"Selbstbestimmt" unterwegs Barrierefrei reisen trotz Corona: Tipps und Anregungen

Die Urlaubszeit steht vor der Tür, doch durch die Corona-Krise ist dieses Jahr alles etwas anders als sonst. Die allgemeinen Lockerungen machen zwar wieder Hoffnung auf Normalität, viele Menschen mit Behinderungen sind jedoch verunsichert oder einfach besonders vorsichtig. Veit Riffer hat Tipps für die Sächsische Schweiz, "Selbstbestimmt" fragte Experten, worauf bei Touren in Deutschland oder ins Ausland zu achten ist.

Unterwegs mit Martin Fromme
Selbstbestimmt-Moderator Martin Fromme mit Veit Riffer (re.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Sächsischen Schweiz hat sich in Sachen barrierefreies Reisen einiges getan. Einer, der sich besonders dafür einsetzt, ist Veit Riffer. Seit einem schweren Kletterunfall ist der 52-jährige auf den Rollstuhl angewiesen.

Mit dem Handbike in der Sächsischen Schweiz

Seit über 15 Jahren setzt er sich nun schon ehrenamtlich für barrierefreie Wanderwege ein und arbeitet eng mit dem Tourismusverband Sächsische Schweiz zusammen. Inzwischen ist er als Experte für barrierefreies Reisen mit Rollstuhl oder Handbike bekannt. Wer die wunderschönen Felsen und Wälder kennenlernen möchte, kann sich hier eine barrierefreie Wanderroute aussuchen - alle getestet von Veit Riffer:

Ich wollte meine Region anderen Leuten mit Handicap nahebringen. Und dann liegt es doch in der Natur der Sache, dass ich mal schaue, ob und wie die Örtlichkeiten zugänglich sind für Leute mit Mobilitätseinschränkungen.

Veit Riffer, Spezialist für Rollstuhl- und Handbiketouren
Veit Riffer 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einer Wanderung im Rollstuhl durch die Sächsische Schweiz steht also nichts mehr im Wege. Wer gerne noch mehr über Barrierefreiheit in der sächsischen Schweiz nachlesen möchte, sollte sich diese Broschüre anschauen. Alle, die gerne mehr über Veit Riffer erfahren wollen, können sich auf seinem Blog umschauen. Darin berichtet der ambitionierte Handbike-Fahrer über seine Touren. Nicht nur in der Sächsischen Schweiz, sondern auch über Alpenpässe oder rund um den höchsten Berg in Europa, den französischen Mont Blanc: "Eine schöne Erfahrung! Möglich war sie allerdings nur, weil mich Freunde unterstützt haben."

Deutsch-tschechisches Infoportal

Wer abseits der Wälder Urlaub in Sachsen machen möchte, der kann sich hier über die Barrierefreiheit von Hotels, Sehenswürdigkeiten und Restaurants informieren. Die Seite bietet einen guten Überblick und hilft bei der schnellen Orientierung für ganz Sachsen. Sachsen gehört zu einem der führenden Bundesländer im Hinblick auf barrierefreies Reisen und bietet eine Vielzahl touristischer Angebote für Menschen mit Behinderung.

Besonders empfehlenswert ist auch das deutsch-tschechische Infoportal für Barrierefreiheit. Das Portal ist seit Juni 2019 online und präsentiert inzwischen mehr als 5.000 Einrichtungen und ihre barrierefreien Angebote für Einwohner und Touristen. Das Besondere ist, dass jeder Informationen hinzufügen und ergänzen kann. So ist das Portal immer auf dem aktuellsten Stand.

Tipps für Brandenburg und den Hainich in Thüringen

Außerdem lohnt sich ein Blick nach Brandenburg. Das Land engagiert sich seit Jahren für den barrierefreien Tourismus und stellt Reisenden detaillierte und geprüfte Informationen zur Barrierefreiheit von Unterkünften, Freizeit- sowie gastronomischen Angeboten zur Verfügung. Außerdem können Sie Reiseberichte von anderen Menschen mit Behinderung lesen.

Auch wenn die Reisemöglichkeiten in diesem Sommer eingeschränkt sind, gibt es also doch einiges zu erleben.

Wer sich für Barrierefreiheit in ganz Deutschland interessiert ist, der sollte einen Blick auf die Website Barrierefreier Tourismus werfen. Projektleiter Hartmut Smikac kann Reisetipps für das In- und Ausland geben, außerdem berät der 72-Jährige ehrenamtlich Verbände und Unternehmen:

Unterwegs mit Martin Fromme
Martin Fromme mit dem Tourismus-Experten Hartmut Smikac, der die Goitzsche in Sachsen-Anhalt liebt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn ich mal in die Stadt fahren möchte, dann sehe ich mir Dresden oder Erfurt an. Gute Bedingungen gibt es auch in Städten wie Düsseldorf oder München. Wer Natur erleben will, dem empfehle ich den Nationalpark Hainich in Thüringen. Dort hat sich viel in Sachen Barrierefreiheit getan.

Hartmut Smikac, Barrierefreier Tourismus

Deutlichen Nachholbedarf sieht er immer noch bei der Deutschen Bahn, zwar habe sich viel getan, 80 Prozent der Bahnhöfe seien barrierefrei. Von Reisen ins ländliche Umland müsse man aber immer noch abraten, mit Ausnahme des Ruhrgebiets oder der Region rund um Berlin.

Qualitätscheck online: "Reisen für alle"

Smikac empfiehlt, sich mit Hilfe des Zertifizierungssystems "Reisen für alle" über die Zugänglichkeit verschiedener touristischer Angebote zu informieren. Die bundesweit gültige Kennzeichnung erlaubt es Gästen, schnell und zuverlässig Qualitätskriterien verschiedener Einrichtungen zu erkennen.

Wer nach Corona Reisen ins Ausland plant, für den hat Hartmut Smikac auch einige Tipps auf Lager:

Die Niederlande oder Schweden, wenn man nach Corona wieder dorthin reisen kann, haben viel für die Barrierefreiheit getan. Auch in Italien und Spanien gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe von großen Projekten. Dort haben sie auch historische Paläste zugänglich gemacht, notfalls mit einer großen Schräge. Da würde bei uns der Denkmalschutz die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber es ist eben möglich.

Hartmut Smikac, Barrierefreier Tourismus

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt | 12. Juli 2020 | 08:00 Uhr