Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen
Jürgen Dusel - der 53 Jahre alte Jurist ist neuer Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Bildrechte: dpa

Barrierefreier Wohnraum im Fokus Dusel ist neuer Bundesbehindertenbeauftragter

Jürgen Dusel heißt der neue Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen beim Bund. Erfahrungen sammelte er dafür acht Jahre lang in Brandenburg. Sein Amt will er konstruktiv und kritisch führen. Engagieren wird er sich als erstes für Barrierefreiheit im sozialen Wohnungsbau und für die Chancen von Behinderten auf dem Arbeitsmarkt.

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen
Jürgen Dusel - der 53 Jahre alte Jurist ist neuer Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Bildrechte: dpa

Der neue Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, ist am Mittwoch offiziell in sein Amt eingeführt worden. Damit tritt er die Nachfolge von Verena Bentele an, die für das Amt der Präsidentin des größten deutschen Sozialverbands VdK nominiert wurde.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil würdigte Dusels Erfahrung als brandenburgischer Behindertenbeauftragter. In dem ostdeutschen Bundesland habe er die Behindertenpolitik zu einer Querschnittsaufgabe gemacht, sagte der SPD-Politiker. Seit 2010 hatte sich Dusel in Brandenburg um die Belange von Menschen mit Behinderung gekümmert. Der 53 Jahre alte Jurist ist selbst schwer sehbehindert. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Barierefreier Wohnraum und Inklusion an Schulen auf der Agenda

Dusels Vorgängerin Bentele bescheinigte Heil, sehr viel für behinderte Menschen in Deutschland erreicht zu haben, insbesondere bei den Beratungen zum Bundesteilhabegesetz. Auf Benteles Initiative wurde auch eine Schlichtungsstelle für Streitfälle bei der Durchsetzung von Barrierefreiheit eingesetzt. Daran knüpfte Dusel in einem ersten Statement an, es gebe viel zu wenig barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum. Um dieses Thema werde er sich als erstes kümmern. Seinen Vorstellungen zufolge sollte sozialer Wohnungsbau grundsätzlich barrierefrei sein. Einsetzen will sich Dusel außerdem für mehr Chancen von Behinderten auf dem Arbeitsmarkt. Weit oben auf seiner Liste steht auch die zuletzt heiß umkämpfte Inklusion in Schulen.

Gemischte Bilanz der Amtsvorgängerin: "Viel zu tun"

Dusels Amtsvorgängerin Verena Bentele war als Blinde die erste Behinderte und auch die erste Nicht-Abgeordnete in dem Amt, in das sie die ehemalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles geholt hatte. Vier Jahre lang setzte sich die ehemalige Leistungssportlerin, die als Biathletin bei den Paralympics vielfach Medaillen errungen hatte, für Barrierefreiheit und Teilhabe ein. Zum Ende ihrer Amtszeit erklärte Bentele, einiges sei erreicht worden. Der Übergang von der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt sei durch das so genannte Budget für Arbeit erleichtert. Außerdem könnten Bezieher von Leistungen der Eingliederungshilfe ab 2020 bis zu 50.000 Euro Vermögen bilden, anstelle von bisher 2.600 Euro.

Behinderte seien Experten und Expertinnen in eigener Sache, deswegen sollten sie auch wählen können oder sogar politische Ämter übernehmen, erklärte Verena Bentele immer wieder. So trat sie gegen den Wahlrechtsausschluss auf, 81.000 Menschen mit schweren Behinderungen waren bei der letzten Bundestagswahl im September 2017 davon betroffen. Die Union hatte einem SPD-Antrag zur Änderung nicht zugestimmt. Mit Blick auf die Regelungen zur Assistenz erklärte sie, noch immer könnten Menschen zur gemeinschaftlichen Inanspruchnahme von Leistungen gezwungen werden. Es bleibe noch viel zu tun, zog Bentele zum Ende ihrer Amtszeit Bilanz: "Wir sind lange nicht dort, wo wir aufgrund der Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention eigentlich sein müssten."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 09. Mai 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2018, 16:15 Uhr