Corona-Notfallverordnung Seelsorge muss jedem Menschen zugänglich bleiben

Die Evangelischen Landeskirchen in Sachsen üben deutliche Kritik an der neuen Corona-Notfallverordnung des Freistaats, die weiterhin Zugangsvoraussetzungen für die Inanspruchnahme von Seelsorge vorsieht. Landesbischof Tobias Bilz erwartet, dass diese Regelung umgehend zurückgenommen wird.

Landesbischof Bilz
Landesbischof Tobias Bilz Bildrechte: MDR/K. König

Die sächsische Corona-Notfall-Verordnung, die ab dem 14. Januar gilt, sieht Zugangsvoraussetzungen für die Inanspruchnahme von Seelsorge vor. Obwohl die Landeskirche im Vorfeld des Erlasses darum gebeten hatte diese Regelung zurückzunehmen, muss auch weiterhin ein 3G-Nachweis erbracht werden.

Daran übt die sächsische Landeskirche deutliche Kritik. "Wenn Menschen in seelischer Not die seelsorgerliche Begleitung im Einzelfall verweigert wird, weil sie keinen Nachweis erbringen können, ist eine Grenze überschritten", sagte Landesbischof Tobias Bilz. "Seelsorge in Notfallsituationen geschieht ja nicht geplant, sondern ist oft das Begleiten von Menschen in einer unvorhergesehenen Not- und Krisensituation, zum Beispiel nach einem schweren Verkehrsunfall. Diese Hilfe und Unterstützung darf nicht an Bedingungen geknüpft sein.“

Diese Hilfe und Unterstützung darf nicht an Bedingungen geknüpft sein.

Landesbischof Tobias Bilz

Die Kirche erwarte vom Freistaat Sachsen, dass diese Regelung umgehend zurückgenommen wird, so Bilz.

Auch Regelung bei Beerdigungen nicht angemessen

Darüber hinaus halte er nach den Erfahrungen in der Corona-Pandemie auch eine Obergrenze für die Teilnahme an Beerdigungen für nicht angemessen: "Eine Beerdigung stellt den Abschied von einem lieben Menschen dar, der zu diesem Zeitpunkt geschehen muss und nicht aufgeschoben werden kann. In der Beerdigung erfahren die Angehörigen Trost und Zuspruch." Menschen diese Möglichkeit des Abschiednehmens und Getröstet-Werdens zu nehmen, sei seiner Überzeugung nach nicht zu rechtfertigen, so der Landesbischof.

Dies gelte für kirchliche und weltliche Beerdigungen gleichermaßen. Mit Impfungen und Tests, mit Abstand und Masken gäbe es genug Möglichkeiten, das Risiko einer Ansteckung zu vermindern.

Wenn sich 1.000 Teilnehmende zu einer Demonstration versammeln können, gibt es keinen Grund für eine 20-Personen-Grenze für Beerdigungen.

Landesbischof Tobias Bilz

Im Allgemeinen unterstütze die Landeskirche die Corona-Schutzmaßnahmen und die Bemühungen des Freistaates bei der Eindämmung der Pandemie, stellte Landesbischof Bilz klar. "Mit den Schutzmaßnahmen, welche in unserer Landeskirche für die Gottesdienste gelten, stellen wir sicher, dass sich Menschen verantwortlich und geschützt in der Kirche begegnen können".

Quelle: evlks

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