Zwischenbilanz Thüringen mit Reformationsjahr bisher zufrieden

Thüringen zieht eine erste positive Bilanz zum Lutherjubiläum. Hoteliers, Ausstellungsmacher und Touristikunternehmen zeigen sich zufrieden mit der Gästeentwicklung. Aber es gibt Ausnahmen.

von Matthias Thüsing

Dr. Martin Luther ist derzeit sehr präsent im Straßenbild der Städte Erfurt und Eisenach. Nahezu täglich kehrt der Theologie-Professor an seine alten Wirkungsstädten zurück, im Schlepptau jeweils kleinere oder größere Gruppen kamerabewehrter Kultur-Touristen. "167 Mal wurde allein in diesem Jahr in Erfurt die kostümierte Luther-Führung gebucht", so die aktuelle Statistik der Erfurter Tourismus und Marketing GmbH. Hinzu kommen noch Führungen auf den Spuren Luthers oder Führungen im Augustinerkloster. "Insgesamt haben sich 27.500 Personen auf 1.051 Führungen mit dem Thema Luther beschäftigt", sagt Mitarbeiterin Kristin Luther. Das sei eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

Und auch Eisenach meldet stark gestiegenes Interesse an dem Thema. 50 Prozent mehr Lutherführungen als 2016, über 17 Prozent mehr Gästeankünfte in der Stadt, gerade erst wurde der diesjährige hundertausendste Besucher bei der Luther-Schau auf der Wartburg begrüßt. Das Eisenacher Lutherhaus besuchten im ersten Halbjahr 33.800 Besucher. Das sei eine Steigerung von 86 Prozent, sagt die Geschäftsführerin der Eisenacher Touristen-Information, Heidi Günther. "Unsere Erwartungen haben sich vollständig erfüllt."

In der Wartburgstadt hat die Dichte an Veranstaltungen in diesem Jahr schon zu echten Terminkollisionen geführt. Ausgerechnet das jährliche Lutherfest wurde zunächst vom Mai in den August und schließlich von Eisenach an die Kyffhäuser verlegt. Zum ersten Termin kollidierte die Terminplanung mit einem stadtweiten Kneipenfestival. Und im August zogen die Veranstalter die Reißleine, weil zeitgleich in Eisenach ein Street-Food-Festival stattfinden wird. Die bereits vertraglich fest gebundenen Gaukler, Händler und Schausteller wurden auf die Reichsburg am Kyffhäuser umgeleitet, teilte ein Sprecher des ausrichtenden Lutherverein e.V. mit.

Es luthert also allerorten: Sowohl die Thüringer-Tourismus-Gesellschaft wie auch das Wirtschaftsministerium melden Besucheranstiege für viele größere und kleinere Museum im Land, die Luther im 500. Reformationsjahr eine Ausstellung gewidmet haben. Fast eine Million Touristen kamen bis Ende April nach Thüringen - Das entspricht einem Besucherplus von 4,3 Prozent gegenüber 2016, so die Pressesprecherin Im Wirtschaftsministerium Peggy Hoy. Dass viele Gäste wegen Luther kamen belegen die regionalisierten Statistiken: 17,5 Prozent mehr Touristen in Eisenach, fast acht Prozent mehr in Erfurt, aber nur 0,5 Prozent mehr im Wartburgkreis.

20 Millionen Euro für Tourismusprojekte

Besuch bei Evangelical Lutheran Church in America. Kurzer Termin mit Generalsekretär Christ Boerger. Thüringer Tourismus stellte sich vor. Thema: Reformation.
Auch im Ausland wurde für das Reformations-Land Mitteldeutschland geworben Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Jan Schönfelder

Die sechs Millionen Euro teure Kampagne der Thüringer Tourismus-Gesellschaft, die gezielt in evangelischen Regionen des Auslands für einen Besuch in Thüringen geworben hat, zeigt erkennbar Wirkung. Daneben sind allein 2016 über 20 Millionen Euro an Fördermittel des Landes in Tourismusprojekte geflossen. So wurde unter anderem der Lutherweg ausgebaut, der die 30 wichtigsten Lutherstätten Thüringens miteinander verbindet. Eisenach mit der Wartburg als meist besuchter Lutherort wurde umfassend touristisch beschildert. Außerdem wurden Stellplätze für Wohnmobile geschaffen. Mindestens 500.000 Luther-Touristen hatte die Thüringer Tourismus GmbH im Vorfeld erwartet. Allein 60.000 von ihnen wurden zum Deutschen Wandertag in Eisenach erwartet. "Wir liegen im Plan", sagte Mandy Neumann in dieser Woche MDR THÜRINGEN.

Unzufriedenheit in Erfurt und bei der Evangelischen Kirche

Eine, die dennoch meint, man hätte mehr aus dem runden Jubiläum machen können, ist die Erfurter CDU-Stadträtin Marion Walsmann. "Wir haben zwar ein Gäste-Plus", sagt sie. "Aber wir bieten den Touristen kaum etwas zu Luther an." Zwei aus ihrer Sicht eher unbedeutende Ausstellungen, Stadtführungen in historischen Kostümen und Reisearrangements mit original mittelalterlichem Abendessen sei einfach zu wenig. "Im Prinzip gibt es in Erfurt kaum etwas, was Touristen nicht auch im vergangenen oder im nächsten Jahr hier erleben könnten", kritisiert Walsmann. Es sei eine große Chance vertan worden.

Unzufrieden sind auch Teile der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM) - trotz einer überraschend guten Beteiligung am Kirchentag im Mai diesen Jahres. Denn gerade in Thüringen sei aus Sicht manch eines Kirchenvertreters viel zu wenig passiert. Der Verein "r2017", der mit den Vorbereitungen des Reformationsjahres betraut wurde, habe sich viel zu einseitig auf Wittenberg konzentriert, heißt es aus Erfurter Kirchenkreisen. Dazu passt auch die offizielle Antwort der Pressestelle in Magdeburg auf eine Anfrage des MDR, inwieweit den Besucher- und Teilnehmerentwicklungen der EKM in Thüringen den Erwartungen im Vorfeld gerecht geworden sei. Die Antwort lautete sinngemäß: Es gab keine hohe Erwartungen. Man habe in Thüringen doch kaum Eigenes geplant gehabt.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19.07.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2017, 20:11 Uhr

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