10.12. - 18.12.2020 Was feiern Juden zu Chanukka?

Das jüdische Lichterfest wird in der dunklen Jahreszeit gefeiert, der Termin variiert in jedem Jahr. Das Fest erinnert an drei wichtige Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes: die Befreiung aus griechischer Herrschaft, die zweite Weihe des Tempels und an ein Lichtwunder. Anlässlich des Chanukka-Festes wird heute in Leipzig erstmals seit 1937 ein Chanukka-Leuchter am Ort der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße aufgestellt.

ein mehrarmiger Leuchter in der Synagoge in Erfurt
Bildrechte: MDR/Paul-Philipp Braun

Chanukka ist ein sogenannter Halbfeiertag - ein Tag also, der nicht auf biblische Gebote, sondern auf historische Ereignisse zurückgeht. Deshalb können jüdischen Gläubige erst nach getaner Arbeit der wunderbaren Errettung Israels aus der Herrschaft der Griechen im Jahr 185 v. Chr. gedenken. Damals wurden die Juden von den Seleukiden unterdrückt: Mit ständig neuen Geboten und Gesetzen machten sie ihnen das Leben schwer. Am Ende verboten sie ihnen sogar, ihre Religion auszuüben. Dagegen setzen sich die Juden zur Wehr. Angeführt von Judas Makkabäus und seinen Brüdern besiegten sie die Seleukiden im sogenannten Makkabäeraufstand. Ein Jahr später eroberten die Juden auch ihren von den griechischen Herrschern missbrauchten Tempel wieder. Sie reinigten ihn und weihten ihn neu. Hierfür entzündeten sie einen Rest geweihten Öls, der normalerweise den Tempel nicht länger als einen Tag erleuchtet hätte. Auf wundersame Weise brannte er aber ganze acht Tage. Genau so lange, bis neues, koscheres Öl hergestellt war.

Acht Tage wird gefeiert

Zahlreiche Menschen und ein Chanukka-Leuchter vor dem Erfurter Rathaus
Entzünden der Chanukkia vor dem Erfurter Rathaus Bildrechte: MDR/Katrin Kurth

In Gedenken an diese Ereignisse treffen sich jüdische Gläubige heute zu Chanukka, um acht Tage lang mit Verwandten und Freunden zu feiern. Morgens werden in der Synagoge besondere Gebete gesprochen und eine bestimmte Stelle aus der Thora  vorgelesen. An den Abenden treffen sich die Familien zu Hause und entzünden jeden Tag ein neues Licht an der Chanukkia – bis alle acht Kerzen brennen. Die Kerzen werden von rechts nach links angezündet,  die neue immer zu erst. Zum Ritual des Anzündens gehören Segenssprüche und Gebete.

Am Ende der Chanukka-Zeit leuchten alle acht Lichter. Damit sich die Gläubigen an das Lichtwunder und an Gottes Anwesenheit erinnern, stellen viele Juden ihre Chanukkia in ihre Fensterbänke und Hauseingänge. Damit bezeugen sie ihren Glauben, ihr Vertrauen in Gott und häufig auch ihren Stolz, Juden zu sein.

Chanukka mit Einschränkungen

Das jüdische Lichterfest unterliegt in diesem Jahr, genau wie Weihnachten - den aktuellen Corona-Beschränkungen. Da Chanukka am Donnerstagabend beginnt und bis zum 18. Dezember dauert, sind die Einschränkungen strikter als zum Jahresende, wenn die von Bund und Ländern angekündigten Lockerungen für Weihnachten, Silvester und Neujahr in Kraft treten sollen - wobei sich auch dafür bereits Änderungen abzeichnen.

Für die Verordnungen der Regierung zeigt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster Verständnis. Er schrieb auf Twitter: "Größere Familienfeiern zu Chanukka wird es in diesem Jahr wegen Corona nicht geben." Diesen Verzicht leiste die jüdische Gemeinschaft: "Pikuach Nefesch - der Schutz des Lebens ist für Juden das oberste Gebot. Möge uns das Lichterfest gerade in diesem Jahr Trost und Zuversicht geben."

Chanukka-Leuchter in Leipzig

Anlässlich des Chanukka-Festes wird am Donnerstag in Leipzig erstmals seit 1937 ein Chanukka-Leuchter am Ort der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße aufgestellt.

Den Leuchter hat Martin Stern - Sohn einer ehemaligen Leipzigerin jüdischer Herkunft - der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und der Stadt Leipzig geschenkt. Finanziert wurde er durch die Stern Family Charitable Foundation. Den 3,50 Meter hohen elektrischen Kerzenhalter fertigten die Theaterwerkstätten der Oper Leipzig. Er soll jedes Jahr zu Chanukka an der Gedenkstätte aufgestellt werden.

"Es ist für mich ein ganz besonderes und wichtiges Zeichen der Versöhnung und des Miteinanders, dass nach so vielen Jahren ein Chanukka-Leuchter steht - noch dazu an dieser historischen und für die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Leipzig so bedeutenden Stelle", hebt Oberbürgermeister Burkhard Jung die Bedeutung hervor.

Ich danke dem Spender von Herzen für dieses großzügige Geschenk an die Gemeinde und die Stadt. Mögen wir gemeinsam und in Frieden viele schöne Chanukka-Feste feiern.

Oberbürgermeister Burkhard Jung

Quelle: MDR, Stadt Leipzig