Zwischenbericht Aufarbeitung sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche Kirche setzt verstärkt auf Kooperationen

Beherrschendes Thema für die katholischen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung in Lingen ist der Umgang mit Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche. Deshalb stellte heute der Trierer Bischof Stephan Ackermann Maßnahmen zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle vor.

Bischöfe stehen beim Eröffnungsgottesdienst im Dom.
Bildrechte: dpa

Am dritten Tag des Frühjahrstreffens der Deutschen Bischofskonferenz wurde ein Zwischenbericht zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs vorgestellt. Daraus geht hervor, dass die katholische Kirche stärker als bisher auf Kooperationen setzt. So soll mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, ein Leitfaden für die unabhängige Aufarbeitung in den Diözesen erarbeitet werden, so Bischof Stephan Ackermann am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Ackermann ist der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs in der Kirche.

Es braucht für die Aufarbeitung einen Leitfaden, der festlegt, was Kriterien und Standards für eine unabhängige und gute Aufarbeitung sind.

Bischof Stephan Ackermann

Mit der von Rörig eingerichteten Arbeitsgruppe "Aufarbeitung Kirche" sei ein Treffen bis Ende Mai 2019 vereinbart.

"Wirkt intransparent"

Bischof Stephan Ackermann, 2017
Bischof Stephan Ackermann Bildrechte: dpa

Außerdem wurde nach den Worten des Bischofs ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches das Verfahren der kirchlichen Anerkennungszahlungen für Opfer überprüft. Nach anhaltender Kritik stellt die katholische Kirche in Deutschland ihr bisheriges Modell von Geldzahlungen an Betroffene sexuellen Missbrauchs auf den Prüfstand. Ackermann verwies darauf, dass trotz der Kritik immerhin 1.900 Anträge auf Geldzahlungen eingegangen seien. "Das System steht im Moment schlechter da, als es ist", sagte der Bischof. Allerdings räumte er auch Schwächen des kirchlichen Modells ein. "Es wirkt auch intransparent, das gebe ich zu", sagte Ackermann.

Kooperation mit unabhängigen Beratungsstellen

Mit Blick auf die Zusammenarbeit der einzelnen Bistümer mit unabhängiger Anlaufstellen für Betroffene, läuft laut Ackermann derzeit eine Recherche, inwieweit sich nichtkirchliche Beratungsangebote als Kooperationspartner für die Kirche eignen. Seine Arbeitsgruppe stehe in Kontakt mit der "Bundeskoordinierung spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend". Ziel sei, eine niederschwellige - gegenüber der katholischen Kirche vertrauliche und eventuell anonyme Beratung - zu etablieren.

Weiter kündigte der Bischof an, dass Standards für die Führung von Personalakten von Klerikern entwickelt werden. Es müsse sichergestellt werden, dass künftig Missbrauchsbeschuldigungen in allen Diözesen verbindlich, einheitlich und transparent dokumentiert werden.

Deutsche Bischofskonferenz Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein Zusammenschluss der katholischen Bischöfe aller Bistümer in Deutschland. Derzeit gehören ihr 67 Mitglieder aus den 27 Diözesen an. Oberstes Gremium der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn ist die Vollversammlung aller Bischöfe, die regelmäßig im Frühjahr und Herbst für mehrere Tage zusammentritt. Die Bischöfe tagen noch bis zum Donnerstag in Lingen.

Quelle: KNA, AFP

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 13:36 Uhr