Lutherhaus Wittenberg
Das Lutherhaus in Wittenberg. Hier lebte der Reformator mit seiner Frau Katharina von Bora. Bildrechte: IMAGO

Luther und die Weihnachtszeit Wie Luthers Frau das Fest vorbereitete

Das große Fest steht vor der Tür. Versetzen wir uns 500 Jahre zurück in Wittenbergs Schwarzes Kloster, wo Familie Luther wohnt. Dort liegen die unmittelbaren Weihnachtsvorbereitungen in weiblicher Hand.

von Stefan Reisner, MDR AKTUELL

Lutherhaus Wittenberg
Das Lutherhaus in Wittenberg. Hier lebte der Reformator mit seiner Frau Katharina von Bora. Bildrechte: IMAGO

Katharina von Bora war eine starke Frau. Das ist überliefert. Die ehemalige Nonne aus dem Kloster im kursächsischen Brehna schmiss den großen Luther-Haushalt und führte auch Buch. Ihr Mann gab ihr deshalb den Spitznamen "mein Herr Käthe".

Katharina hat die Hosen an

In der Weihnachtszeit profitierten alle von Katharinas Kraft. Christin Berndt ist Museumspädagogin in Wittenberg. Sie beschreibt Katharina als eine Frau, die seit Ende November Weihnachten vorbereitet hat: "Sie hatte ja auch die Hosen an. Sie hat auch viel selber gemacht. Es wurden Rinder geschlachtet, Schweine geschlachtet, Butter hergestellt, der ganze Haushalt nochmal in Schuss gebracht. Denn zu Weihnachten selber, zu den wirklichen Feiertagen, sollte die Arbeit ja ruhen."

Ein halbes Dutzend eigener Kinder, dazu Patenkinder, Verwandte, Hausgäste und Studenten feierten Weihnachten mit den Luthers. Ohne die Hilfe von Hausangestellten hätte selbst die starke Katharina das Fest nicht organisieren können.

Festschmaus über drei Tage

Ein großer Vorteil: Sie bewirtschaftete – so wie sie es einst im Kloster gelernt hatte – bald 60 Hektar Land und besaß den größten Viehbestand ganz Wittenbergs. "Für das Weihnachtsfest hilft das wirklich sehr viel, wenn man nicht alles vom Markt kaufen muss", schätzt Historikerin Berndt.

Luthers "herzliebe Hausfrau", wie der vielbeschäftigte Reformator seine fast 16 Jahre jüngere Frau nannte, musste noch einen Festbraten mehr auf den Tisch zaubern. Denn bis ins 18. Jahrhundert gehörte ein dritter Feiertag zu Weihnachten.

Und auch Geschenke gab es drei Mal – am Nikolaustag, so war es üblich, und auch zu Neujahr. Luther rückte für die Bescherung dagegen Weihnachten in den Mittelpunkt. Er kümmerte sich auch um kleine Gaben.

Organisiert statt chaotisch

Luther sorgte sich im Advent ansonsten aber um geistliche Nahrung für die Gläubigen. Ob er da zu Hause noch viel geholfen hat?  Museumspädagogin Christin Berndt: "Katharina hatte sehr großen Anteil daran, dass das Weihnachtsfest im Hause Luther so abgelaufen ist, wie es dann auch abgelaufen ist. Sonst wäre es eher liebevoll-chaotisch gewesen, wenn das nur Martin organisiert hätte."

Zumindest hat der Reformator Familie und Gäste am Weihnachtsabend mit seiner Lautenmusik erfreut.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio | 19.12.2016 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2018, 10:44 Uhr