Luther und die Weihnachtszeit Wie Zwickau zu Luthers "fester Burg der Reformation" wurde

Wittenberg ist eine der klassischen Städte, die einem beim Namen "Martin Luther" in den Sinn kommen. Was aber nicht alle wissen: Die zweite voll reformierte Stadt nach Wittenberg war Zwickau. Dort kamen Luthers Ideen besonders gut an - das lag auch an den Verhältnissen, die damals in der Stadt herrschten.

Ute Haese eilt schnellen Schrittes durch das Zentrum Zwickaus. Als Katharina von Bora verkleidet, lädt sie zu einem abendlichen Rundgang. Ihr Motto: "Luther und Weihnachten". Haese schränkt aber sofort ein: "So, wie wir heute über die Weihnachtsmärkte gehen und vom Glühweinstand zum Rosterstand gehen: Das hat Luther nicht erlebt. Für ihn war es ein kirchliches Fest."

Martin Luther – ein Medienstar

Die Gästeführerin zeigt daher lieber auf ein Fenster am festlich geschmückten Rathaus. Daraus soll Luther im Jahr 1522 gepredigt haben, mehr als 14.000 Menschen hörten zu. "Vor dem Rathaus konnte er viel, viel mehr Leute erreichen und damals war es nicht wichtig, was er gesagt hat, sondern wichtig war, dass er in der Stadt Zwickau war. Und Sie wissen ja: Martin Luther war ein Medienstar", erklärt Haese.

Dank Silberbergbau, Handel und Tuchmacherzunft ist Zwickau Anfang des 16. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Städte im Kurfürstentum Sachsen - und zugleich ein Ort mit religiösem wie sozialem Sprengstoff. Neben jenen, die reich werden, gibt es immer mehr Arme, sagt Ute Haese: "Und diese sozialen Spannungen in der Stadt waren die Grundlage dafür, dass der Gedanke, dass sich an unserem Glauben etwas ändern muss, hier so zeitig Fuß fasste."

Zugang zu Gottes Botschaft schaffen

Schon 1521 gibt es in Zwickau Gottesdienste nach Luthers Vorstellungen, wenig später bereits auf Deutsch. Pfarrer Frank Bliesener von der Nikolai-Kirchgemeinde ordnet ein: "Das ist auf alle Fälle ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg der Einführung der Reformation. Denn es ging darum, den Menschen den Zugang zum Inhalt der Botschaft zu öffnen."

Aufgeschlossen gegenüber Luthers Ideen

Zwickau gilt nach Wittenberg als zweite vollreformierte Stadt. Warum sie den Ideen so offen gegenübersteht? Noch einmal der Pfarrer: "Sie hatten ein modernes Schulwesen und eben die erste öffentliche Bibliothek. Und da sieht man ja, dass gewisse Voraussetzungen da waren und eben auch Leute, die aufgeschlossen waren."

Diese Leute sind an der Nordseite des Doms St. Marien mannshoch in Stein gemeißelt. Ute Haese findet: "Der schönste Ort ist natürlich da, wo wir jetzt gerade stehen: der Domhof mit den 25 Figuren, die alle Persönlichkeiten darstellen, die in der Reformation gelebt haben."

Luthers Weihnachtsgeruch war Weihrauch

Und während die Weihnachtsglocken am Dom erklingen, endet der Rundgang wieder am Weihnachtsmarkt mit seinem Duft nach Glühwein, Bratwurst und Lebkuchen. Nicht gerade die Gerüche, die Luther in erster Linie zum Fest in der Nase hatte, sagt Ute Haese: "Ja, Luther hat Weihnachten zelebriert. Für ihn fand Weihnachten in der Kirche statt, und der Duft ist Weihrauch."

Die Stadtführerin verabschiedet sich mit einem einprägsamen Vergleich: "Wittenberg ist sicherlich die Mutter der Reformation, weil dort die Theologen wirkten und die Veränderungen einleiteten. Als Amme der Reformation wird Torgau genannt, denn dort hielt der Kurfürst die schützende Hand über die Gedanken und Persönlichkeiten der Reformation. Und wenn Sie nach Zwickau fragen: Für mich ist Zwickau die feste Burg der Reformation." Und von der sang schon Martin Luther.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio | 23.12.2016 | 07:20 Uhr