Podiumsdiskussion Corona: Dürfen Sakramente online gespendet werden?

Sich mit vielen Gleichgesinnten in einem großen Raum zu treffen, um dort gemeinsam zu singen und zu feiern ist in einer Pandemie nicht möglich. Doch genau das macht einen herkömmlichen Gottesdienst aus. Also mussten die Kirchen neue Wege in der Liturgie gehen. Darüber wurde auf einer Podiumsdiskussion des Netzwerks "die Pastorale" gesprochen:

Beten vor einem Laptop wo ein Online-Gottesdienst gestreamt wird.
Theologen diskutieren, ob christliche Segen online gespendet werden können. Bildrechte: imago images/Action Pictures

Nachdem Kirchenfeiern anfangs nur abgefilmt und gestreamt wurden, sind inzwischen eine Fülle neuer Gottesdienstformen entstanden. Das bietet neue Gestaltungsmöglichkeiten. So finden sich Gläubige auf Twitter zusammen, um unter dem Hashtag #Twomplet gemeinsam das Stundengebet Komplet zu feiern. Die Idee gibt es zwar schon seit 2014, sie hat aber jetzt an Popularität gewonnen.

"Rituale und Zeichen neu reflektieren"

Jochen Arnold, Direktor des evangelischen Michaelisklosters in Hildesheim und Dozent für Theologie an der Universität Leipzig, sieht darin Vor- und Nachteile: "Ich habe den Eindruck, dass wir in den letzten Monaten einen großen Zugewinn an Fluidität, an Leichtigkeit, an Zusammenspiel von Wort und Musik haben. Das Traurige ist, dass uns der Gemeindegesang fehlt, der für einen evangelischen Gottesdienst essenziell ist."

Der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann ergänzt: "Gottesdienst kann nicht eins zu eins in den digitalen Bereich übertragen werden." Man müsse nun überlegen, wie das Wort wirke und den gesamten Bereich der Rituale und Zeichen neu reflektieren, sagt Kranemann.

 Ist ein Abendmahl online möglich?

Ein zentrales Problem im Online-Gottesdienst bleibt das Abendmahl. Die Meinungen gehen auseinander, ob der eucharistische Segen auch online gespendet werden kann. Jochen Arnold: "Ich persönlich sage, das Wort muss beim Element sein. Wenn also das Wort hörbar gesprochen wurde und dann auch tatsächlich kommuniziert, also gegessen und getrunken wird, ist das für mich ein richtiges Abendmahl." In einer Pandemie sei es vorstellbar, dass ein getaufter Christ anstelle eines Ordinierten einem anderen das Sakrament spende, ähnlich wie bei der Nottaufe, findet Arnold.

Dagegen ist Benedikt Kranemann skeptisch: "Wenn es um das Wort geht, ist es eine andere Situation, als wenn es um die materiellen Zeichen Brot und Wein, Wasser und Öl geht. Da stoßen wir in der Pandemie meines Erachtens im digitalen Raum deutlich an eine Grenze."

Es handelt sich dabei um keinen Streit zwischen den Kirchen. Unter evangelischen und katholischen Theologen gibt es Vertreter beider Ansichten.

Glaubensgemeinschaften verändern sich

Eine ganz andere Frage ist die, wie die Möglichkeit, aus einem breiten Angebot an Online-Gottesdiensten auszuwählen, die Gemeinschaften selbst beeinflusst. Grundsätzlich sei es gut, die Kirche mit neuen Angeboten wieder näher zu den Menschen zu bringen, finden beide Theologen.

So werden alte Formate hinterfragt und viel Neues ausprobiert, vielfach auch die Gemeindemitglieder anders und auch mehr eingebunden. Die Pandemie hat Bewegung in die Liturgie gebracht.