Zumutung oder Herausforderung? Felix Klein tritt Amt als Antisemitismus-Beauftragter an

Das jüdische Leben in all seinen Facetten fördern und den Antisemitismus bekämpfen - mit diesem Auftrag hat Felix Klein am Mittwoch sein Amt angetreten. Vorab zeigte er sich alarmiert über die Häufung der Fälle, lobte aber auch die große öffentliche Aufmerksamkeit, "die eine Waffe im Kampf gegen den Antisemitismus" sei. So begrüßte er auch die Abschaffung des "Echo" nach dem Skandal um die Nominierung der Rapper Kollegah und Farid Bang. Die beiden Musiker wurden unterdessen vom Internationale Auschwitz-Komitee zu einem Besuch in die KZ-Gedenkstätte eingeladen.

Die Aufgabe, die laut Petra Pau von der Linken eher "eine Zumutung" sei, weil es keinen nennenswerten Apparat dafür gebe, bezeichnet Klein selbst im Gespräch mit MDR Aktuell als "große Herausforderung". Allerdings erwarte er, dass alle Ministerium ihm passgenau zulieferten. Entscheidend sei, dass er eine völlig unabhängige Stellung habe.

Appell an muslimische Verbände

Erneut kündigte Klein an, dass er ein bundesweites System zur Erfassung antisemitischer Vorfälle einrichten wolle. Das sei eines der ersten Dinge, um die er sich kümmern werde, sagte er mit Blick auf den "Widerspruch, dass die polizeiliche Statistik für politisch motivierte Kriminalität von über 90 Prozent rechtsradikal motivierten antisemitischen Straftaten ausgeht", "die gefühlte Bedrohungslage der jüdischen Gemeinden" sei aber eine "völlig andere". Klein plädierte in diesem Zusammenhang dafür, dass sich muslimische und jüdische Verbände im Kampf gegen den Antisemitismus häufiger solidarisieren und erklärte außerdem, dass er die Islamkonferenz wiederbeleben wolle.

"Judentum als Teil der deutschen Kultur ansehen"

Klein bringt einiges an Erfahrung mit für sein neues Amt. In den zurückliegenden vier Jahren war er Sonderbeauftragter der Bundesregierung im Auswärtigen Amt für die Beziehungen zu jüdischen Organisationen und für Antisemitismusfragen, somit kann er auch auf wichtige internationale Netzwerke zurückgreifen. Am Ende, sagt Klein, wolle er erreichen, dass man das Judentum nicht erst dann bemerke, wenn mal wieder etwas passiert sei, sondern das man es als selbstverständlichen Teil der deutschen Kultur ansehe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 01. Mai 2018 | 11:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2018, 12:31 Uhr

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