Selbstbestimmt – Das Magazin | MDR FERNSEHEN | 14.03.2021 | 08:00 Uhr Die Evangelische Stiftung Neinstedt in der Coronavirus-Pandemie

Bewohner und Mitarbeitende der Evangelischen Stiftung Neinstedt sind von der Coronavirus-Pandemie schwer getroffen worden. Im Lockdown laufen einige Dinge in der Stiftung anders als üblich, der Stiftungs-Betrieb steht aber trotzdem nicht still. So gibt es eine neue Tagesklinik für Menschen mit geistigen Behinderungen.

Evangelische Stiftung Neinstedt
In der Tagesklinik werden Therapien individuell abgestimmt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bernd Bergmann leitet seit sieben Jahren verschiedene Einrichtungen der Evangelischen Stiftung Neinstedt. Die Stiftung bietet Menschen mit Behinderungen Therapie-, Wohn-, und Freizeitmöglichkeiten an. Derzeit werden dort rund 2000 Menschen betreut und etwa 1200 Mitarbeitende sind dort beschäftigt. Bergmann kennt die Stiftung in- und auswendig. Er sitzt auch im Krisenstab, der wegen der Coronavirus-Pandemie ins Leben gerufen worden ist.

Coronavirus: Belastend für alle

Ein Mann redet
Bernd Bergmann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Im ersten Lockdown hatten wir Probleme, die uns vorher so nicht bekannt waren. Zum Beispiel Regelungen zu treffen, wie Schutzkleidung angelegt wird, was bedeutet die Krise im Alltag der Bewohner und für Besucher?", erzählt er.

Zu diesem Zeitpunkt gab es in der Stiftung noch keine Coronavirus-Fälle. Doch das Blatt wendete sich im Laufe des letzten Jahres schlagartig. Insgesamt sind über 170 Bewohnerinnen und Bewohner erkrankt, 12 sind gestorben, wie Bernd Bergmann sagt. Mehr als 60 Mitarbeitende hätten sich mit dem Coronavirus infiziert.

"Das belastet Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende und Angehörige sehr. Auch in der Frage des Umgangs, etwa in der Verabschiedung von Bewohnern", betont der Bereichsleiter. Hoffnung gibt es aber auch: Über 400 Bewohnerinnen und Bewohner konnten bereits gegen das Virus geimpft werden. Weitere Termine seien in Aussicht, sagt er.

Tagesklinik für Menschen mit Behinderungen

An vielen Stellen steht der Stiftungs-Alltag still. Aber nicht überall. Seit Ende letzten Jahres gibt es in Neinstedt die deutschlandweit erste psychiatrische Tagesklinik für Menschen mit geistigen Behinderungen. Dort arbeitet die Psychologin Claudia Peterhänsel.

Eine Frau redet
Psychologin Claudia Peterhänsel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Allgemeine Krankenhäuser und Psychatrien sind oftmals nicht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet", erklärt die Psychologin. Gleichzeitig hätten Menschen mit geistigen Behinderungen ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken – zum Beispiel an Depressionen oder Angststörungen.

In der Tagesklinik werde mit Leichter Sprache gearbeitet und die Therapiezeiten seien länger, sagt sie. Das mache eine individuelle Betreuung möglich.

Abends wieder nach Hause zu gehen, sei ein wichtiger Bestandteil der Therapie, betont Claudia Peterhänsel. Das Ziel sei, dass die Patienten neu erlernte Kompetenzen und Fähigkeiten selbstständig zu Hause anwenden könnten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt | 14. März 2021 | 08:00 Uhr