Die Salzmanns Warum eine Familie aus dem Eichsfeld in Äthiopien hilft

Jedes Jahr nimmt das katholische Hilfswerk "Missio" ein anderes Land in den Fokus und trommelt für Spenden, diesmal für Äthiopien. Wieso das Land Hilfe braucht und wieso es ganz unabhängig davon auch eine Reise wert ist - das hat Mareike Wiemann von einer Familie in Kirchworbis im Eichsfeld erfahren, die sich schon lange für die Bildung von Kindern in Äthiopien engagiert.

Helfen in Äthiopien
Vor zehn Jahren brach Familie Salzmann das erste Mal nach Äthiopien auf Bildrechte: Reinhard Salzmann

Die Ärztin Petra Salzmann kann sich noch gut an ihre erste Reise nach Äthiopien erinnern. Zehn Jahre ist es her, mit der ganzen Familie war sie dort. Per Jeep durchfuhren sie weite Teile des Landes am Horn von Afrika. Mit im Gepäck: Eine Stracke, eine Wurstspezialität aus dem Eichsfeld, die weder bei Hitze noch Kälte schlecht wird.

 Wir sind da beizeiten um vier oder fünf Uhr losgefahren, und wollten dann gegen Acht frühstücken. Wir hielten mit dem Jeep mitten in den Bergen, kein Haus weit und breit - und packten unsere Stracke aus. Auf einmal standen erst vier, fünf Kinder, dann zehn oder 20 Kinder um uns rum! Ja, also mein Hunger war vergangen. Wir haben den Kindern was gegeben, die haben nicht gebettelt. Es war sehr beeindruckend.

Petra Salzmann

"Hier wollen wir etwas tun"

Familie Salzmann in Äthiopien
Familie Salzmann an den Nilfällen Bildrechte: Familie Salzmann

Für Petra Salzmann begann damals eine Zeit des Lernens. Sie erlebte, wie sich die Menschen in den weiten Landschaften Äthiopiens an ihre Umgebung anpassen. Dass sie ein sehr naturverbundenes Leben führen, alles nutzen, was ihnen der Boden schenkt. Die Allgemeinärztin sah aber auch, dass Kinder völlig vertrocknete Augen hatten, weil sie dehydriert waren.

Es herrscht krasse, krasse Armut. Sie haben nichts zu trinken, für Wasser müssen sie kilometerweit laufen müssen, die kleinen Kinder schon. In den Bergen mangelt es auch am Essen. Die Menschen ernähren sich von Kakteen.

Petra Salzmann

Dem Ehepaar Salzmann war klar: "Hier wollen wir etwas tun." Und zwar nicht Lebensmittel spenden oder Häuser bauen, sondern in Bildung investieren. Damit kannten sich die Salzmanns bereits aus. In den 1990er-Jahren hatten sie in Kirchworbis den "Indien-Patenschaftskreis" gegründet und mit ihm eine Schule in dem asiatischen Land unterstützt.

In Bildung investieren

Kinder in Äthiopien
Kindergarten in Alamata im Süden der Provinz Tigray Bildrechte: Reinhard Salzmann

So gingen sie auch in Sachen Äthiopien ans Werk - mit Hilfe des dortigen Bischofs unterstützt der Patenschaftskreis seit 2007 auch eine Schule und einen Kindergarten im Norden des Landes. Mittlerweile, erklärt Reinhard Salzmann, hätten sich beide Projekte etabliert: "Da sind ungefähr 200 Kinder in der Schule. Die wächst natürlich, weil ja jedes Jahr eine neue Klasse kommt. Im Kindergarten, da sind zur Zeit 70 Kinder. Doch mit dem Geld, das wir einsammeln, erreichen wir nicht nur sie, sondern fast 1.000 Kinder, in Indien und Äthiopien."

"Die Welt vielleicht ein kleines bisschen besser machen ..."

Mit diesem Ansatz von Petra und Reinhard Salzmann wurde auch ihre Tochter Marie groß:

Als wir das erste Mal in Äthiopien waren, war ich neun, in der dritten Klasse. Wir waren da in den Winterferien und dann hatte ich im März Kommunion. Da bekommt man ja Geld geschenkt, materielle Geschenke. Mir ist das dann so schwer gefallen, das anzunehmen! 

Marie Salzmann
Kinder in Äthiopien
Kinder in Äthiopien und Indien profitieren von den Spenden. Bildrechte: Reinhard Salzmann

Inzwischen ist Marie 19 Jahre alt. Vor einem Jahr machte sie ihr Abitur - und flog im Anschluss in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba, um in einer Krankenstation mitzuhelfen. Eines Tages entdeckte sie Räume, die völlig ungenutzt leer standen - eine Entbindungsstation sei hier geplant, wurde ihr erklärt, aber die Gelder fehlten, um sie aufzubauen. Da ergriff Marie Salzmann die Initiative und richtete zuhause in Deutschland mit ihren Eltern ein Spendenkonto ein. Über Weihnachten sammelte die Familie in der Heimatgemeinde. In vier Monaten kamen 35.000 Euro zusammen. So konnte die Entbindungsstation ausgestattet werden und das undichte Dach repariert, erzählt Marie Salzmann. Und zwei Hebammen arbeiten dort jetzt auch. 

Marie Salzmann will nun Medizin studieren - und auf jeden Fall wieder nach Äthiopien reisen. Das Land lässt sie nicht mehr los.

Ich denke, jeder, der die Chance hat nach Äthiopien zu fahren, der wird feststellen, dass die Menschen dort einfach dankbar sind für das, was sie haben. Das ist in den meisten Fällen nicht viel bis fast gar nichts. Aber sie sind teilweise glücklicher als wir hier.

Marie Salzmann
Die Schule im äthiopischen Aire, die der Patenschaftskreis unterstützt.
Schule in Aire, in der Provinz Tigray im Grenzgebiet zu Eritrea Bildrechte: Reinhard Salzmann

Auch wenn die Menschen sich nicht beschweren - Marie Salzmann will weiter mit anpacken, um Kindern in Äthiopien Bildungschancen zu eröffnen, und Schwangeren zu einer besseren Versorgung zu verhelfen.

Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Eltern - Engagement ist in dieser Familie ganz selbstverständlich.

Stichwort: Spendenlauf am 16. September | Ab 14:00 Uhr Zur Jahresaktion des katholischen Hilfswerks "Missio" gehört am 16. September auch ein inklusiver Spendenlauf. "Jede gelaufene oder gefahrene Runde füllt den Topf mit einem Geldbetrag, den viele Firmen und Einzelpersonen, die meisten aus Thüringen, spenden", erklärt Annegret Rhode, die Referentin im Seelsorgeamt des Bistums, das Prozedere. Die Läufer könnten als Einzelpersonen oder im Team antreten.

70 Prozent der Einnahmen sollen Flüchtlingsprojekten in Äthiopien zugutekommen. Die anderen 30 Prozent seien für die Behindertenarbeit der Thüringer Caritas gedacht.

In Äthiopien leben mehr als 300.000 Flüchtlinge aus Eritrea. Das Geld aus dem Spendenlauf helfe, diesen Menschen psychotherapeutische Beratung, Beschäftigungsprogramme und Seelsorge anzubieten, erläuterte das Bistum den Hintergrund zur Spendenaktion. Die Unterstützung der Caritas stehe zudem jedem Behinderten in Thüringen offen.

Anmeldung und Informationen: spendenlauf@bistum-erfurt.de

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR | 16. September 2018 | 09:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 16:22 Uhr

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