als Gabenbringer zum Weihnachtsfest? Gab es so vor Martin Luther nicht. Ohne den Reformator wäre Weihnachten heute wohl ein Fest ohne Geschenke. Bildrechte: MDR/Astrid Wulf

Luther und die Weihnachtszeit Wie Luther das Christkind zum Geschenkeboten erkor

Heiligabend steht an. In vielen Wohnzimmern warten Kinder freudig darauf, ihre Geschenke auszupacken. Die Bescherung zu Weihnachten geht tatsächlich auf Martin Luther zurück.

von Astrid Wulf, MDR AKTUELL

Weihnachtskrippe auf dem Wittenberger Weihnachtsmarkt
Das Christkind als Gabenbringer zum Weihnachtsfest? Gab es so vor Martin Luther nicht. Ohne den Reformator wäre Weihnachten heute wohl ein Fest ohne Geschenke. Bildrechte: MDR/Astrid Wulf

Es gehört zu den bekanntesten deutschen Weihnachtsliedern: Martin Luther dichtet "Vom Himmel hoch" im Jahre 1535 als Krippenspiel mit verteilten Rollen. Er schreibt es für die Weihnachtsbescherung seiner Kinder.

Weihnachtsgeschenke
Luther verlegte die Geschenke-Tradition aufs Weihnachtsfest. Bildrechte: Colourbox

Mit Geschenken an den Heiligen Nikolaus von Myra zu erinnern, damit kann Luther nicht viel anfangen, erklärt der Chef der Luther-Gesellschaft, Martin Treu: "Da Luther von der Heiligensituation nicht allzu viel hielt, musste er bestrebt sein, die Geschenksitte auf den Weihnachtstag selbst zu verlegen. Hier zeigt sich der große Unterschied zu Zwingli in Zürich und Calvin in Genf: Beide haben die Feste einfach abgeschafft, da gab es Geschenke für niemanden."

Ein Freudenfest für Kinder

Luther will den Brauch behalten und verlegt das Schenken auf Weihnachten. Das engelsgleiche Christkind steht im Mittelpunkt und so soll das Fest gerade auch Kindern Freude bereiten. Es gibt Äpfel und Nüsse, wenn Geld da ist, auch einen Zuckerhut.

Dass Luther das Christkind bereits als Gabensbringer erwähnt, wird durch eine Überlieferung deutlich, die Andreas Wurda, der Leiter der Städtischen Sammlungen Wittenberg, gut kennt: "Im Dezember 1531 fragt Luther sein Töchterchen Lenichen, was dem Kind wohl der Heilige Christ bringen wird." Seine Tochter Magdalena ist damals zweieinhalb Jahre alt. Seit dieser Zeit ist belegt, dass Luther seine Familie im Namen des "Heiligen Christ" beschert.

Luther will so auf das große Geschenk Gottes an die Welt hinweisen, sagt der Historiker Martin Treu: "Gerade um es den Kindern begreiflich zu machen, dass dieses Kind dann doch der Sohn Gottes ist und unser aller Erlösung, hat er eben den Brauch des Kindleinwiegens und die Krippe weiterbestehen lassen und die Geschenke als Erinnerung verteilt. Dabei ist für Luther ganz wichtig, auch deutlich zu machen, dass dieser Jesus aus Nazareth ein wirklicher Mensch war – jemand, der wie wir auch lebt, lacht und leidet."

Christus im Mittelpunkt

Mit seinem Lied "Vom Himmel hoch" bringt Luther Christus zu den Menschen nach Hause. Denn Weihnachten ist für ihn auch ein Fest im Kreise der Familie. Als Geschenkebringer erobert das Christkind zunächst das evangelische Deutschland, erst viel später die katholischen Regionen, in denen es heute verbreiteter ist. Doch ob nun das Christkind oder der Weihnachtsmann kommt - ohne Luther wäre Weihnachten wohl nicht das beliebteste Fest der Deutschen geworden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio | 17.12.2016 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2018, 10:43 Uhr