Szene aus: 'Glauben, Leben, Sterben'.
Einer der Zeitzeugen des Dreißigjährigen Krieges war der Söldner Peter Hagendorf (Spielszene), auf seine Berichte stützt sich die Doku, die der MDR koproduzierte. Bildrechte: BR/Metafilm

Vor 400 Jahren Glauben, Leben, Sterben - Menschen im Dreißigjährigen Krieg

Der Dreißigjährige Krieg wird auch als "Urkatastrophe" bezeichnet, die sich tief ins kollektive Gedächtnis der Europäer einbrannte. Vor 400 Jahren begann das Gemetzel im Namen der Religion. Die Doku erinnert daran und fragt, was wir daraus über die Kriege heute lernen.

Szene aus: 'Glauben, Leben, Sterben'.
Einer der Zeitzeugen des Dreißigjährigen Krieges war der Söldner Peter Hagendorf (Spielszene), auf seine Berichte stützt sich die Doku, die der MDR koproduzierte. Bildrechte: BR/Metafilm

Mit dem Prager Fenstersturz im Mai 1618 beginnt der Dreißigjährige Krieg und damit der letzte große Religionskrieg in Europa. Die anfängliche Auseinandersetzung um Macht und Religion zwischen dem protestantischen Adel in Böhmen und dem katholisch-habsburgischen König Ferdinand weitet sich zu einem Flächenbrand aus, in den nahezu alle europäischen Mächte des damaligen Europa verwickelt sind. Erst als Millionen Menschen gestorben sind und der halbe Kontinent verwüstet ist, können sich Europas Katholiken und Protestanten im Westfälischen Frieden auf eine neue Ordnung des Zusammenlebens einigen. Warum das Ringen um die richtige Konfession zu einem solchen Gemetzel führen konnte, ist heute kaum mehr nachzuvollziehen.

Zeitzeugenberichte aus der Vergangenheit

Schwer vorstellbar sind auch die Not und das Elend, die der Krieg über das Land brachte. Zeugnis davon geben Bücher wie Grimmelshausenes abenteuerlicher Simplicissimus oder jüngst Daniel Kehlmanns Roman "Tyll", aber auch Zeitzeugenberichte existieren: Vom Söldner Peter Hagendorf aus Zerbst, der sich mal in dem einen und mal in dem anderen Heer verdingt, vom der Nonne Klara Staiger, die versucht, ihr Kloster zu retten, von der Bäuerin Marta Küzinger, die ihren lutherischen Glauben heimlich lebt, vom Bankier Hans de Witte, der als Calvinist die Katholischen finanziert, oder vom Jesuitenprediger Jeremias Drexel, den der Krieg am Ende anekelt.

Damals Magdeburg - heute Aleppo?

Die ARD-Doku kontrastiert diese Zeitzeugenberichte aus der Vergangenheit mit Eindrücken einer Reise durch das heutige deutschsprachige Europa. Gibt es noch Spuren von dem Konflikt von einst? Wie steht es um den Glauben heute? Renommierte Experten wie der Politikwissenschaftler Herfried Münkler oder die Historiker Georg Schmidt und Christoph Kampmann analysieren den Antagonismus von damals und fragen, ob der Dreißigjährige Krieg uns etwas über die Kriege unserer Zeit lehren kann. Denn religiöser Hass, Staatszerfall, skrupellose Heerführer – all diese Zutaten des Dreißigjährigen Krieges prägen auch die Konflikte unserer Zeit.

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2018, 17:01 Uhr

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