Boom in der Corona-Krise Wie die Kirche in Mitteldeutschland online geht

Das Corona-Virus hat auch das öffentliche Leben in den kirchlichen Gemeinden zum Erliegen gebracht. Wie die Kirchen in Mitteldeutschland trotzdem digital für ihre Gemeindemitglieder da sind, weiß Kais Harrabi: Nicht nur mit Streams, sondern auch mit partizipativen Gottesdiensten. Und Glockengeläut gibt es auch.

Ein Pfarrer mit Gitarre schaut in einem Video direkt zur Kamera.
"Trotzdem verbunden": EKM-Landesbischof Friedrich Kramer Bildrechte: Onlinekirche / EKM

Herzlich Willkommen zu 'Trotzdem verbunden'. In diesen Tagen dürfen wir keine Gottesdienste feiern, keine Veranstaltungen miteinander haben, aber wir sind trotzdem verbunden, miteinander im Gebet, durch den Geist Jesu Christi und auch in dieser Andacht. Schön, dass Sie dabei sind...

Friedrich Kramer, Landesbischof der EKM

Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, sitzt vor einer weißen Wand, Gitarre auf dem Schoß, Kreuz und Kerze neben sich. Er hält Videoandacht, jeden Mittwoch und Freitag um 18 Uhr auf onlinekirche.net, er betet und singt ein Lied. Das Video ist frei auf der Seite der Onlinekirche der EKM verfügbar, via Youtube.

Online-Gottesdienste boomen: frontal und partizipativ

Derartige Angebot werden derzeit gut angenommen, bestätigt auch Ramon Seliger, Gemeindepfarrer in Weimar und der Onlinepfarrer der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschland.: "Die Leute freuen sich über diese kleinen Beiträge, über Mut machende Worte und die Klickzahlen sind deutlich angestiegen." Die Onlinekirche gibt es seit 2018, aber vor allem jetzt, in Zeiten der Corona-Krise, in denen in den Kirchen keine Gottesdienste stattfinden und die Menschen zu Hause bleiben müssen, erhält sie besonders viel Zuspruch: "Zum einen schreiben und sprechen mich mehr Menschen an mit verschiedenen Seelsorgeanliegen. Zum anderen wird dieses Gebetsanliegen stark wahrgenommen, dass Menschen uns bitten, für sie zu beten. Was sie bewegt? Sie haben Angst, sie haben Furcht, sie sind beunruhigt, fragen sich: 'Was passiert da jetzt eigentlich?' Und da ist die Onlinekirche für viele ein wichtiger Ort. Wenn man sich die Teilnehmerzahlen bei den Online-Gottesdiensten anschaut, die haben sich seit der Corona-Krise deutlich erhöht."

Neben den Andachten mit dem Landesbischof werden auf der Website auch partizipative Online-Gottesdienste gefeiert. In der Predigt wird dann beispielsweise direkt auf Fragen um Kommentare der zuschauenden Nutzer eingegangen. Es gibt einen Bereich, in den man anonym ein Gebet schreiben kann und natürlich auch einen Kontakt zum Pfarrer. Außerdem ist die Onlinekirche viel in sozialen Netzwerken aktiv; nicht nur auf Youtube, auch auf Facebook und Instagram.

Liedblätter zum Download, Ideen für Andachten zu Hause

Zudem bieten in der Corona-Krise viele evangelische Gemeinden eigene Online-Angebote an: Von Liedblättern zum Runterladen und Ideen für Andachten zu Hause bis hin zu Seelsorgeangeboten und eigenen Streams.

Und auch die Katholische Kirche stellt sich in dieser Zeit online auf. Zum einen werden auch hier in vielen Gemeinden Gottesdienste in Streams übertragen. Im Bistum Magdeburg auch aus dem Dom, erzählt Bistumssprecherin Susanne Sperling: "Darüber hinaus bieten wir auf unserer Bistumsseite immer wieder Aktivitäten an, wie man die Osterfeiertage beispielsweise mit Kindern feiern könnte oder stellen Geschichten bereit, die man sich runterladen kann. Wir machen auch Vorschläge, wie man zu Hause im kleinen Kreis in Gemeinschaft beten kann."

"Lokale Angebote sind wichtig!

Man könnte fast schon von einem Überangebot sprechen. Doch Susanne Sperling, Sprecherin des Bistums Magdeburg stellt klar: Lokale Angebote fürs Netz sind wichtig.

Ein Stream von einem Gottesdienst, der hier stattfindet, nicht in Rom oder Köln, sondern tatsächlich aus der Bischofskirche hier in Magdeburg kommt, bringt doch Verbindung. Das zeigen jedenfalls die Reaktionen, die wir bekommen, dass dieses auf Distanz Verbindung-Halten doch auch einen ganz großen Wert hat.

Susanne Sperling, Bistum Magdeburg

Dass dieses Verbindung-Halten am Ende vielleicht sogar die Gemeinschaft stärken könnte und hilft, die analoge Gemeinschaft ganz neu wertzuschätzen, sieht auch Onlinepfarrer Ramon Seliger so. Er versucht jedenfalls, der Krise auch positive Seiten abzugewinnen: "Eine Krise ist immer auch eine Chance und das wird an dieser Stelle deutlich: Wir entwickeln neue Formate,

Ich spüre in den letzten Tagen und Wochen eine enorme Kreativität an allen Ecken und Enden, unter anderem auch in der Kirche."

Ramon Seliger, Online-Pfarrer der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland

Und Glockengeläut gibt es auch

Nicht nur online, sondern laut und vernehmlich setzt das Bistum Dresden-Meißen ein Zeichen: Ab Sonntag sollen jeden Abend um 19:30 Uhr nun die Glocken der katholischen Kirchen läuten. Dies solle die Menschen während der Corona-Krise daran erinnern, "dass andere für sie anpacken und damit unserem Land Gutes tun", erklärte dazu Bischof Heinrich Timmerevers: "Pflegedienste, Müllabfuhr, Supermärkte, Erzieherinnen, Medien und Behörden sind neben den medizinischen Diensten nur einige Beispiele dafür, wie tagtäglich Menschen daran mitwirken, dass wir mit möglichst wenig Nachteilen durch diese Krise kommen. Dafür gilt es, Danke zu sagen."

Weiter rief er dazu auf, nicht nur Deutschland im Blick zu haben. "In anderen Ländern, aber auch auf anderen Kontinenten wächst ebenfalls das Leid. Als Christ bin ich davon überzeugt, dass wir das Menschenmögliche unternehmen müssen, damit diese Pandemie ein Ende findet, und zugleich auf das Gebet vertrauen können, als hätten wir nichts in der Hand." Insgesamt werden laut Bistum in Sachsen und Ostthüringen 334 Glocken an 136 Orten läuten. Vom Glockengeläut ausgenommen sei die liturgische Zeit von Gründonnerstag bis Ostersonntag.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. März 2020 | 09:15 Uhr