Rückblick Bilanz der EKD-Synode in Dresden

Mit einer Vielzahl von Beschlüssen sind am Mittwoch in Dresden die viertägigen Beratungen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Ende gegangen. Ein Überblick über die wichtigsten Entscheidungen des Kirchenparlaments.

Bischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, spricht während der Jahrestagung der EKD-Synode.
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Friedensethik

„Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“ war das Schwerpunktthema der EKD-Synode 2019. In einer Kundgebung stellte das Kirchenparlament die Bedeutung der Klimagerechtigkeit für den Frieden in der Welt in den Vordergrund. Die Synode hält am Grundsatz der christlichen Friedensethik fest, zivilen und gewaltfreien Mitteln der Konfliktlösung den Vorrang vor militärischen Lösungen zu geben. Die Synode fordert die Bundesregierung auf, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben und die Klimaschutzziele aus dem Pariser Abkommen umzusetzen.

Beteiligung junger Menschen

Mehr junge Menschen sollen die Zukunft der evangelischen Kirche mitbestimmen. Angesichts des durch den Mitgliederschwund bevorstehenden Strukturwandels will die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) junge Menschen besser in ihre Entscheidungen einbinden. Mindestens 20 von 128 Synodalen - das sind rund 16 Prozent - dürfen zu Beginn ihrer Amtszeit nicht älter als 26 Jahre sein, beschlossen die Delegierten des Kirchenparlaments am Mittwoch in Dresden.

Haushalt

Die Synode hat den EKD-Haushaltsplan für das nächste Jahr beschlossen. Der Haushalt sieht Aufwendungen in Höhe von 222,1 Millionen Euro vor und damit 4,5 Millionen Euro mehr als 2019. Für die Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs sind im Etat 1,3 Millionen Euro eingeplant. Mittelfristig stellt sich die evangelische Kirche auf eine abnehmende Finanzkraft ein.

Missbrauch

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in Einrichtungen der evangelischen Kirche und der Diakonie war ein weiteres Schwerpunktthema der Synode in Dresden. Die Synode würdigte am Mittwoch die bisherige Arbeit des Beauftragtenrats der EKD und die Fortschritte bei der Aufarbeitung, wie etwa die Einrichtung der unabhängigen zentralen Anlaufstelle „help!“ für Betroffene und deren Angehörige. Ungeklärt ist die Frage von Entschädigungsleistungen für Opfer sexuellen Missbrauchs. In einem einstimmig angenommen Antrag bat die Synode die 20 Landeskirchen, ein einheitliches transparentes Verfahren für Entschädigungsleistungen zu entwickeln. 

Seenotrettung

Die Synode befürwortet die Initiative des EKD-Rates, ein Schiff zur Seenotrettung ins Mittelmeer zu entsenden. Die Synodalen verabschiedeten einen Antrag, der den Rat auch auffordert, sich weiterhin gegenüber der Bundesregierung und den europäischen Institutionen für Seenotrettung und faire Asylverfahren einzusetzen. Im Haushalt der EKD ist für das Schiff kein Geld eingeplant, denn es soll ausschließlich aus Spenden finanziert werden. Am 3. Dezember startet eine Spendenaktion für das Schiff.

Asylrecht

In drei Beschlüssen äußerte sich das Kirchenparlament zu Fragen des Asylrechts. So wird die Einschränkung des Familiennachzugs für subsidiär Geschützte ebenso kritisiert wie eine restriktive Linie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bei der Überprüfung der Behördenentscheidungen zu Menschen im Kirchenasyl. An die EU ist der Appell gerichtet, die Schutzstandards in den Mitgliedsstaaten zu vereinheitlichen.

Klimaschutz

Schon in seinem Ratsbericht am Sonntag hatte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Kritik am Klimapaket der Bundesregierung geäußert. Zum Abschluss der Beratungen verabschiedete die Synode eine Erklärung, die auf deutliche Nachbesserung der Maßnahmen drängt, "damit das Klimaziel für 2020 so schnell wie möglich und alle weiteren Klimaziele sicher erreicht werden“.

Digitalisierung

Der EKD-Digitalexperte Christian Sterzik stellte der Synode ein Projekt der Evangelischen Kirche im Rheinland vor, mit dem die Auffindbarkeit von Kirchen im Internet verbessert werden soll. Die Synodalen baten den Rat der EKD, das Projekt aus dem Rheinland auf alle Landeskirchen auszudehnen.

 Ausblick

Im kommenden Jahr will sich das Kirchenparlament schwerpunktmäßig mit der Zukunft der evangelischen Kirche angesichts der sinkenden Mitgliederzahl befassen. Eine von der EKD beauftragte Studie der Universität Freiburg prognostiziert, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 gegenüber dem heutigen Niveau halbieren wird, was auch deutliche Auswirkungen auf die Einnahmen haben wird. Die Synode findet vom 8. bis 11. November 2020 in Berlin statt.

Quelle: epd

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 11:51 Uhr