Ökumenischer Kirchentag Das bringt 2021 für die Kirchen

Covid 19 hat im vergangenen Jahr auch das religiöse Leben geprägt – und es wird noch bis weit ins Jahr 2021 bestimmend sein. Davon gehen jedenfalls jene Veranstalter aus, die ihre Planungen – wie beispielsweise für den Ökumenischen Kirchentag im Mai – schon zurechtgestutzt haben. Ein ein Ausblick, was bei den Religionsgemeinschaften oben auf der Agenda steht. 

V.l.: Der katholische Bischof von Limburg, Georg Baetzing (Bätzing); Julia Helmke, Generalsekretaerin des Deutschen Evangelischen Kirchentages; der hessen-nassauische Kirchenpraesident Volker Jung; die evangelische Praesidentin des Oekumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt am Main, Bettina Limperg; der katholische Praesident des Oekumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt am Main, Thomas Sternberg und Stefan Vesper, Generalsekretaer des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, praesentieren am Samstag (26.10.19) in Frankfurt am Main das Leitwort 'Schaut hin' fuer den 3. Oekumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt am Main.
V.l.: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing; Julia Helmke, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages; der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung; die evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt am Main, Bettina Limperg; der katholische Präsident des Ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt am Main, Thomas Sternberg und Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken präsentieren im Herbst 2019 und damit lange vor Corona das Leitwort. Bildrechte: imago images / epd

Der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main im Mai sollte mit mehr als 100.000 Teilnehmenden einer der Höhepunkte kirchlichen Lebens werden. Und nun? Alles digital.

Ökumenischer Kirchentag in Frankfurt am Main

Unter den gegenwärtigen Bedingungen sei eine Präsenzveranstaltung mit so vielen Menschen nicht realistisch, sagt Julia Helmke, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags: "Wir wollen nicht, dass sich die Menschen vereinzelt vor dem Computer die verschiedenen thematischen Veranstaltungen anschauen, sondern dass sie daran teilnehmen. Durch die vielen partizipativen und interaktiven Elementen, die in den letzten Monaten entwickelt wurden. Die wollen wir nutzen."

Aber eigentlich lebt jeder Kirchentag von den direkten Begegnungen; von Konzerten mit Zehntausenden, von Streitgesprächen und spirituellen Erfahrungen. Daraus wird in diesem Jahr nichts.

Wer folgt auf Bedford-Strohm als EKD-Chef?

EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm
Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Bildrechte: imago images/epd

Bei den Protestanten stehen wichtige personelle Weichenstellungen an: Heinrich Bedford-Strohm hört als EKD-Ratsvorsitzender auf.

Mögliche Nachfolgerinnen an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland sind die westfälische Präses Annette Kurschus oder die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs.

Aufklärung sexualisierter Gewalt und Synodaler Weg

Protest gegen sexueller Missbrauch am Rande der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Mainz am 03.03.2020.
Weiter im Fokus Bildrechte: imago images / ULMER Pressebildagentur

Noch stärker als die Protestanten wird vermutlich die katholische Kirche das Thema sexualisierte Gewalt weiterhin beschäftigen: "Es geht darum, wie wir Aufklärung und Transparenz haben, wie wir wirklich Formen der Entschädigung finden. Natürlich sind das alles wieder Rückschläge, ob Köln, ob Speyer. Das ist etwas, was uns nach wie vor stark belastet", sagt Katharina Abeln als Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Im März will das Erzbistum Köln endlich ein Gutachten vorlegen, das Licht ins Dunkel des Skandals um die sexualisierte Gewalt bringen soll. Im Fokus der Kritik steht mittlerweile vor allem der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Hoffnungsschimmer für viele katholische Gläubige ist der Synodale Weg, ein Dialog zwischen Laien und Klerikern zur Reformfähigkeit der Kirche. Allerdings ein mühsamer Weg mit Stolpersteinen, die nicht zuletzt aus dem Vatikan kommen, moniert Katharina Abeln:

Die Dämpfer, die aus Rom kommen, die nehme ich sehr schmerzlich wahr, und trotzdem glaube ich, dass wir Spielräume haben, um auch einiges umzusetzen und Denkprozesse auch in anderen Ländern anzuregen, so dass wir zu Veränderungen kommen.

Katharina Abeln Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Bistumsjubiläum in Dresden-Meißen

Mit Freude blicken die Katholiken in Sachsen auf dieses Jahr. Philipp Hecker koordiniert in der Diözese Dresden-Meißen das Bistumsjubiläum. Die Ursprünge gehen bis ins Jahr 968 zurück. Das ursprüngliche Bistum existierte dann bis ins 16. Jahrhundert, dann kam die Reformation und Sachsen war hauptsächlich evangelisch. Aber im Jahr 1921 hat man sich dann dazu entschieden, das Bistum wieder zu errichten, damals als Bistum Meißen und seit 1980 ist es jetzt das Bistum Dresden-Meißen.

Geplant ist eine große Jubiläumsfeier am 20. Juni am Dresdner Elbufer. Auch wenn die Katholiken in Sachsen nur eine kleine Minderheit sind, wollen sie so etwas wie das Salz in der Suppe sein, meint Koordinator Philipp Hecker: "Wir erhoffen uns, dass wir sichtbar machen können, dass die Katholiken in der Region eine Minderheit sind, die gerade in diesen turbulenten Zeiten die Botschaft der Solidarität und der Nächstenliebe hat."

1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, spricht bei einem Festakt zur Eröffnung des Themenjahres "Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen" im Kaisersaal.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, beim Festakt zur Eröffnung des Themenjahres "Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen" im Herbst 2020. Bildrechte: dpa

Und ein weiteres Jubiläum steht an: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Nora Goldenbogen ist Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden. Mit den Jubiläumsveranstaltungen will sie jüdisches Leben für die Öffentlichkeit sichtbar machen: "Ganz sicher herausragend wird diese Veranstaltungsreihe hier in Dresden mit der Staatsoper sein, der Staatsopernchor wird in der Dresdener Synagoge auftreten. In Leipzig ist ein "Sukkafest XXL' geplant. Da wird eine riesige Laubhütte aufgebaut, und da werden die Leipziger eingeladen. Ich denke, das wird eine sehr schöne Sache."

Für Erfurt ist geplant, mit einer besonderen Zeremonie eine neue Torarolle in die Synagoge zu bringen. Thüringen startete bereits im Oktober ins Themenjahr: 900 Jahre jüdisches Leben. In Chemnitz wird eine Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Chemnitz nach 1945 gestaltet.

Und doch blicken alle Religionsvertreter mit gemischten Gefühlen auf dieses Jahr. Denn sie alle wünschen sich, dass die Pandemie endlich überwunden wird.

Jüdisches Leben in Mitteldeutschland

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. Januar 2021 | 09:15 Uhr