Nach dem Rentzing-Rücktritt Rechtspopulismus und die evangelische Kirche

Der evangelische Landesbischof von Sachsen, Carsten Rentzing, hat am vergangenen Wochenende seinen Rücktritt erklärt. Er war wegen seiner Nähe zu der sogenannten Neuen Rechten in die Kritik geraten. Ist Rentzing ein Einzelfall? Wie sieht es aus mit den Rechten in den eigenen evangelischen Reihen? Michael Hollenbach hat sich in einer Gemeinde in Ostsachsen umgehört.

Kirche in Schleife 2014
Die evangelische Kirche in Schleife Bildrechte: dpa

Jadwiga Mahling sitzt im Pfarrhof im ostsächsischen Ort Schleife an einem Holztisch. Mahling, 1983 in Bautzen geboren, stammt aus einer alten sorbischen Pfarrersfamilie. Die Theologin hat in den vergangenen Jahren in der Gemeinde einen anderen Umgangston bemerkt, der eher an den Stammtisch erinnere. 

Neu ist, dass man es sich auch in der Öffentlichkeit traut, so etwas zu sagen. Dass man bei Geburtstagsbesuchen oder wenn man mit Handwerkern spricht, Sätze hört, die ich so nicht stehen lassen kann.

Jadwiga Mahling

Sätze, deren Tenor die Rechtspopulisten und Rechtsextremisten vorgeben: fremdenfeindlich und homophob. Die AfD hat bei der sächsischen Landtagswahl vor sieben Wochen in der Gemeinde Schleife 37 Prozent geholt.

Es gibt auf jeden Fall auch Menschen aus unseren Kirchengemeinden, die man auch kennt und um die man weiß, dass die AfD wählen.

Jadwiga Mahling

Die heftigen Kontroversen - zum Beispiel um die vermeintliche Islamisierung der Gesellschaft - finden sich auch im Gemeindekirchenrat wieder, sagt dessen Mitglied Werner Karg.

Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht total zerstreiten und noch ein Leib Christi bleiben. […] Das, was die Gesellschaft zerreißt, spiegelt sich auch im Gemeindekirchenrat wider.

Werner Karg

Schleife liegt im Osten Sachsen, gehört aber der EKBO an, der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz. Jadwiga Mahling ist froh darüber, denn in der sächsischen Landeskirche, in der sie zuvor tätig war, gebe es wenig Rückhalt für eine offensive Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus. Da werde vielmehr heftig gerungen um Gender-Fragen oder zum Beispiel darum, ob homosexuelle Paare gesegnet bzw. getraut werden dürfen.

Da ist fast eine ganze Landeskirche zerbrochen an diesen Themen, die, wenn man die gesamte christliche Dogmatik und Ethik anschaut, eher Randthemen sind.

Jadwiga Mahling

Klare Position beziehen

Nächstenliebe auch gegenüber Fremden und die Wahrung der Menschenwürde gehören für die junge Pfarrerin zu den Kernanliegen des Christentums. Wenn sie in der Gemeinde oder bei Feiern rechte Sprüche hört, hält sie dagegen:

Mir ist es lieber, eine klare Position zu vertreten, zu der sich die Leute verhalten können.

Jadwiga Mahling

Ihr sei klar, sagt Jadwiga Mahling, dass etliche Gemeindemitglieder nicht unbedingt mit ihrer Position übereinstimmen. Aber damit könne sie leben.

Was mir wichtig ist, dass wir eine Landeskirche haben, die klar Position bezieht, […] das stärkt einen auch vor Ort den Rücken.

Jadwiga Mahling

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Religion & Gesellschaft | 20. Oktober 2019 | 08:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2020, 18:25 Uhr