Hintergrund Evangelisch und katholisch: Das Bischofsamt im Vergleich

In den großen christlichen Kirchen gibt es das Amt des Bischofs. Doch was sind die Aufgaben eines Bischofs? Und was unterscheidet das Bischofsamt in der evangelischen und der katholischen Kirche?

Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Nordkirche, und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße zelebrieren den ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit in der Nikolai Kirche zu Kiel
Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Nordkirche und der Hamburger Erzbischof Stefan Heß Bildrechte: Ralf Adloff/Erzbistum Hamburg/dpa

Das Wort Bischof leitet sich von dem altgriechischen episkopos ab. Es bedeutet so viel wie Aufseher oder Vorsteher. Tatsächlich fungierten Bischöfe früher als eine Art Aufsichts- oder Verwaltungsbeamte. Heute hingegen leiten bzw. repräsentieren sie ein bestimmtes Bistum, eine Diözese oder eine Landeskirche.

Ein römisch-katholischer Bischof ist männlich und muss zuvor zum Diakon und zum Priester geweiht worden sein. Erst dann kann er mit Zustimmung des Papstes durch einen anderen Bischof selbst zum Bischof geweiht werden.

Zu den Aufgaben eines Bischofs gehört die Ausübung verschiedener Ämter allen voran das Lehr- und das Leitungsamt. Bischöfe weihen Priester und Diakone, spenden die Firmung und dürfen die Bischofsweihe weitergeben. Außerdem beauftragen sie die Geistlichen und andere kirchliche Mitarbeiter in ihren Bistümern oder Diözesen.

Krümme des Bischofsstabes von Joseph Ludwig Colmar
Zeichen des Amtes in der katholischen Kirche: Der Bischofsstab Bildrechte: IMAGO

In der katholischen Kirche ist man Bischof auf Lebenszeit. Nach geltendem Kirchenrecht sind die Bischöfe jedoch verpflichtet, dem Heiligen Vater nach Vollendung ihres 75. Lebensjahres ihren Rücktritt anzubieten. Bei Verfehlungen können Bischöfe ihr Amt verlieren – aber die Weihe wird nicht ungültig. Die Insignien eines katholischen Bischofs sind Mitra, Ring, Bischofsstab und Brustkreuz.

Und in der evangelischen Kirche?

Hier beruft man sich auf das Priestertum aller Gläubigen, hat keine zentrale Führungsperson wie den Papst und ist durch das synodale Prinzip demokratisch organisiert. Aber auch die evangelische Kirche kennt das Bischofsamt: Die lutherisch geprägten Landeskirchen haben einen Bischof, die reformierten einen Präsens. 1992 wurde mit der Theologin Maria Jepsen in Deutschland zum ersten Mal eine Frau in das Bischofsamt gewählt.

In der sächsischen Landeskirche ist die Bischöfin/der Bischof oberster Seelsorger für die Pfarrerinnen und Pfarrer und zudem verantwortlich für deren Ausbildung und Ordination. Außerdem repräsentiert sie oder er die Landeskirche in der Öffentlichkeit und pflegt Verbindungen zu den anderen christlichen Kirchen in Deutschland.

Der Landesbischöfin/der Landesbischof hat den Vorsitz der Kirchenleitung inne und nimmt an den Sitzungen des Kollegiums des Landeskirchenamtes teil. Über wesentliche Fragen des kirchlichen Lebens innerhalb einer Landeskirche entscheidet die Landessynode, ein Kirchenparlament aus gewählten Laien und Geistlichen. Sie wählt auch die Landesbischöfin/ den Landesbischof für eine Amtsdauer von zwölf Jahren. Sichtbares Zeichen des Amtes ist die Bischofskette, die nach Beendigung der Dienstzeit zurückgeben werden muss.

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2020, 14:00 Uhr