Szene aus: Das Robin Hood - Arm und Reich an einem Tisch - Nah dran-Reportage
Die spanische Metropole Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie ein Pfarrer in Madrid erst seine Kirche und dann ein Restaurant für Arme öffnete Arm und Reich an einem Tisch: Das Robin Hood

Mitten in Madrid liegt das "Robin Hood". Der Name sei Programm sei, sagt Padre Angel: Von den Reichen nehmen, um den Armen zu geben. Nur dass die Reichen nicht überfallen werden. Mittags können die zahlenden Gäste freiwillig etwas mehr für ihr Essen geben. Aus diesen Einnahmen finanziert sich das Essen, das am Abend Bedürftigen serviert wird. Doch es geht um mehr als eine Speisung der Armen.

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Es ist kurz vor acht. Im "Robin Hood" werden jetzt die Tische eingedeckt. Es duftet verlockend. Knusprige Patatas Bravas, frischer Sepia ... Und dann kommen sie auch schon. Pünktlich auf die Minute. Erst müssen noch die Tickets abgezeichnet werden.

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Nicht weit von den Touristenattraktionen: Das "Robin Hood" am Tage, erst abends herrscht Betrieb. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dann kann es losgehen. Höchste Zeit, denn alle haben großen Hunger. 60 bedürftige Gäste können sie im "Robin Hood" jeden Abend bedienen. Für viele bedeutet dieses Abendessen die einzige Mahlzeit des Tages, nicht in einer Armenspeisung, nicht an irgendeinem tristen Ort, sondern in einem schicken Restaurant, an Tischen, mit Tellern, Besteck und Servietten.

Nicht nur Almosen verteilen, sondern Solidarität mit den Armen leben

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San Antón - Padre Angels Kirche, die offen ist für alle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Padre Angel ist der Initiator des Restaurants und in Madrid längst eine Berühmtheit. Sie nennen den Achtzigjährigen auch "Pfarrer der Armen". Seit mehr als fünf Jahrzehnten setzt er sich für sozial Schwache ein. Seine Kirche liegt vier Metrostationen vom "Robin Hood" entfernt, im Viertel Chueca. San Antón öffnet er schon lange für alle. Jeden Tag - 24 Stunden. Nachts können Obdachlose dort schlafen. Früh um acht gibt es ein Frühstück auf den Kirchenbänken, 200 Menschen nutzen das Angebot jeden Morgen und speisen mitten im Kirchenraum. Es sind Obdachlose , verarmte Rentner; Menschen, deren Leben durch private Schicksalsschläge oder die Wirtschaftskrise aus der Bahn geriet. Nur abgetrennt durch einen Vorhang hält Padre Angel derweil im Altarraum eine Andacht, für die die beten wollen. Beichtstühle wurden in San Antón längst durch offene Stühle ausgetauscht. Neu installiert wurde hingegen Wifi, dass die nutzen können, die kein Guthaben mehr auf ihren Handys haben.

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Padre Angel hält die Morgenandacht ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hier gibt es viele Menschen mit geschundenen Seelen und Körpern. Es ist definitiv eine Kirche für alle.

Padre Angel
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... Bedürftige kommen zum Frühstück auf den Kirchenbänken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Versorgt werden die Bedürftigen von den vielen freiwilligen Helfern, die von Padre Angels Idee begeistert sind: Nicht nur Almosen verteilen, sondern Solidarität mit den Armen leben. Javier Carmona beispielsweise engagiert sich als Fußpfleger. Einmal in der Woche. Ohne Bezahlung. Den Rest seiner Zeit lehrt er als Professor an der Universität. Er stieß durch Zufall eine Bekannte, die als Freiwillige in der Kirche arbeitete und sagt:

Seitdem fühle ich mich sehr erfüllt. Es bringt mir selber sehr viel, auch wenn es nicht mehr als eine Art Staubkorn im System ist.

Javier Carmona

Viel mehr als eine Armenspeisung

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Die Kirche San Antón von Padre Angel in Madrid ist anders. In jeder Beziehung. Es gibt eine heilige Pforte für Menschen ohne Obdach, eine Zuflucht für diejenigen, die auf der Straße leben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Kirche San Antón von Padre Angel in Madrid ist anders. In jeder Beziehung. Es gibt eine heilige Pforte für Menschen ohne Obdach, eine Zuflucht für diejenigen, die auf der Straße leben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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"Das hier lässt mich nicht mehr los", sagt Isabel, die als eine der vielen Freiwilligen in der Kirche hilft, "Du kommst in Kontakt mit den Leuten hier und schenkst ihnen einen Teil deiner Zeit. Das hilft ihnen sehr, aber dir selbst auch, weil du unglaublich zufrieden nach Hause gehst." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Tagsüber scheint noch nicht viel los zu sein, doch in der Küche laufen bereits die Vorbereitungen für den Abend. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Köchin Mati bereitet das Tagesgericht, auf spanisch: das Menu del Dia, vor. Es kostet elf 11 Euro. Für zahlende Gäste, durch sie können dann hier am Abend auch arme Menschen speisen - und zwar kostenlos, erklärt Mati, die sich meist über die zufriedenen Gäste freut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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60 bedürftige Gäste können sie im "Robin Hood" jeden Abend bedienen. Für viele bedeutet dieses Abendessen die einzige Mahlzeit des Tages, nicht in einer Armenspeisung, nicht an irgendeinem tristen Ort, sondern in einem schicken Restaurant, an Tischen, mit Tellern, Besteck und Servietten. Luis Vincente hat sich dafür in Schale geschmissen und bringt einen Toast aus auf den Padre. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Padre Angel kommt selbst, so oft er kann, im "Robin Hood" vorbei und sagt: "Ich glaube, das Wichtigste hier ist gar nicht einmal das Essen, obwohl auch das sehr gut ist. Das Wichtigste ist unser Leitspruch: Die Gemeinschaft, die Freundschaft und die Würde." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Nur abgetrennt durch einen Vorhang hält Padre Angel derweil im Altarraum eine Andacht, für die die beten wollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Früh um acht gibt es aber außerdem ein Frühstück auf den Kirchenbänken, 200 Menschen nutzen das Angebot jeden Morgen und speisen mitten im Kirchenraum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Luis Vincente strandete, nachdem er erst seine Arbeit verlor und danach bald seine Ehe in die Brüche ging. Er besucht San Antón, aber auch das Restaurant "Robin Hood", das Padre Angel initiierte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Bedürftigen, die dort essen wollen, melden sich im Büro bei Sara Lopez, hinterlassen ihre Daten und bekommen ein Ticket, für das sie einen Monat lang jeden Abend ins "Robin Hood" kommen können. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Bedürftigen, die kommen, geben auch etwas zurück. Sie engagieren sich in der Kirche und helfen beispielsweise als Meßdiener. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Viele Jahre kämpfte Padre Angel für so eine offene Kirche. Er bekam sie erst, nachdem Franziskus in Rom zum Papst gewählt wurde.

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Viele Freiwilligen unterstützen die Idee der gelebten Solidarität Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es war Papst Franziskus, der wirklich die Kirchentüren für alle geöffnet hat. Er hat die Türen weit aufgestoßen. Die erste Botschaft, die ich von ihm gehört hatte, hieß: Oh wie ich mir eine Kirche für die Armen wünschen würde.

Padre Angel
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Sara Lopez empfängt die Bedürftigen und vergibt die Tickets für das "Ronin Hood" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In San Antón gibt es ein offenes Gästebuch, eine Wand, an die man seine Wünsche schreiben - und einen täglichen Tweet vom Papst. Außerdem wird gespendetes Essen über ein Fenster um 12 Uhr nach draußen verteilt. Aber auch diese offene Kirche war Padre Angel nicht genug. Als er hörte, dass in der Nähe eine Gaststätte zu verpachten sei, kam ihm die Idee eines Restaurants für die Armen. Seitdem gibt es das "Robin Hood". Die Bedürftigen, die dort essen wollen, melden sich im Büro bei Sara Lopez, hinterlassen ihre Daten und bekommen ein Ticket, für das sie einen Monat lang jeden Abend ins "Robin Hood" kommen können.

Ich glaube, das Wichtigste hier ist gar nicht einmal das Essen, obwohl auch das sehr gut ist. Das Wichtigste ist unser Leitspruch: Die Gemeinschaft, die Freundschaft und die Würde.

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Luis Vincente strandete, nachdem er erst seine Arbeit verlor und danach bald seine Ehe in die Brüche ging. Doch bis heute hat er Kontakt zu seiner erwachsenen Tochter, die dafür sorgt, dass er sich nicht gehen lässt. Er erzählt, dass sie ihn vor seinem ersten Besuch im "Robin Hood" anrief und an seine alten Anzüge erinnerte, die er seit zwei Jahren nicht mehr brauchte, die aber bei ihr noch im Schrank hingen: "Sie sagte zu mir: 'Papa, du wirst wie ein König ins Restaurant gehen.' Sie hat mich richtig schön zurecht gemacht. Einfach so, nur aus Respekt. Auch für Padre Angel." Nicht nur Vincente begreift die Gemeinschaft rund um das "Robin Hood" inzwischen als Familie, zu der die Tischgäste und die Freiwilligen gleichermaßen gehören. Viele von ihnen hoffen, dass das Beispiel aus Madrid auch andernorts Schule macht.

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Padre Angel schaut oft selbst im "Robin Hood" vorbei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Würde bedeutet, dass alle Menschen gleich sind. Nicht nur vor Gott, das gilt für alle. (...) Aber wie oft geschieht es, dass wir die Straßenseite wechseln, um einen Obdachlosen aus dem Weg zu gehen. Das ist ein Problem, das die Politiker nicht lösen können: Denn es geht um das Bewusstsein, dass, ob wir nun Geld haben oder nicht, die Würde erhalten bleiben muss.

Padre Angel

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 11. Januar 2018 | 22:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 11:57 Uhr

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