3. Ökumenischer Kirchentag Wie steht es um die Ökumene?

Am Donnerstag (13.05.2021) beginnt der dritte Ökumenische Kirchentag in Frankfurt. Coronabedingt findet er weitgehend digital statt. Der Kirchentag dient dem gemeinsamen Austausch zwischen evangelischen und katholischen Christen. Doch wie ist es in Deutschland um die Ökumene, das Miteinander der Kirchen, bestellt?

Der Buchstabe"i" aus dem Slogan "schaut hin" für den 3. ֖kumenischen Kirchentag (֖KT) steht als Infosäule vor der Frankfurter Skyline
"Schaut hin" lautet das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentags. Bildrechte: dpa

Eigentlich geht es den evangelisch-katholischen Beziehungen ganz gut. Doch an einem Punkt kommen beide Partner einfach nicht zusammen. Gemeinsame Abendmahlsfeiern sind nach wie vor nicht möglich, obwohl sich das viele evangelische wie katholische Christen wünschen.

Doch dem steht das Eucharistieverständnis der katholischen Kirche entgegen, wie der Magdeburger Bischof Gerhard Feige erläutert. Er ist in der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zuständig für die Ökumene: "Nach katholischem und orthodoxem Verständnis gehören Kirche und Eucharistiegemeinschaft sehr eng zusammen. Die Kommunion ist der höchste Ausdruck für diese Einheit. Darum tun sich diese Kirchen schwer, das zu öffnen."

Kirchentag greift gemeinsames Abendmahl auf

Um Bewegung in die festgefahrene Abendmahlsdebatte zu bekommen, hatte ein hochrangig besetzter ökumenischer Arbeitskreis vor eineinhalb Jahren eine Art Kompromiss vorgeschlagen. Der katholische Stadtdekan von Frankfurt, Johannes zu Eltz, erklärt, was damit gemeint ist: "Also keine Synthese von Abendmahl und Eucharistie-Feier. Es bleibt bei konfessionell verantworteten Gottesdiensten in den üblichen Formen, die aber ökumenisch sensibel gefeiert werden."

Das heißt, dass Mitglieder der jeweils anderen Konfession als Gäste am Abendmahl beziehungsweise an der Kommunion teilnehmen können. Aber auch diesen Vorschlag hat der Vatikan abgelehnt. Der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt greift die Idee dennoch auf. Die evangelischen und katholischen Gottesdienste am Samstagabend (15.05.2021) werden als Mahlfeiern gestaltet, bei denen auch Christen der jeweils anderen Konfession die Teilnahme frei steht. Bettina Limperg ist evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags. Sie sagt:

Wir öffnen die Türen auch für die jeweils andere Konfession, und das ist ein schöner, ein großer Fortschritt.

Bettina Limperg Evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags

Konfessionsverbindende Ehen als Treiber der Ökumene?

Das vatikanische Nein zum gemeinsamen Abendmahl ist die eine Seite, die Praxis in Deutschland die andere. Dafür sorgen auch die Christen, die in einer konfessionsverbindenden Ehe leben, bei der also ein Partner evangelisch, der andere katholisch ist. Manche dieser Ehepaare gehen längst gemeinsam zum Abendmahl beziehungsweise zur Kommunion.

Thomas Sternberg ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Er sagt, diese Familien begründeten eine Normalität des ökumenischen Lebens, der die Theologie hinterherhechele: "Ich glaube, der große Treiber der Ökumene ist die Tatsache, dass wir in Deutschland so viele konfessionsverbindende Ehen und Familien haben wie kaum sonst auf der Welt. Es sind die Familien, die sich jeden Sonntag überlegen, ob sie zur Eucharistie oder zum Abendmahl gehen und das für sich praktisch längst gelöst haben."

Katholische Kirche in sich gespalten

Dabei lässt sich der Eindruck gewinnen, dass die Trennlinie in ökumenischen Fragen auch innerhalb der katholischen Kirche verläuft. Eine Mehrheit der katholischen Bischöfe in Deutschland wünscht sich weitere Schritte der Öffnung. Dem steht eine Minderheit in der Bischofskonferenz und die vatikanische Glaubenskongregation entgegen. Bischof Gerhard Feige:

Momentan sehe ich eine gewisse Stagnation, es gibt auch manche Irritationen.

Gerhard Feige Bischof von Magdeburg

Der Bischof weiß, dass diese oft aus Rom kommen.

Bei allen Fortschritten der vergangenen Jahrzehnte in der Ökumene existieren doch nach wie vor große Differenzen. Dazu gehören die unterschiedliche Sicht auf das Papstamt, aber auch die Bewertung des Zölibats und die Weigerung der katholischen Kirche, Frauen zum Priesteramt zuzulassen.

Ex-Kirchenpräsident: Kein Weg führt an der Ökumene vorbei

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist dennoch vorsichtig optimistisch: "Es hat sich eine Normalität eingestellt, die 2017 einen Schub bekommen hat – nicht zuletzt dadurch, dass die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum in einer erstaunlich großen ökumenischen Offenheit begangen hat."

Auch Christian Schad, bis vor kurzem Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, ist sich sicher, dass die Zukunft der Kirchen eine ökumenische sein wird:

Wenn wir als Christen noch präsent sein wollen, bin ich sicher, dass kein Weg an der Ökumene vorbeiführt.

Christian Schad Ehemaliger Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz

Allein der Mitgliederschwund, der Rückgang der Kirchensteuern und der tendenzielle Bedeutungsverlust in der Gesellschaft lasse den Kirchen gar keine andere Wahl als gemeinsam aufzutreten, betont der frühere Kirchenpräsident.

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