Bewegender Besuch in Weimar Als Luther Melanchthon ins Leben zurückbetete

von Franz Kadell

Ein besonders bewegender Aufenthalt Luthers in Weimar ist für das Jahr 1540 belegt. Die Wochen im Juni waren wohl die ärgsten im Leben des Gelehrten und Weggefährten Luthers, Philipp Melanchthon (1497-1560), der an der Wittenberger Universität Leucorea lehrte. In diesen Tagen lag er todkrank in Weimar.

Kurfürst Johann Friedrich, der nach Friedrich III., dem Weisen und dessen Bruder Johann regierte, bat Luther eindringlich, nach Weimar zu Melanchthon zu reisen. Alle befürchteten sein Ableben. Nach drei Tagen stand Luther am Krankenbett. Sein Freund Melanchthon war weder in der Lage zu hören noch zu sprechen.

"Behüte Gott …"

Portrait von Philipp Melanchthon, Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert
"Behüte Gott, wie hat mir der Teufel dieses Organon geschändet!" - Das soll Luther gesagt haben, als er seinen Freund Philipp Melanchthon im Jahr 1540 totkrank vorgefunden hatte. Bildrechte: IMAGO

Zeuge dessen war auch der Arzt Matthäus Ratzenberger (1501-1559), Leibarzt der Fürstenfamilie und Freund Luthers. Er berichtete später, Luther habe, als er Melanchthon sah, im ersten Schreck ausgerufen: "Behüte Gott, wie hat mir der Teufel dieses Organon geschändet!" Luther nutzte das griechische Wort "Organon" offenbar bewusst in seiner zweifachen Bedeutung. Es bedeutet Werkzeug, bezeichnet im übertragenen Sinn aber auch jemanden, der einer Sache dient.

Luther ging ans Fenster und schickte in seiner ungestümen Art ein Gebet zum Himmel. Wie durch ein Wunder wurde Melanchthon tatsächlich wieder gesund und lebte noch 20 Jahre. Luther selbst starb fünfeinhalb Jahre nach diesem Ereignis. Weimar hat er danach nicht wiedergesehen.

Ein Brief an Käthe

Kleiner Nachtrag: Luther schrieb damals einen Brief von Weimar aus an seine "herzliebe Käthe" in Wittenberg. Er ließ sie "untertäniglich wissen, daß mirs hier wohl gehet. Ich fresse wie ein Böhme und saufe wie ein Deutscher, das sei Gott gedankt, Amen." Luther war zu diesem Zeitpunkt 57 Jahre alt.

Über dieses Thema berichtete auch: MDR Thüringen Journal | Fernsehen | 10.07.2016 | 19:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 10:02 Uhr